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Gitarren-Kauz und Schmusebarde

Gitarren-Kauz und Schmusebarde

TV-Redakteur Andreas Feichtner empfiehlt ab sofort monatlich seine "Top-5"-Rock- und Pop-Konzerte. Seine Oktober-Favoriten:

TV-Redakteur Andreas Feichtner empfiehlt ab sofort monatlich seine "Top-5"-Rock- und Pop-Konzerte. Seine Oktober-Favoriten:1. Ron Sexsmith

Donnerstag, 19. Oktober, Dudelange/Lux., Festhalle

Alles, wo "Sex" draufsteht, verkauft sich normalerweise ja bestens. Songwriter Ron Sexsmith (42) macht da eine Ausnahme - was verdammt schade ist. Der Akustikgitarrist und Sänger hat zwar eine Fangemeinde, mit der man bei der Geburtstagsparty durchaus Eindruck schinden könnte. Paul McCartney, Rod Stewart, Elvis Costello oder Coldplays Chris Martin - sie alle stehen auf die Musik des Kanadiers. Auf die Melancholie, die Melodien, die guten Texte, auch auf seine Kanten. Wie man sich Sexsmith vorstellen kann? So in etwa wie James Blunt - nur mit Talent statt guten Aussehens.

2. George Michael

Freitag, 13. Oktober, Amneville bei Metz/Frankreich, Galaxie

Es soll ja keiner sagen, dass nur Randgruppen und Gitarren-Kauze empfohlen werden: George Michael ist überall zu Hause. Seine Musik ("Last Christmas") beschallt wohnzimmerliche Weihnachtsbäume von Long Island bis Longuich ebenso wie die Tanzflächen - nicht nicht nur bei Ü-30-Partys. Der 43-Jährige ist sozusagen der Vorgänger von Robbie Williams - nur dass George Michael seine Musik immer selbst geschrieben hat: vom Schöne-Jungs-Duo ("Wham!") zum erfolgreichen Solo-Künstler. Immer provokativ, immer skandal-umrankt. 1998 sorgte George Michael für einen Riesenwirbel mit der Erkenntnis, dass nicht nur Frauen gemeinsam auf die Toilette gehen. Mittlerweile schläft er wohl auch gern mal im Auto ein. Was er live tatsächlich auf die Bühne bringt, kann ich nicht beurteilen - George Michael war zum letzten Mal vor 15 Jahren auf Tour. Aber seine Hits - wie "Faith", "Father Figure" oder "Jesus to a Child", die dürfte er spielen.

Alternativen: 25. Oktober, Frankfurt, oder 13. November, Köln-Arena.

3. Archive

Montag, 9. Oktober, Luxemburg,

Den Atelier

Klassischer Fall von "unterbewertet": Die Engländer von Archive haben mit Trip-Hop angefangen ("Londinium"), als es mit dem Genre so langsam den Bach runterging. Mittlerweile stehen sie dem progressiven Rock näher - so hört sich ihr 17-Minuten-Stück "Again" nach einer modernen Pink-Floyd-Variante mit eigenem Stil an. Im Luxemburger Atelier sind Archive alte Bekannte. Die Londoner Band um Danny Griffiths (E-Gitarre, Bass) und Darius Keeler (Keyboard) hat mit Pollard Berrier einen neuen Sänger.

4. Sugarplum Fairy

Donnerstag, 5. Oktober, Trier, Forum

Schweden-Pop? Da denken viele immer noch an Abba, vielleicht an Roxette oder an - der Soundtrack der 90er! - Ace of Base. So richtig passen Sugarplum Fairy da nicht rein. Die Vorbilder sind eher britisch als skandinavisch: The Beatles, Rolling Stones oder Oasis werden schon mal zitiert. Zudem ist die Band um das Brüderpaar Victor und Carl Norén familiär "vorbelastet". Ihr älterer Bruder Gustaf ist bei "Mando Diao" noch dicker im Geschäft. Die kommen im nächsten Monat nach Luxemburg (25. November, Atelier). Aber Sugarplum Fairy dürfte mehr als nur eine gute Einstimmung auf einen schwedischen Herbst sein.

5. Napalm Death

Freitag, 27. Oktober, Trier, Exhaus

Nein, ich kann nicht hingehen - die Haare werden bis Monatsende nicht mehr lang genug. Ist zudem zu schnell für mich, zu hart, zu viel Gebell. Auch wenn es meinen Ohren egal wäre: Seit dem 140-Dezibel-Gekreische der Tokio-Hotel-Fans im Februar dürften selbst die Napalm-Jungs wie ein Kammerkonzert rüberkommen. Eine Empfehlung haben sich die Birminghamer trotzdem verdient. Für ihre nackenbrechende Brachialität, als früherer Miterfinder des Grind-Cores - da kann Wikipedia ruhig kritteln: "Im Laufe der 1990er-Jahre wurden sie musikalisch gemäßigter und wandten sich dem Death Metal zu." Mit dabei sind zudem Vader und Born from Pain.