1. Region
  2. Kultur

Mehr als nur Liebe zur Band

Mehr als nur Liebe zur Band

Wenn heute "Recoil Selected", die Werkschau von Alan Wilder, dem langjährigen Depeche Mode-Bandmitglied, brandneu in den CD-Regalen liegt, ist für Stefan Haeb ein kleiner Feiertag. Er ist Depeche Mode-Fan, und seine Leidenschaft wirkt sich auf sein ganzes Leben aus.

Bekond. Er trinkt aus einem Depeche Mode-Becher, trägt ein Depeche Mode-T-Shirt, an der Wand prangt ein Depeche Mode Poster. Und doch, sagt Stefan Haeb, habe er längst nicht mehr so viele Merchandise-Artikel der Band wie früher. Der 34-jährige Bürokaufmann ist Fan der britischen Band durch und durch: Seit 20 Jahren können es für ihn musikalisch und emotional keine anderen Künstler mit Depeche Mode aufnehmen.

Dabei begann alles ganz harmlos: Haeb hörte als 14-Jähriger ein Konzert der Band im Radio. "Die Musik hat direkt gepasst." Weitere Lieder folgen, aus der anfänglichen Sympathie wurde eine Leidenschaft. "Da kommt alles zusammen, die Musik, die Texte. Es geht bei ihnen um Liebe, Hingabe, Religion oder den Tod. Die Lieder sind oft sehr düster, aber gleichzeitig motivierend und positiv - genau das macht die Band aus."

Im Laufe der Jahre besuchte Haeb unzählige Konzerte, wartete vor Hotels auf die Band für Autogramme, wanderte in der englischen Heimatstadt der Band, Basildon, auf den Spuren seiner Vorbilder. Er fieberte aber auch bei ihren Nervenzusammenbrüchen und Drogenproblemen mit. "Und dann kommt die Band wieder zurück, steht mitten im Leben und sagt einfach, was sie denkt. Das ist unglaublich bewegend."

Irgendwann kam ihm die Idee, in Trier eine sogenannte "Depeche Mode-Party" zu veranstalten. Mittlerweile ist daraus eine feste Größe im Exhaus geworden, bei der Haeb in seiner Freizeit als DJ Stardust auflegt. Dabei lernte er seine Frau Carmen kennen, die damals aus Aachen anreiste. Auch sie ist ein großer Fan der Band - und froh, einen entsprechenden Gegenpart gefunden zu haben. "Es erleichtert eine Beziehung ungemein", sagt sie. "Denn jemand, der diese Leidenschaft nicht teilt, der versteht sie auch nicht."

2007 heiratete das Paar, rund neun Monate später kam das gemeinsame Wunschkind zur Welt - natürlich mit Depeche Mode-Musik im Kreisssaal. "Das waren nur die sanfteren Songs", lacht Haeb.

Das kleine Ergebnis hört heute auf den Namen Martin Lee, benannt nach dem Bandmitglied Martin Lee Gore. Das beeindruckte selbst die Plattenfirma, und der bekannte Namensvetter schickte dem kleinen Martin ein Autogramm - eine Seltenheit bei der Band.

Depeche Mode ist für Haeb weit mehr als simple Sympathie oder bloßes Fantum. Zusammen mit der Band ist er erwachsen geworden, und der Weg ist noch lange nicht vorbei. "Für andere mag das verrückt erscheinen. Aber für mich ist das ganz normal."

Alan Wilder: Recoil Selected, 2 CDs, Mute-Aip, im Handel am 16. April