Alte Dampflok auf neuem Gleis

An der Konzer Schiller-Brücke hat die Demontage der alten Dampflok begonnen. Das vom Zahn der Zeit stark angegriffene technische Denkmal soll nach einer Rundumsanierung auf der neugestalteten Bahnhofstraße aufgestellt werden. Initiator ist der eigens dazu gegründete Verein der Dampflokfreunde.

Konz. Beim flüchtigen Blick von der Michael-Scherer-Straße hinunter auf die alte Lok scheint sich nichts verändert zu haben: Noch immer fristet das Technikdenkmal sein Schattendasein unterhalb des Fahrdamms, zu dem es seit dem Bau des Brückenkreisels verdammt ist.
Doch inzwischen sind alle leicht demontierbaren Teile von entfernt und anderenorts gelagert worden. Im September hatte der Verein der Dampflokfreunde Konz mit den Vorbereitungen zur Demontage begonnen. Unterstützt wurde er dabei von Mitarbeitern des Bauhofs der Stadt Konz, die mit Dampfstrahlern den gröbsten Schmutz entfernten, der sich auf der Maschine in den Jahrzehnten angesammelt hatte. Anschließend wurden alle abschraubbaren Teile ausgebaut und zwischengelagert. Die demontierten Teile werden in der Halle fachgerecht von den alten Farbresten befreit, wie der Vorsitzende der Dampflokfreunde, Winfried Manns, erklärt. Die "schweren Brocken" wie Kessel und Wasserkästen sollen in der Konzer Brückenmeisterei der Bahn AG grundgereinigt werden. Das Fahrwerk mit drei Antriebs- und zwei Stützachsen lässt sich voraussichtlich noch an Ort und Stelle herrichten.
Den Abbau wie auch den Wiederaufbau der Maschine übernimmt die Konzer Metallbaufirma von Vereinsmitglied Alwin Herz, unterstützt von anderen Konzer Betrieben. Die Instandsetzung aller Komponenten erfolgt zuvor bei einer Metallbaufirma aus dem Hochwald.
Die Sanierung ist trotz hoher Eigenleistungen durch Verein und Stadt auf rund 200 000 Euro veranschlagt. "Dabei rechnen wir mit Unterstützung durch die Denkmalpflege und die Stadt Konz. Aber auch Sponsorengelder - bisher rund 80 000 Euro - sind in Aussicht", sagt Manns.
Weitgehend aus dem europäischen Programm Leader plus wird die Gestaltung des neuen Standorts auf der Bahnhofstraße finanziert. Dort soll die Denkmallok auf einer "Insel" zwischen zwei Fahrbahnen passend in Szene gesetzt werden.
Der Unterbau ist schon angelegt: 40 Meter naturgetreu aufgeschottertes Gleis, das später mit einem Prellbock abschließt.
Auf diesen Unterbau soll die Museumslok neu aufgebaut und schließlich "eingehaust" werden. Damit gemeint ist eine verglaste Stahlträgerkonstruktion mit Überdachung, die das Denkmal optisch offen präsentiert, ohne jedoch den direkten Zugang zu ermöglichen.
Mitte 2015 soll der Blickfang auf der neuen Bahnhofstraße fertig sein.Extra

Angesichts des zunehmenden Verfalls eines Technikdenkmals hatten engagierte Konzer Anfang 2013 den Verein Dampflokfreunde gegründet. Ziel ist die Sanierung der alten Tenderlok. Zusätzlich wird sich der 50 Mitglieder zählende Verein dem Erhalt des alten Lokschuppens neben dem Konzer Bahnhofsgebäude widmen. Der Lokschuppen ist ebenso wie die Lok Eigentum der Stadt Konz. Die Museumslok ist eine Tendermaschine, die ihren Kohle- und Wasservorrat in eingebauten Behältern aufnimmt. Größere Dampfloks führen dazu einen eigenen Tender-Anhänger mit sich. Die Personenzuglok der Baureihe 64 stammt aus der Maschinenfabrik Esslingen und war 1927 in Dienst gestellt worden. 1971 wurde sie von der damaligen Bundesbahn ausgemustert. Im Bahnjargon hieß dieser Typ "Bubiköpfchen", weil das geschwungene Führerhausdach an einen gleichnamigen modischen Damenkurzhaarschnitt aus den 20er Jahren erinnert. Daten: 950 PS, etwa 55 Tonnen schwer, 90 km/h Höchstgeschwindigkeit. f.k.