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Mit Mut auf neuen Wegen

Seit 13 Jahren fester Bestandteil des Eifeler Kulturlebens: der Kammerchor Westeifel. TV-Foto: Gerhard W. Kluth
Seit 13 Jahren fester Bestandteil des Eifeler Kulturlebens: der Kammerchor Westeifel. TV-Foto: Gerhard W. Kluth
Prüm/Neuerburg. Probleme mit den Mitgliederzahlen kennt der Kammerchor Westeifel nicht. Seit 13 Jahren ist er fester Bestandteil des Kulturlebens der Region. Statt wöchentlicher Proben üben die Chormitglieder an Arbeitswochenenden - ein Erfolgsmodell. Von unserem Mitarbeiter Gerhard W. Kluth

"Wenn alle, die auf unserer Mitgliederliste stehen, kommen, dürften wir eine Stärke von 95 Sängerinnen und Sängern erreichen", sagt ein Chormitglied des Kammerchores Westeifel. Also ein stattlicher Oratorienchor, der sich da 1997 gründete. Die Initiative zu diesem Projektchor ging vom Prümer Regionalkantor Christoph Schömig aus, der aus dem Interessentenkreis ein Vokalensemble formte, das schon bald Aufsehen erregte.

"Es war natürlich erst einmal ein Herantasten an das, was der Chor leisten konnte", sagt Schömig im Gespräch mit dem TV. "Aber schon unser erster Auftritt in einem Gottesdienst in Prüm zeigte mir das große Potenzial, das sich hier anbot. Schon für das nächste Jahr konnten wir dann unser erstes Konzert planen." Diesen ersten Schritten sollten bald kraftvolle weitere Schritte folgen und den Chor zu einem festen Bestandteil des Eifeler Kulturlebens machen. Regelmäßig wird zu a cappella Konzerten eingeladen, und einmal im Jahr steht ein großes Werk mit Orchester auf dem Programm. Beachtlich ist die Liste der Werke, die Schömig schon aufführte. Sie reicht von der Johannespassion von Johann Sebastian Bach über das deutsche Requiem von Johannes Brahms bis hin zum Messias von Georg Friedrich Händel im vergangenen Jahr.

Seinen letzten Auftritt hatte der Kammerchor in Neuerburg, wo er mit englischer Chormusik das Jubiläumsjahr des dortigen Kirchenchores eröffnete. Wer das Ensemble dort erlebte, konnte die Begeisterung spüren, mit der jedes Mitglied bei der Sache ist und sich auch auf musikalische Experimente einlässt. Etwa wenn Schömig seinen Chor in eine Improvisation führt, also keine Notenvorgabe da ist, an der man sich festhalten kann. Diese neuen Wege, die Schömig beschreitet, machen, wenn man sich unter den Mitgliedern umhört, einen großen Teil des Reizes aus, hier mitzumachen. Schömig legt großen Wert darauf, den Chor stilistisch nicht festzulegen.

"Ich habe hier die Möglichkeit einer großen Bandbreite im Repertoire. Bach ist genauso möglich wie zeitgenössische Komponisten oder die großen Romantiker. Anders als bei einem Kirchenchor mit seinen liturgischen Verpflichtungen haben wir die Freiheit, uns in jedem Jahr einen Schwerpunkt zu setzen, auf den hingearbeitet wird. "In diesem Jahr steht die englische Chormusik im Mittelpunkt des Geschehens und wird in Kürze in einer CD-Aufnahme gipfeln.

Was aber macht nicht zuletzt auch den qualitativen Unterschied des Kammerchores zu anderen Chören aus? Ein Geheimnis ist sicherlich die intensive Probenarbeit, zu der sich der Chor trifft. Schömig: "Wir arbeiten nicht regelmäßig jede Woche, sondern treffen uns zu Probenwochenenden, bei denen wir das nächste Programm intensiv vorbereiten. Nur so ist es möglich, mit Sängerinnen und Sängern, die aus der ganzen Region zusammenkommen und teilweise noch Mitglieder in anderen Chören sind, ein hohes Qualitätsniveau zu erreichen." Diese konzentrierte Auseinandersetzung mit der Musik, so ist von den Mitgliedern zu hören, führt zu einem intensiveren Verständnis dessen, was der Komponist will. Und nur wenn man etwas verstanden hat, kann man sich auch dafür begeistern. Diese Begeisterung war dem Chor auch in der Neuerburger Pfarrkirche anzusehen und man konnte sie hören. Minutenlang dauerte der Beifall, mit dem sich das Publikum bedankte.