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Pensionierungswelle folgt auf Lehrerschwemme

Pensionierungswelle folgt auf Lehrerschwemme

BITBURG-PRÜM/GEROLSTEIN. Vom TV befragte Schulleiter von Gymnasien im Kreis Bitburg-Prüm und in Gerolstein sind zufrieden: Die Versorgung mit Lehrern sei so gut wie nie. Dennoch müssen manchmal mit Seiteneinsteigern und durch Epochalunterricht Lücken gefüllt werden.

Jessica (Name geändert) besucht die Unterstufe des Regino-Gymnasiums in Prüm. Laut Stundentafel für Gymnasien sollte sie 30 Stunden pro Woche Unterricht erhalten, bekommt aber nur 26 erteilt, rechnet ihre Mutter vor. Das sind jede Woche vier Stunden weniger, als ihre Mitschüler auf anderen Gymnasien erhalten. Statt zwei Stunden Musik wird eine erteilt, Kunst (zwei Stunden müssten laut Ministerium erteilt werden) findet nicht statt und Sport wird zwei statt drei Mal die Woche unterrichtet. Ihre anderen zwei Töchter, die eine Grundschule besuchen, kommen mittags oft später als die Gymnasiastin nach Hause. Auch bei Martin (Name geändert) werden in der Mittelstufe nur 27 statt der laut Stundentafel geforderten 30 Wochenstunden unterrichtet. "Dieses Schuljahr sind wir bisher mit der Unterrichtsversorgung ganz zufrieden", sagt dennoch sein Vater, der berichtet, dass in den vergangenen Jahren öfter Stunden ausgefallen seien. "Sie sprechen mit einem relativ zufriedenen Schulleiter", sagt Peter Pelz, Schulleiter des Regino-Gymnasiums. Die Unterrichtsversorgung könnte manchmal etwas besser aussehen, schränkt er ein. Im Regino liege der Stundenausfall bei etwa drei Prozent. Dies sei jedoch kein Anlass, eine Planstelle zugewiesen zu bekommen. "Zur Zeit fallen Stunden aus wegen Mutterschaft und Erziehungsurlaub." In manchen Klassen, wie etwa in den Siebten, findet Epochalunterricht statt. Das bedeute, dass in manchen Fächern in einem Halbjahr eine Stunde weniger unterrichtet werde, diese aber im nächsten Halbjahr nachgeholt werde. Es habe jahrelang Ausfälle in Musik und bildender Kunst gegeben, räumt Pelz ein. Seit Beginn dieses Schuljahrs gebe es einen externen Seiteneinsteiger, der den Unterricht erteile."Viele ehemalige Schüler als Lehrer zurückgekehrt"

Dass Uniabsolventen nicht gerne in die Eifel kommen würden, verweist der Prümer ins Reich der Fabeln. "Wir haben sehr viel junge Leute. Ich bin seit 1991 hier Schulleiter und habe schon ein Dutzend ehemaliger Schüler vom Regino als Lehrer zurückkehren sehen." Ob denn auf die Erteilung von Sport, Musik und Kunst eher verzichtet würde, als auf Deutsch und Mathematik, wollen wir von ihm wissen. Dazu Pelz: "Dem widerspreche ich heftig. Alle so genannten Nebenfächer sind wichtig, denn sie könnten Leistungsfächer werden. Bei uns gibt es zum Beispiel den Leistungskurs Sport." Das St.-Matthias-Gymnasium in Gerolstein verzeichnet praktisch keinen Stundenausfall. "Wir sind gut versorgt", sagt Gebhard Hofmann, stellvertretender Schulleiter. Nur 1,7 Prozent Stundenausfall im laufenden Schuljahr hat das St.-Willibrord-Gymnasium in Bitburg. Mit eingerechnet sind die Ausfälle von Arbeitsgemeinschaften. "So gut wie in diesem Schuljahr ging es uns noch nie", sagt Schulleiterin Elisabeth Asshoff. Weil ein Sportlehrer fehle, habe sie in den siebten Klassen eine Stunde Sport kürzen müssen. Falle krankheitsbedingt Unterricht aus, versuche sie den Ausfall mit Lehrern anderer Klassen zu kompensieren. In der achten Jahrgangsstufe wird ähnlich wie in Prüm Epochalunterricht erteilt. Ein Halbjahr lang werden die Kinder zwei Stunden in Biologie unterrichtet, im nächsten Halbjahr zwei Stunden in Chemie. Das sei sinnvoller, als eine Stunde Chemie und eine Stunde Biologie in der Woche, meint die Schulleiterin. Vor zwei Jahren habe es auch Stundenausfälle im Fach Kunst gegeben. Jetzt unterrichtet an der Bitburger Schule ebenfalls ein Seiteneinsteiger, was laut Asshoff "ganz hervorragend funktioniert". Sie ist sehr zufrieden mit der derzeitigen Situation, blickt aber sorgenvoll in die Zukunft. "Es zeichnet sich ein Lehrermangel ab", befürchtet sie. Hauptgrund sei die Pensionierungswelle. Gleichzeitig steigen die Schülerzahlen im Gymnasialbereich und von unten kommen nicht genügend Lehrer nach. Sind Sie zufrieden mit der Unterrichtsversorgung Ihrer Kinder? Mailen Sie uns Ihre Meinung (maximal 20 Zeilen à 32 Anschläge, Name und Anschrift nicht vergessen) an eifel-echo@volksfreund.de oder senden Sie ein Fax: 06561/959539.