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Politik : Konzer diskutieren über Heimat

Beim ersten politischen Salon in der Stadt haben 30 Bürger offen und teilweise kontrovers über einen oft missbrauchten Begriff gesprochen.

Vier Konzer Bürger haben eine bemerkenswerte Initiative gestartet, um – abseits der politischen Gremien – Schwung in die öffentliche Diskussion kontrovers besetzter Begriffe zu bringen. Dazu haben sie in der voll besetzten Weinstube Luy (Berendsborn) einen informellen Gesprächskreis gestartet, zu dessen Erstauflage schon knapp 30 Bürger gekommen sind. Das Ganze nennt sich „Politischer Salon Konz“ und soll von nun an ungefähr alle zwei Monate stattfinden.

Da es wohl nicht ganz ohne Polit-Prominenz zu gehen scheint, hatte man den jüngst als Geschäftsführer zum Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz gewechselten, ehemaligen Konzer Bürgermeister Karl-Heinz Frieden (CDU) für das Einführungsreferat gewonnen. Als Moderater führte Volksfreund-Redakteur Christian Kremer durch die angeregte Diskussion.

Frieden definierte Heimat als einen nicht statischen Begriff, der ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermittele und dessen unterschiedliche Interpretation, vor allem an den Rändern des politischen Spektrums, zu Konflikten führen könne. Dabei könne man unterschiedliche Heimaten haben, je nachdem, wo man geboren wurde oder sich gerade aufhält. Auch eine Zweit-Heimat oder eine neue Heimat zu haben, sei möglich. Das zeige sich vor allem in unserer Region in der Mitte Europas, wo sich die politische und wirtschaftliche Entwicklung sehr dynamisch gestalte und die mittlerweile Menschen aus über 100 Nationen eine Heimat biete. Christian Kremer schlug den Bogen zur aktuellen Flüchtlingsproblematik und fragte: „Ist denn nicht der – zur Zeit bei den Koalitionsverhandlungen im Bund hart diskutierte – Familiennachzug ein probates Mittel, damit die Geflüchteten sich hier heimisch fühlen können?“

Es war allgemeiner Konsens in der lebhaften Diskussion, dass sich natürlicherweise auch die Menschen, die fern ihres Geburtslandes und aus unterschiedlichster Motivation heraus eine neue Heimat suchten, auch den Gesetzen und Gepflogenheiten dort anpassen müssten. Ein entscheidender Faktor sei dabei die Sprache, um zu „verstehen und verstanden zu werden, damit sich die Gesellschaft selbst eine Heimat schaffen könne“, wie es in einer Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier heißt. „Ich muss mich dort, wo ich heimisch werden will, auch engagieren“, fügte Frieden hinzu. Nur so könne man seine Heimat gestalten.

In ihren Beiträgen berichteten die Salon-Gäste von ihren ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Definitionen des Begriffes „Heimat“, sei es die Landschaft, das Gefühl, willkommen zu sein, die Sprache  oder die Familie und Freunde. Klar wurde, dass Heimat ein emotionales Thema ist. Verknüpft mit dem Begriff Nation und dem Stolz auf dieselbe gab es einige Reibungspunkte. Man könne aber durchaus patriotisch sein, ohne den Heimatbegriff für Hetze und das Schüren von Angst zu missbrauchen, wie es zurzeit zum Beispiel in Cottbus passiere, wo tiefe Gräben zwischen Deutschen und Flüchtlingen entstanden sind.

Mitinitiatorin Ingrid Kurz-Scherf beschrieb die dortige Situation: Am Samstag hatten in der brandenburgischen Stadt 2000 Menschen nach Aufruf des als fremdenfeindlich geltenden Vereins Zukunft Heimat gegen Flüchtlinge und deren deutsche Unterstützer demonstriert. In Konz meldete sich keiner mit einem solch radikalen Heimatbegriff zu Wort. Die Runde bedauerte aber, dass zum Beispiel niemand von der AFD den Weg zum  Berendsborn gefunden hatte.