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Rheinische Frohnatur in Topform

Rheinische Frohnatur in Topform

Bestens aufgelegt hat der Bonner Kabarettist Konrad Beikircher in der Tufa Trier ein furioses Programm zu seinem 35-jährigen Bühnenjubiläum geboten. 200 Gäste amüsierten sich blendend über ein Feuerwerk an Geschichten, Anekdoten und parodistischen Kabinettstückchen.

Trier. "Ich wollte Sie herzlich willkommen geheißen haben." Als Konrad Beikircher endlich diese nach rheinländischen Regeln korrekte Begrüßung ausspricht, sind bereits 45 Minuten seines Auftritts vergangen. Drei Viertelstunden, in denen er gefühlt zehnmal zur Begrüßung und zur Erklärung ansetzt, warum ein Rheinländer niemals "Ich heiße Sie willkommen", sagen würde.
Das allerdings vergeblich, weil er ebenso oft, plötzlichen Gedankenblitzen folgend, abschweift: "Ich will Ihnen mal kurz noch andeutungsweise, wie es so meine Art ist, erzählen ...". Da brüllt das Publikum bereits vor Lachen. Denn jeder weiß, dass Beikircher zu wahrer Meisterschaft kultiviert, was der Volksmund "vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen" nennt.
Da will er zwischendrin nur mal eben erklären, dass er am 28. März 1978 zum ersten Mal auf der Bühne der Jazz-Galerie in Bonn gespielt hat und wie er überhaupt 1965 aus seiner Heimat Südtirol ins rheinische Universum nach Bonn gekommen ist.
Heraus kommt ein blumiger Geschichten- und Anekdotenreigen, in dem man erfährt, wie der ehemalige Kölner Bürgermeister Müller seine Festrede zum Jubiläum einer Psychiatrischen Klinik abbrach, weil er die Vorsilbe "psych" zur Gaudi der Gäste nur als "züsch" aussprechen konnte, oder wie die "Pennerbrause" der 1950er, Vino Frizzante, heute als hochpreisiger Prosecco Wiederauferstehung feiert.
Auch über den Rest von insgesamt mehr als zweieinhalb Stunden legt der quirlige Kabarettist mit fantastischen Assoziationsketten ein Tempo vor, bei dem selbst Dieter Thomas Heck die Puste ausgegangen wäre. Schließlich hat er viel aus 35 Bühnenjahren zu erzählen, zum Beispiel, wie ihm, als er bei einem Auftritt: "Wie isset?" ins Publikum schmetterte, auch sein provisorisches Gebiss wegflog.
Aus alten Programmen hat er eine Hans-Moser-Parodie von seinem ersten Auftritt oder Lübke- und Adenauer-Stilblüten aus seinen Radioprogrammen für den WDR parat. Ein Glanzlicht setzt er, als er Mundarten und Eigenheiten von Bayern, Schwaben, Westfalen und Hanseaten pointiert.
Ganz und gar im Element ist er aber, wenn er wie seit Jahrzehnten für das Wesen des Rheinländers missioniert. Jetzt klärt sich auch, warum der Rheinländer nicht "willkommen" heißt. Eine Begrüßung im Präsens bei Festakten bedeute gemeinhin, dass sich die folgenden Reden zögen. Was sich zieht, finde der Rheinländer aber nicht schön, deshalb sorge er mit abgeschlossenem Futur sprachlich für ein schnelles Ende des offiziellen Teils. Er könne dann schneller bei Geselligkeit und Kölsch seiner Religion frönen: "Am schönsten isset, wenn et schön is." ae