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Neuerburg: Zurück zum alten Charme der schönen Plätze - Neue Impulse dank Förderprogramm des Landes

Neuerburg: Zurück zum alten Charme der schönen Plätze - Neue Impulse dank Förderprogramm des Landes

Ende 2014 wurde Neuerburg, zusammen mit Irrel und Bollendorf, in das Förderungsprogramm des Landes für kleinere Städte und Gemeinden aufgenommen. In diesem Jahr sollen erste Ideen umgesetzt werden. Auch die Bürger werden gefragt.

Eine weiße Schneedecke hat sich über die Eifel gelegt. Auch in Neuerburg hat es in den vergangenen Tagen kräftig geschneit. Auf den Bänken und Tischen liegen weiße Hauben, hier und da wird noch eifrig der Bürgersteig frei geschippt. Auf dem Marktplatz täuscht der weiße Teppich darüber hinweg, wie marode das Pflaster darunter ist.

Doch die Leerstände in vielen Geschäften, die zum Teil schmuddeligen Fassaden und gammeligen Häuser kann selbst der Schnee nicht verdecken. Karl Höffler vom gleichnamigen Fotostudio ist ein alteingesessener Neuerburger. Seit 1974 ist er selbstständig, hat noch die Glanzzeiten des Städtchens erlebt. "Für uns Gewerbetreibenden sieht die Zukunft nicht rosig aus", sagt er.Stadtkern geschwächt

Was Neuerburg enorm geschadet habe, sei die Zergliederung des Gewerbes nach außen. "Damit fing das Sterben des ehemaligen Stadtkerns an", sagt er. Schon vor Jahren, als der Stadtkern saniert werden sollte, sei einiges unterlassen worden, sagt Höffler, der selbst mal für die FWG im Stadtrat gesessen hat. "Es wurde immer alles nur halbherzig gemacht. Es gab keine richtige Struktur."

Außerdem habe sich das Einkaufsverhalten enorm verändert, beobachtet er. Der Fachhandel sei bei den jungen Leuten nicht mehr in. Stattdessen werde im Internet bestellt. Dabei sei Neuerburg so ein schöner Ort.

Das sieht auch Joachim Schmatz, Vorsitzender des Gewerbevereins, so: "Die Entwicklung ist leider so. Außerdem haben wir einen Mangel an Auszubildenden." Dieses Jahr schließt der Bestatter seine Schreinerei, weil er keinen Nachfolger gefunden hat. So erging es schon mehreren Geschäftsleuten in Neuerburg. "Als ich Jugendlicher war, hatten wir hier drei Bäcker, drei Metzgereien und 15 Kneipen - heute gibt es noch einen Bäcker, zwei Kneipen und eine Metzgerei", sagt er. Ende 2016 hat ein Brillengeschäft geschlossen, ein Juweliergeschäft hat gerade Ausverkauf. Neu hinzugekommen sei ein Kfz-Betrieb. "Wir bräuchten dringend zwei, drei junge Leute, die Gastronomie betreiben", sagt Schmatz.Findige Geschäftsideen

Doch nun gibt es eine neue Chance, da Neuerburg im Förderprogramm "Ländliche Zentren - Kleinere Städte und Gemeinden" aufgenommen wurde. "Rund 2,5 Millionen Euro können für öffentliche Maßnahmen ausgegeben werden", sagt Anna Kling, Bürgermeisterin von Neuerburg. Ganz oben auf der Liste steht die Umgestaltung des Marktplatzes.

Dafür sind etwa 500.000 bis 600.000 Euro eingeplant. Ebenfalls auf der Agenda steht die Sanierung des zurzeit geschlossenen Beilsturms - ein Wahrzeichen Neuerburgs. Angegangen werden soll auch der Ausbau der Gärtnerstraße, der Herrenstraße/Ecke Gerberstraße und der Braubachstraße. "Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr einen ordentlichen Auftakt haben", sagt Anna Kling. Ganz wichtig ist ihr dabei die Beteiligung der Bürger. Nach der Offenlegung wird der Stadtrat im März einen Beschluss fassen. Danach wird es Bürgerversammlungen geben und es sollen Arbeitsgruppen gebildet werden.

Das Förderprogramm läuft über zehn Jahre. Die Bürgermeisterin setzt auch auf private Investoren. Für einige in die Jahre gekommene Häuser gibt es schon welche. "Ich hoffe, dass wir noch mehr Leute finden, die den Charme von Neuerburg sehen oder findige Geschäftsideen haben. Welcher Ort hat schon so einen schönen Marktplatz wie Neuerburg?" Vor einem halben Jahr ist Astrid Schirtz innerhalb des Städtchens mit ihrer Bastelstube in ein Geschäft am Marktplatz umgezogen. Sie appelliert an den Zusammenhalt der Einwohner. "Jetzt sind nicht nur Stadtrat und Stadt gefragt, es muss jeder was machen. Doch das muss einer in die Hand nehmen", sagt sie. Wenn alle an einem Strang zögen, wäre vieles machbar. Das habe sich beim Mittelalter-Markt gezeigt. "Das war ein tolles Fest, wir hatten viel Betrieb, es war richtig was los in der Stadt und alle haben mitgemacht."Gesamtkonzept erwünscht

Für die vielen kleinen Geschäfte, die leer stünden, sei es schwer, eine Lösung zu finden. "Am besten wäre ein Gesamtkonzept und ein Investor, der Ahnung von so was hat", sagt Astrid Schirtz, die auch im Vorstand des Gewerbevereins ist. "Es ist allerallerhöchste Zeit, dass etwas passiert."Meinung

Zusammenhalt ist jetzt gefragtNeuerburg hat Charme. Die verwinkelten kleinen Gassen, die vielen kleinen Läden, Häuser mit Türmchen und nicht zuletzt der große Marktplatz im Herzen der Stadt haben einen gewissen Reiz. Doch die Idylle bröckelt - und das schon seit Jahren. Gründe sind unter anderem die Überalterung, ein verändertes Kaufverhalten und verpasste Chancen in der Städtebauplanung. Letztlich nützt die schönste Förderung nichts, wenn die Menschen vor Ort nicht mitziehen. Nur wo engagierte Bürger sich zusammentun und attraktive Lebensbedingungen schaffen, hat ein Ort eine Überlebenschance. Und das gilt nicht nur für Neuerburg. s.glandien@volksfreund.deExtra

 Der Beilsturm ist zurzeit geschlossen.
Der Beilsturm ist zurzeit geschlossen. Foto: (e_eifel )
 Schöne kleine Geschäfte könnte es hier geben. Doch leider stehen viele Schaufenster leer.
Schöne kleine Geschäfte könnte es hier geben. Doch leider stehen viele Schaufenster leer. Foto: (e_eifel )

Mit dem Förderprogramm "Ländliche Zentren - Kleinere Städte und Gemeinden" sollen kleinere Städte und Gemeinden unterstützt werden, die in ländlichen, von Abwanderung oder vom demografischen Wandel betroffenen Räumen liegen. Zusammen mit Irrel und Bollendorf hat sich Neuerburg als Kooperationsverbund um die Aufnahme in das Programm beworben und Ende 2014 auch den Zuschlag bekommen. In Neuerburg leben zurzeit rund 1500 Menschen. sn