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Sie geben ihrer Seele eine Stimme: Vokalsextett glänzt in der Basilika

Das Ensemble Sjaella gestaltet eine mystische Nacht in der Konstantin-Basilika. TV-Foto: Gerhard W. Kluth
Das Ensemble Sjaella gestaltet eine mystische Nacht in der Konstantin-Basilika. TV-Foto: Gerhard W. Kluth FOTO: Gerhard Kluth (gkl) ("TV-Upload Kluth"
Trier. Gleich drei führende A-cappella- Ensembles stehen in der aktuellen Spielzeit beim Mosel Musikfestival (MMF) auf der Bühne. Den Auftakt gestaltete das Sextett Sjaella mit einem mystischen Abend in der Konstantin-Basilika. Gerhard W. Kluth

Trier. Sjaella ist ein skandinavischer Ausdruck, der so viel wie Seele bedeutet, und laut dem Programmheft geben die sechs jungen Damen aus Leipzig ihrer Seele über den Gesang eine Stimme. "Nachts in der Basilika" - so war das Konzert des MMF überschrieben, und Intendant Hermann Lewen begrüßte die gut 600 Konzertbesucher mit dem Versprechen, es werde eine mystische Nacht. In der Tat hatte es etwas Mystisches, als das Sextett mit dem Pfingsthymnus "Veni creator spiritus" von hinten in die abgedunkelte Konstantin-Basilika einzog.

Aber neben Atmosphäre und Emotion sorgte vor allem die hohe Qualität, mit der Sjaella sich dem Publikum präsentierte, dafür, das dieser Abend vokal etwas ganz Besonderes wurde. Die Sängerinnen bauten Brücken von alter Musik zu neuen Kompositionen und vereinten zeitgenössische Klangkunst mit der Tonsprache längst vergangener Jahrhunderte. Mit beeindruckender Intonationsreinheit vereinten sich die sechs Stimmen und schufen eine ätherische Atmosphäre, die niemanden unberührt lassen konnte. Das galt für den Auftaktchoral ebenso wie für die "Missa in discantu" des schwedischen Zeitgenossen Carl Bertil Agnestig.
Sjaella zur Seite standen die Saxofonistin Anne Kaftan und der Organist Adrian Caspari, die als Duo das Programm ergänzten. Oftmals wird ein Saxofon in dieser Kombination als ein Fremdkörper empfunden, weil es eine ganz eigene Klangwelt aufbaut. Nicht aber bei der Eule-Orgel, mit der sich Kaftans Instrument wunderbar mischte. So passten die Improvisationen des Duos zum Hochfest Maria Himmelfahrt und auch die Kompositionen Kaftans nahtlos zu den vokalen Beiträgen Sjaellas.

Wie ein Fremdkörper hingegen wirkte Johann Sebastian Bachs Toccata, Adagio und Fuge C-Dur, BWV 564. Das Adagio wurde ebenfalls von dem Duo improvisiert und hatte mit dem Original nicht viel zu tun. Dies galt aber auch für die Ecksätze, die Caspari alleine spielte. Zum einen passte das Werk nicht in das Gesamtkonzept des Abends, und andererseits wurde Caspari der Komposition nicht gerecht. Mit überzogener Agogik und Registrierungen, die bar jeder Logik waren, spielte er gegen den Raum, das Werk und die Orgel. Diesen Programmteil hätte man, abgesehen vom langsamen Mittelsatz, besser weggelassen.