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Ohne Hobel und Meister Eder

Ohne Hobel und Meister Eder

SCHÖNECKEN. Die Firma Breuer-Koch in Schönecken hat sich auf Schreinereiwerkstätte, Innenausbau und Innenarchitektur spezialisiert. Die Innovation: Nicht mehr nur das klassische Schreinerhandwerk spielt eine Rolle im Traditionsbetrieb. Von der Aufgabenstellung über die Produktion von Ladenbauobjekten bis hin zur Nachbetreuung leistet das Unternehmen einen Rundum-Service.

Das Erdgeschoss. Ein Ort größter Inspiration ist es nicht. Zum Lagern von allerlei Krimskrams kommt es aber gerade recht. Das dachte sich wohl auch Gerhard Breuer aus Schönecken. 1929 richtete er sich im Erdgeschoss seines Hauses eine kleine Schreinerwerkstatt ein. 20 Jahre später erweiterte er sein kleines Refugium mit einem Bau einer Werkstattbaracke auf der gegenüberliegenden Straßenseite. 1955 stieg der Schwiegersohn Alois Koch mit in den Schreinerbetrieb ein. 1962 wurde erneut eine Schreinerwerkstatt gebaut. Seit 1994 liegen alle Hebel und Schalter der Firma Breuer-Koch bei Otmar Koch. Er machte seinen Meister im Schreinerhandwerk und absolvierte anschließend die Ausbildung zum Innenarchitekten. Dass er als Schreinermeister in die Fußstapfen seiner Vorfahren tritt war Kochs Wunsch: "Wenn man täglich das Schreinergeschäft vor Augen hat, geht es in Fleisch und Blut über." Nachdem er einige Jahre in Trier als Innenarchitekt gearbeitet hat, zog es ihn zurück in den Familienbetrieb nach Schönecken. Dort war es Zeit für einen Wandel. Hatten sich seine Vorgänger noch ganz und gar dem klassischen Schreinerhandwerk verschrieben, orientiert sich Otmar Koch an einem ganzheitlichen Ansatz. Dieser geht weg von der Romantik des Schreinerhandwerks, wo Holzspäne und Säge dominieren und auch weg vom Prototyp des "Meister Eder". Nicht mehr nur Möbel, Tische, Stühle, Schränke, Türen und Fenster wollte Koch herstellen, sondern auch Ladenbauobjekte. Koch entwickelt zudem für seine Kunden ein Ladenkonzept, bei dem auf alles geachtet wird - von der Raumaufteilung und Wegeführung über die Farben und Materialien bis hin zu Präsentationspunkten und Beleuchtung. Kurz: Das Ladenlokal wird so gestaltet, dass die Ware ins Rampenlicht gesetzt wird. Zusätzlich kümmert sich der Betrieb um die komplette Gestaltung und Einrichtung von Büro- und Verwaltungsräumen.Erfolgreiche Suche nach der Nische

"Das bekannte Berufsbild des Ein-Mann-Schreinerbetriebs beginnt sich mehr und mehr aufzulösen", erklärt Otmar Koch. Um vom Lauf der Zeit nicht überrollt zu werden, müsse man sich eine geeignete Nische suchen. "Überall im Baumarkt gibt es Fenster und Türen, die viel günstiger sind als beim Fachmann." Nach billigen Fabrikaten, die man zu Hause einfach zusammenschrauben kann, greifen die Menschen. Qualität spiele da immer weniger eine Rolle, denn die kostet Geld. Deshalb "stellen wir nicht nur Möbel her, sondern integrieren sie auch sinnvoll in die Umgebung", sagt Koch. 1999 begann die Aufnahme der Produktion im neuen Betrieb im Gewerbegebiet Schönecken. Dass viele seiner Mitarbeiter im Betrieb ihre Ausbildung gemacht haben, ist ganz selbstverständlich für Otmar Koch. Dass die Lehrlinge in dem modernen Betrieb auch im klassischen Handwerk gelehrt werden, dafür sorgt sein Vater Alois Koch. Der 75-Jährige, der aus dem Betrieb nicht wegzudenken wäre, denkt auch gar nicht daran in nächster Zeit den Hobel aus der Hand zu legen.