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Das meiste Geld ist längst verplant

Bitburg. 130 000 Euro stehen den sechs Bitburger Stadtteilen als frei verfügbares Budget zur Verfügung. Die Verteilung der Summe richtet sich nach der Einwohnerzahl und der Infrastruktur der Stadtteile und liegt somit für 2011 zwischen 37 140 Euro für Stahl und ganzen 460 Euro für Irsch. Von unserem Mitarbeiter Uwe Hentschel Von Dagmar Schommer

Für große Sprünge reicht das Geld nicht. Wohin sollte man in Bitburgs kleinstem Stadtteil Irsch auch springen? Ein paar Häuser, eine Kapelle, 17 Einwohner. Einen Friedhof gibt es auch. "Der wurde frisch renoviert, in Eigenleistung", sagt Ortsteilvorsteherin Margret Berger. Was 2011 anstehe, wisse sie nicht: "Wir werden unsere 460 Euro wohl sparen. Wie jedes Jahr."

Stahl bekommt mit 37 140 Euro den größten Teil des Kuchens. Auch die Stahler sparen den größten Teil ihres Budgets. Der Grund: Dort wird ein neues Gemeindehaus geplant, zu dem der Stadtteil rund 90 000 Euro beisteuern muss. Da mit einer Landesförderung erst in Jahren zu rechnen ist, werden andere Projekte vorgezogen. "2011 wollen wir eine Fußgängerbrücke bei der Burgmühle bauen und vielleicht eine Boulebahn", sagt Ortsteil-Chef Rudolf Rüdesheim.

Gespart hat auch der Stadtteil Matzen, der 16 200 Euro bekommt. "Priorität hat die Erneuerung des Spielplatzes", sagt Ortsteil-Chef Hermann-Josef Fuchs. Zudem sei nach dem Dorfentwicklungskonzept die Erneuerung der Toiletten im Gemeindehaus geplant: "Wir haben uns deshalb mit den Ausgaben in den letzten Jahren bewusst zurückgehalten."

Ein paar Einwohner weniger, aber dennoch etwas mehr Geld bekommt Masholder mit 18 070 Euro. Ein Tropfen auf den heißen Stein, wie Ortsteil-Chef Rudolf Gerten sagt: "Wir müssen Wirtschaftswege ausbauen und haben bereits Geräte für den neuen Spielplatz bestellt." Der Spielplatz entsteht im Zuge des Neubaugebiets "In der Persch", das ein Privatinvestor erschließt.

Eine solche Initiative würde sich auch Erdorf wünschen. Doch wegen der Hanglage und den damit vergleichsweise hohen Erschließungskosten muss die Stadt das dort geplante Neubaugebiet selbst angehen. Davon wird das Budget von 23 150 Euro nach der vom Stadtrat beschlossenen Reform (siehe Extra) aber nicht belastet. Ortsteil-Chef Werner Becker würde gerne das Bürgerhaus energetisch sanieren sowie kleinere Maßnahmen auf Dorfplatz und Ehrenfriedhof finanzieren. Auch die Erdorfer haben gespart und wollen ihren Spielplatz erneuern.

In Mötsch landet mit 34 980 Euro das zweithöchste Budget. Auch dort wird in Spielplätze investiert. "Zudem planen wir weitere Instandsetzungen und Renovierungen wie etwa den Anstrich des Wasserturms", sagt Ortsteil-Chef Josef Klein. Dass das Wahrzeichen optisch aufgewertet werden soll, hat einen Grund: Mötsch feiert 2012 1250-jähriges Bestehen.no/yz ExtraBudgets: Um den Bitburger Stadtteilen mehr Gestaltungsspielraum sowie finanzielle Verantwortung zu überlassen, wurden 2004 die Stadtteilbudgets eingeführt. Maßgeblich für die Aufteilung der insgesamt 130 000 Euro ist zu 51 Prozent die Einwohnerzahl nach Erstwohnsitz. Die liegt bei: Mötsch: 990, Stahl: 918, Erdorf 543, Matzen: 454, Masholder: 451, Erdorf: 543 und Irsch: 17. 22 Prozent des Budgets errechnet sich aus einer Pauschale für die Unterhaltung von Sporteinrichtungen, Dorfgemeinschaftshäusern und Grillhütten und zu 27 Prozent spielen Größe und Menge von Straßen und Friedhöfen sowie Spiel- und Dorfplätzen eine Rolle. Deshalb bekommt nicht automatisch der Stadtteil mit der höchsten Einwohnerzahl das höchste Budget. (uhe)EXTRA

Reform: Für mehr Gerechtigkeit zwischen den Stadtteilen wurde die Berechnung der Budgets geändert: Die Erschließung von Neubaugebieten fällt komplett aus dem Budget, so dass Stadtteile, die für private Investoren uninteressant sind, nicht durch städtische Neubaugebiete stärker belastet werden als solche, in denen Privatinvestoren erschließen. Großprojekte werden nicht mehr von der Stadt bezuschusst, sondern stattdessen komplett aus dem Budget finanziert und können auf zehn Jahre gestreckt werden. Dritte Änderung ist die Erhöhung der Repräsentationsmittel für die Stadtteilvorsteher. Sie bekommen nun jährlich statt 38 Cent einen Euro pro Einwohner, um damit Eigeninitiative zu belohnen - etwa mit Getränken und Würstchen für freiwillige Helfer. (uhe)