1. Region
  2. Kultur

Die Schönheit der Schwäche

Die Schönheit der Schwäche

TRIER. (AF) Independent und Intelligenz verbindet manchmal mehr als die beiden Anfangsbuchstaben: "THE WEAKERTHANS" sind so etwas wie das gute kanadische Gewissen - ihre Bedeutung hat die Band um den früheren "Propagandhi"-Bassisten John K. Samson in Trier unter Beweis gestellt. Im Vorprogramm gab‘s im ausverkauften Exhaus überwiegend Akustisches von Olli Schulz. Wie träumt man sich die optimale Gitarren-Band? Sie muss große Melodien schreiben können. Den Sänger erkennt man wieder, jederzeit. Die Texte müssen der Band und dem Hörer etwas bedeuten. Eine Band, die auch Jacques Derrida oder Michel Foucault in ihren Texten unterbringen kann, ohne dass sich beim unbedarften Hörer - ganz unphilosophisch - sofort die Magensäure meldet.Tour-Abschluss im Trierer Exhaus

Samson schafft das alles. Wenn er nicht gerade singt, liest er oder schreibt. Samson hat selbst einen kleinen Buch-Verlag, ist politisch in der linken Szene aktiv, muss aber nicht in jedem Lied die Weltenretter-Keule schwingen. Der zierliche Sänger steht mit seinen Kollegen auf der Exhaus-Bühne und erzählt kleine Dramen. Mal aus Sicht der Katze, die das Sessel- und Chips-Dasein des Herrchens nicht mehr ertragen kann ("Plea from a Cat named Virtute"), und mal davon, warum fast alle Geschichten das gleiche Ende haben ("Uncorrected Proofs"). Perfekt sein ohne Perfektionismus, das ist die Kunst der Band mit dem Understatement im Namen ("weaker than" = "schwächer als…"): Samson fällt etwa beim Europa-Tour-Abschluss in Trier kurzzeitig das Mikro aus, aber dann übernimmt eben das textsichere Publikum seinen Part. Und wenn Samson in der Akustik-Version als Zugabe "One Great City! - I hate Winnipeg" singt, ersetzt mancher im Publikum den Namen vielleicht spontan durch Lebach oder Merzig (darauf lassen zumindest die vielen saarländischen Kennzeichen auf dem Parkplatz schließen). Wenn die Enden dann so gut sind, dürfen sie sich auch gerne wiederholen.