Nur die Post wollen alle

BITBURG. (har) Drei große Stadtentwicklungsprojekte stehen in den kommenden Jahren an. Angesichts der wenig rosigen Finanzanlage der Stadt Bitburg riefen deshalb im Stadtrat Redner zum Umdenken, Durchhalten und dem Setzen von Prioritäten auf.

Das Daher-Beten von Etatzahlen wird auch in Bitburg immer mehr zur Nebensache. Die Redner nutzen bei der Beratung über den später mit großer Mehrheit verabschiedeten Haushalt der Stadt vielmehr die Gelegenheit, ihre Ideen für die Zukunft der Stadt zu äußern. Bürgermeister Joachim Streit sagte, dass Ziel der kommenden Monate sei, sich über anstehende Aufgaben in der Stadtentwicklung klar zu werden. "Wenn wir wissen, was auf dem Postplatz geschieht, fällt uns die Antwort auf die Frage einfacher, was am Rautenberg geschehen soll", sagte Streit. Er berichtete, dass im Rahmen der neuen Haushaltsführung bisher die Hälfte der 2500 städtischen Grundstücke, 100 Gebäude und 200 Straßen bewertet worden sei. Peter Wagner (CDU) sprach in der wohl längsten Rede des Abends mehrere Punkte an, mit denen sich der Rat beschäftigen soll. Stadthalle und Post seien wichtige Meilensteine. Er forderte dazu auf, dass die städtische Betriebs- und Verwaltungsgesellschaft über Bitburg hinaus tätig werden sollte und die Baulücke in der Trierer Straße (Alte Union) geschlossen werde. Den Abriss des Lindenhofs begrüßte er hingegen. Angesichts der fehlenden Ergebnisse von Gesprächen über die Zusammenarbeit der Stadt mit der VG Bitburg-Land äußerte er die Hoffnung, dass die neue Landesregierung aktiv werde.Rat nicht einig beim Thema Rautenberg-Zentrum

Peter Berger (Liste Streit) freute sich rückblickend darüber, dass der Kauf der Post so schnell gelungen und der Verkauf des städtischen Walds gescheitert sei. Angesichts des Erwerbs der Post warb er dafür, doch noch vom Projekt Stadthalle Abstand zu nehmen. Diese Neuorientierung habe den Vorteil, dass die Fehler in der Stadtentwicklung der vergangenen Jahre behoben werden könnten. Er habe nämlich den Eindruck, dass "die Politik der vergangenen Jahre im Schatten der Stadthalle ein Fortschreiten ohne Fortschritt war". Klar gegen das Rautenberg-Zentrum und für die Stadthalle sprach sich Manfred Böttel (FBL) aus. Andere Projekte seien wichtiger. "Unsere Innenstadt muss zur Herzenssache aller politisch Verantwortlichen im Rat werden", sagte Böttel. Er forderte, dass genügend Bauland - auch in den Stadtteilen - zur Verfügung gestellt werde. Böttel machte darauf aufmerksam, dass das oft als zu teuer gescholtene Schwimmbad den Bürger weniger koste als beispielsweise die Eisbahn. Dem städtischen Wald sprach auch Hubert Klein (Grüne) eine wichtige Rolle zu. Er könnte dazu genutzt werden, Brennstoff für eine zentrale Energieversorgung für Cascade, Schulen und öffentliche Gebäude in Bitburgs Osten zu liefern. Klein war der Ansicht, dass erst die Post und dann der Rautenberg angegangen werden sollten. Nahezu ohne Bezug auf den Haushalt war die Rede Marie-Luise Niewodniczanskas (FDP). Sie warb für eine Grabungsschutzzone "in der ältesten Kleinstadt Deutschlands". Zudem machte sie den Vorschlag, mit einer Gestaltungssatzung ein harmonischeres Stadtbild zu fördern. Von der SPD gab es nur eine Rede in Schriftform. Darin stellte Fraktionschef Stephan Garçon fest, dass in Sachen Stadthalle die Stadt ihre Hausaufgaben schon lange erledigt habe. Nun müsse die Brauerei endlich handeln.