Viktorianischer Weihnachtsmarkt ehemalige Glockengießerei Saarburg

Viktorianischer Weihnachtsmarkt : Ein Weihnachtsmarkt aus einer anderen Welt

2500 Besucher begegnen in der Saarburger Glockengießerei Menschen, die irgendwie aussehen wie aus dem Viktorianischen Zeitalter. Doch die Mode dieser Zeit interpretieren sie auf ihre ganz eigene Art.

Das Viktorianische Zeitalter, benannt nach Queen Victoria (1819 bis 1901), Königin des Vereinigten Königreiches, ist zum fünften Mal in der Saarburger Kulturgießerei wieder auferstanden. Doch vollkommen authentisch zeigen sich die Leute, die sich als Zeitreisende verstehen, nicht, denn sie sind Steampunker.

Veranstalterin Barbara Becker von Ars et Cultura, erklärt was das ist: „Das bedeutet Dampf aus der industriellen Revolution, gepaart mit dem Anarchischen.“

Und so sehen die Leute denn auch aus - zum einen die von den 25 Ständen des Weihnachtsmarkts mit ihren historisch anmutenden Waren, zum andern diejenigen, die einfach nur kommen, um sich zu zeigen.

Viktorianischer Weihnachtsmarkt. Foto: Herbert Thormeyer

„Das sind stilechte Leute, die ihre Kostüme zum Teil selbst nähen und ihre Ausstattung kreieren“, sagt Becker. Es sei eine Zeit der Höflichkeit, mit Eleganz und Handkuss. Brillen, von Schweißern abgeschaut, sind die Symbole der Zeitreisenden. Nur hier heißen sie Goggles. In fast keiner Ausstattung dürfen sie fehlen.

Dargestellt wird die Oberschicht des Empires, auch gut zu erkennen an den adeligen Namen wie bei dem Wuppertaler Paar, das sich vorstellt als Freifrau von Elverfeld (Susanne Zeller) und Markus von Kurpfalz (Markus Utsch). „In dieser ehemaligen Glockengießerei passt auch das Gebäude. Hier wurde genau zu dieser Zeit noch produziert“, sagt die Freifrau erfreut. 1770 hat Urbanus Mabilon die Glockengießerei in Saarburg gegründet.

Ein sehr elegantes Paar: Freifrau von Elverfeld, Susanne Zeller, und Markus von der Kurpfalz. Markus Utsch, sind aus Wuppertal angereist. Foto: Herbert Thormeyer

Die Kunst des Glockengießens wurde von Generation zu Generation weitervererbt und bis Dezember 2002 in Saarburg angewandt. Es seien die super tollen Leute, die das Treffen zum Spaß werden lassen, sagt die Freifrau. In eine Rolle schlüpfen, einfach mal jemand anderes sein, das wollen auch die beiden Saarländer Jürgen Herzer aus Schmelz und Gerhard Dini aus Saarlouis. Sie sind Offiziere der Schottischen Artillerie, rauchen Pfeife und tragen Säbel und eine Fantasiepistole. „Daran habe ich ein Jahr lang gebastelt“, verrät Herzer.

Ein wenig zum Fürchten sieht Joachim Voßler aus. Der Heppenheimer hat sich in einen Piraten verwandelt, trägt einen Totenschädel auf dem Zylinder und vor der Augenklappe noch eine kleine Kanone. „Ich bin eine Mischung aus Viktorianischer Zeit, der Gothic-Szene und eine Prise Wildwest“, erklärt er dem TV. Bereits seit acht Jahren ist er dabei.

In Zivil kam auch die Geschäftsführerin der Kulturgießerei, Annette Barth, nicht. Sie stellt klar: „Das sind keine Kostüme, sondern Gewandungen. Die haben mit Fastnacht nichts zu tun.“ Für die Glockengießerei sei eine solche Veranstaltung als Alleinstellungsmerkmal extrem wichtig.

Es wurde viel fotografiert bei diesem Weihnachtsmarkt, denn wer als Besucher fragt, darf auch Bilder schießen. So verbreitet sich die Idee, sich viktorianisch-fantasievoll zu kleiden, immer weiter.

Der Erlös des Viktorianischen Weihnachtsmarkts in der ehemaligen Glockengießerei Mabilon kommt der soziokulturellen Arbeit des Lokalen Bündnisses für Familien zugute, die sich über die gesamte Verbandsgemeinde Saarburg erstreckt.

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