Zu Fuß auf dem Weg ins All

Zu Fuß in einer Stunde und mit vierfacher Lichtgeschwindigkeit bis ans Ende unseres Sonnensystems? Geht nicht? Geht doch! Und zwar bei einer Tour auf dem Planetenweg an der Primstalsperre zwischen Nonnweiler und Züsch.

Nonnweiler/Züsch. Nach genau 5900 Metern ist der "Flug" durchs All geschafft und mit der "Landung" auf dem Pluto die Reise durch unser Sonnensystem beendet. Seit zwölf Jahren gibt es rund um die Primstalsperre nicht nur für Astronomie-Fans einen lehrreichen Kurs, der den Ausflug zum großen Trinkwasserreservoir der Verbandsgemeinde Hermeskeil noch interessanter gestaltet: Von einer Arbeitsgemeinschaft des Birkenfelder Gymnasiums konzipiert, legten der Talsperrenverband und die Gemeinde Nonnweiler 1996 den sogenannten Planetenweg an.

Er zeigt seitdem anschaulich Nähe und Weite unseres Sonnensystems an und verbindet auf einer Wanderung oder Radtour unaufdringliche Wissensvermittlung mit einer attraktiven Naturkulisse und schönen Ausblicken auf den Stausee, der dem Vergleich mit einem Fjord in Norwegen aufkommen lässt.

Das Sonnenmodell steht an der Staumauer



Im Maßstab 1:1 Milliarde sind auf dem Weg die neun Planeten, ihre Größe und ihr Abstand zur Sonne dargestellt. Jedes Modell steht auf einem Steinsockel und weist eine schwarze Informationstafel auf, die den Betrachter über den Durchmesser, die Masse und chemische Beschaffenheit sowie den Zustand der Atmosphäre des Himmelskörpers aufklärt. Er erfährt Näheres über die Rotationsdauer und Umlaufzeit des Planeten um die Sonne sowie dessen mittlere Entfernung zum Fixstern. Hinzu kommen Angaben zur Oberflächen- und Innentemperatur, Informationen über die Geschichte seiner Entdeckung und Raumsonden-Aufnahmen des Planeten, die allerdings zum Teil doch schon arg verblichen sind.

Im frei gelassenen Innenfeld wird schließlich der maßstäblich verkleinerte Planet gezeigt, was gerade beim Start der intergalaktischen Wanderung schon gleich beeindruckend die Größenverhältnisse in unserem Sonnensystem deutlich macht.

Wer sein Auto am gut ausgeschilderten Stausee-Parkplatz in Nonnweiler abgestellt hat und von dort zur Dammkrone gegangen ist, steht direkt am Beginn der Staumauer vor dem Sonnenmodell. 1,39 Meter ist der Durchmesser der großen gelben Kugel, die dort auf einem Mast ruht. Statt nun wie in der Realität 46 Millionen Kilometer durch Raum und Zeit zu rasen, trifft der Wanderer schon nach wenigen Sekunden und 58 Metern auf den Merkur. Das dort vorzufindende 4,9 Millimeter, kaum erbsengroße Kügelchen zeigt: Im Vergleich zum Fixstern ist der sonnennächste Planet ein Winzling. Gleiches gilt auch für Venus, Erde sowie Mond und Mars, die für den Wanderer bequem zu erreichen sind. Sie alle sind der Sonne so nah, dass ihre Modelle abstandsgetreu noch auf der Staumauer ihren Platz finden. Nachdem der 228 Meter von der Sonne entfernte Mars passiert ist, wartet ein recht steiler Anstieg, der den "Raum-Spaziergänger" etwa einen halben Kilometer später auf den Riesenplaneten Jupiter stoßen lässt.

700 Meter weiter wartet der Saturn



Nach weiteren 700 Metern ist der Saturn mit seinen markanten Ringen erreicht. Nächste Stationen sind der Uranus (2870 Meter vom Sonnenmodell entfernt) und der Neptun (4497 Meter), ehe — wie eingangs erwähnt — bei Kilometer 5,9 auf der Halbinsel zwischen Prims- und Altbach-Zusammenfluss Pluto angesteuert wird. Bei normalem Wander-Tempo ist das Sonnensystem somit in einer Stunde durchschritten und die intergalaktische "Original-Strecke" quasi mit vierfacher Lichtgeschwindigkeit zurückgelegt. Aber Achtung! Denken sollte man daran, dass auf dem See-Rundweg weitere fünf Kilometer absolviert werden müssen, um zurück zur Staumauer zu kommen. Hintergrund Der Bau der Primstalsperre begann 1978. Im Januar 1981 wurde der Probestau vorgenommen, seit März 1982 kann die Talsperre bei Normalstau gehalten werden. Wenn der Stausee voll ist, enthält er eine Menge von circa 20 Millionen Kubikmeter Wasser. Seine Oberfläche ist 96 Hektar groß, davon liegen 42 Prozent auf rheinland-pfälzischem Gebiet. Rund 10 Millionen Kubikmeter Wasser stehen als Kühlwasser für das Kraftwerk Bexbach zur Verfügung. Etwa 5,5 Millionen Kubikmeter sind für die Trinkwasserversorgung reserviert. Unter anderem fließt Wasser aus der Primstalsperre aus den Kränen der Haushalte in der Stadt Hermeskeil.

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