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Ganz nah an Bachs Musik

Ganz nah an Bachs Musik

Der kleine Raum in Triers Welsch nonnenkirche konnte die gut 160 Besucher kaum fassen. Diese erlebten ein Konzert zum 300-jährigen Bestehen des Gotteshauses mit der immer wieder bereichernden Musik von Johann Sebastian Bach. Mit dem Ensemble Fourier war zudem eine Formation von beachtlicher Kompetenz am Werk.

Trier. Eine Stimmung der Erwartung, der Vorfreude lag in der Luft - in einem sehr tiefen Sinn weihnachtlich. Es war Bachs herrliche Musik, die dieses Konzert zum 300-jährigen Bestehen der Trierer Welschnonnenkirche prägte - teils mit Kompositionen, die längst zum Konzert-Repertoire gehören wie die h-Moll-Flötensuite oder das d-Moll-Konzert für zwei Violinen, teils Werke, die seltener auf den Programmen stehen wie die Cembalokonzerte BWV 1060 und BWV 1061. In der Welschnonnenkirche eröffneten die Solisten und das kleine, eigens formierte Ensemble Fourier unter Leitung von Ulrich Krupp neue Sichtweisen.
Im kleinen Raum der Welsch nonnenkirche wird wieder Realität, was zu Bachs Zeiten selbstverständlich war. Zumindest aus der Perspektive der ersten Reihen waren die Interpreten und die Zuhörer akustisch ganz nah beieinander.
Das zehnköpfige Streicher-Ensemble lässt den zart-transparenten Klang der beiden Cembali durch. Und in dieser Nähe zu Bachs Musik wird für die Zuhörer deutlich, wie aufmerksam Bach die Innenstimmen seines Orchesters behandelt, wie sorgsam er mit den zweiten Geigen und den Bratschen umgeht. Und welch enorme Kompetenz bei den Solisten und dem Tutti-Ensemble zu Hause ist - bei Josef Still und Ulrich Krupp an den Cembali, bei Flötistin Elisa Wenzel, bei den Geigerinnen Sarah Weins und Anne Dostert. Ulrich Krupp hat mit den Streichern seines Ensembles so präzise gearbeitet, dass sie bei den Cembalokonzerten von alleine die richtigen Schwerpunkte setzen.
Auch von den Solisten kommen Impulse. Elisa Wenzel brilliert in der Badinerie zum Abschluss der Flötensuite fast übermütig, und wo sie in den übrigen Sätzen die Orchester-Oberstimme mitmusiziert, da gibt ihr runder Ton dem Streichersatz Wärme und Kultur.
Das ausgeglichene und gut aufeinander eingespielte Duo Sarah Weins und Anne Dostert entfaltet in den Soli beim d-Moll-Doppelkonzert beides: Sensibilität und eine Entschiedenheit, die dem Werk Statur verleiht.
Und dazu die Cembali. Ja, bei Josef Still und Ulrich Krupp geraten manche Sätze allzu eilig. Gelegentlich schlägt sich die Intensität ihres Musizierens in Temposteigerungen nieder. Und selbst in diesem akustisch günstigen Raum werden die Cembali zuweilen vom Streicherklang dominiert.
Aber wenn sich die Instrumente in unbegleiteten Mittelsätzen akustisch ganz entfalten können, dann beschwören die beiden Cembalisten engagiert die Noblesse ihrer Instrumente und den Ausnahmecharakter von Bachs konzertanter Cembalomusik. Ein großartiges Konzert!
Weitere Bach-Konzerte finden am 5. April, 30. August und 12./13. Dezember 2017 statt.