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Seit einem Monat nicht erreichbar: Konzer Firmenchef ärgert sich über Telekom

Seit einem Monat nicht erreichbar: Konzer Firmenchef ärgert sich über Telekom

Seit über einem Monat kämpft ein Geschäftsmann in Konz darum, endlich wieder zuverlässig telefonieren zu können. Der alte ISDN-Anschluss funktionierte tadellos. Doch der Wechsel zur modernen Technik gestaltet sich als Katastrophe.

Wolfgang Scholer ist mit seinem Heizungsbetrieb darauf angewiesen, dass Kunden ihn ständig telefonisch erreichen können. Doch seit sein ISDN-Anschluss Anfang Juli in einen IP-Anschluss (siehe Extra) umgewandelt wurde, ist die Leitung immer wieder gestört. Für Scholer, dessen Betrieb auf kurzfristige Reparaturen spezialisiert ist, eine Katastrophe: "Wenn die Kunden mich nicht erreichen, rufen sie den Nächsten an, und mir entgehen die Aufträge," erklärt er.

Eigentlich wollte er Anfang Juli nur ein neues Handy kaufen, doch die Telekom riet ihm, gleich alle Anschlüsse auf die neue Technik umzustellen. Scholer ließ sich überzeugen und vereinbarte einen Termin. Der wurde prompt nicht eingehalten. Am 15. Juli kam schließlich ein Techniker und baute den alten ISDN-Anschluss ab. Die Installation des neuen entpuppte sich jedoch als Problem: " Bis 20 Uhr hat der junge Mann, ein Azubi im dritten Lehrmonat, hier geschwitzt," erzählt Scholer. Dann sei er unverrichteter Dinge abgezogen - mit dem Versprechen, am nächsten Tag wiederzukommen. Wegen zu vieler Termine habe er dann aber abgesagt. "Ich habe dann die Störungsstelle angerufen, denn mein Betrieb hängt ja daran", sagt Scholer.

Der Tipp der Störungsexperten: Alle Stecker ziehen, alle Verbindungen trennen und dann alles neu starten. "Danach hat es dann tatsächlich funktioniert - aber nur zwei Tage lang!" Dieses Spiel ereignet sich seitdem jede Woche: Immer wieder ist die Leitung tot, Scholer telefoniert mit der Störungsstelle oder tüftelt mit den Mitarbeitern des Telekomladens an Lösungen, der Anschluss ist ein paar Tage benutzbar - und dann ist die Verbindung wieder weg.
"Internet und Fernsehen funktionieren ganz normal, nur das Telefon nicht," erzählt Scholer. Alles habe er schon versucht, sogar ein neues Telefon, das extra für den IP-Anschluss empfohlen wird, hat er gekauft. "Den persönlichen Einsatz des Mitarbeiters im Telekomladen kann ich wirklich nur loben", erklärt Scholer. Nur lande der ja selbst immer in der Service-Hotline. "Was mich so ärgert ist, dass die da selbst keine Leute haben, die bei den eigenen Produkten durchblicken!"

Die Telekom erklärt auf Anfrage des TV, dass es bei der Umstellung auf eine neue Technik ganz normal sei, dass es zu Problemen komme. Es handele sich jedoch lediglich um Einzelfälle und nicht um eine flächendeckende Störung. Auch die Service-Hotline sei nicht generell überlastet, obwohl die Wetterlagen in diesem Sommer zu einem höheren Anrufaufkommen geführt hätten. Im Gegensatz zu den Aussagen der Telekom hieß es in den vergangenen Tagen bei einigen IT-Fachmedien wie Heise Online, dass es sich um massive und anhaltende Störungen handele. Entsprechendes berichten auch Kunden der Telekom auf Facebook oder im Kurznachrichtendienst Twitter. Die Telekom verweist darauf, dass sich Kunden, denen ein Schaden entstanden ist, an die E-Mail-Adresse info@telekom.de wenden sollen.

Das alles hilft Wolfgang Scholer wenig. Für ihn schafft der IP-Anschluss weitere Probleme: Die Rufumleitung, die er täglich braucht, wenn er unterwegs ist, lässt sich nur noch über das Kundencenter im Internet einrichten. "Früher musste ich dafür eine Taste an meinem alten Telefon drücken," sagt er. "Das nenne ich Rückschritt statt Fortschritt!" Seit über 40 Jahren ist er Kunde der Telekom. Doch nun hat er das Vertrauen verloren.
Meinung (Christian Kremer): Bitte erst testen, dann anbieten

Es gibt kaum Wirtschaftsbereiche, die mit fragwürdigen Vertragsangeboten und kleingedruckten Geschäftsbedingungen so skrupellos und kundenfeindlich umgehen, wie die Telefonanbieter. Die Probleme mit der Internet-Telefonie sind da nur eines von Hunderten Beispielen. Denn oft wird Technik am Markt eingeführt und teuer angeboten, die noch nicht reif für den stabilen Betrieb ist. Kunden, die Hilfe benötigen, werden durch teils stundenlanges Hin- und Herverbinden in Warteschleifen mürbegemacht. Deshalb verzichten sie oft darauf, weiter aktiv zu werden und lassen unbefriedigende Zustände auf sich beruhen.
Wegen dieser Unzumutbarkeiten ist es an der Zeit, dass in der Telekommunikationsbranche Service großgeschrieben wird. Da müsste die Telekom als größter Anbieter eigentlich vorangehen.
c.kremer@volksfreund.de 
Extra: Hintergrund Schaden behoben

Eine Trierer Telekomkundin, über deren defekten Telefonanschluss der TV am 18. August berichtete, kann mittlerweile wieder telefonieren. Wochenlang hatte Cecilia Keil auf die Telekom gewartet. An einem Freitag, 21 Tage nach dem Unwetter, das nach Angaben der Telekom die Leitung beschädigt hatte, war der Schaden dann endlich behoben - ohne Vorwarnung und ohne neuen Termin. Auf einem Zettel im Briefkasten teilte der Telekomtechniker mit, der Anschluss sei von außen zu reparieren gewesen. Bis der Techniker der Telekom tatsächlich zu Cecilia Keil in die Töpferstraße kam, hatte ihre Tochter, Heidi Schweitzer, unzählige Male in der Service-Hotline der Telekom gehangen und im Telekomladen in Trier um Hilfe gebeten. jco
Extra: Internet-Telefonie

Ab 2018 gibt es nur noch IP-Anschlüsse: In den nächsten vier Jahren wird die Telekom alle Telefonanschlüsse in IP-Anschlüsse umwandeln.
Analog- und ISDN-Anschlüsse werden dann nicht mehr nutzbar sein.
IP steht für Internet Protokoll und bedeutet, dass alle Verbindungen wie Telefonieren, Faxen, Surfen, Mailen und Fernsehen über das Internet laufen. Der Anschluss ist Voraussetzung für VDSL, das jedem Haushalt Downloadgeschwindigkeiten bis zu 100 Mbit pro Sekunde ermöglichen soll.
Die Telekom muss dann nur noch ein Netz pflegen, was deutlich kostengünstiger ist. jco