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Wenn das "Projekt" Liebe endet

Haben Probleme, ihre Nähe zueinander zu ertragen: Lea Walde und Till Thurner im Bühne-1-Stück „Play Loud“. Foto: Jan Steinberger
Haben Probleme, ihre Nähe zueinander zu ertragen: Lea Walde und Till Thurner im Bühne-1-Stück „Play Loud“. Foto: Jan Steinberger FOTO: (g_kultur
Trier. "Wir sind keine Laien", betont Regisseur Michael Gubenko immer wieder. Die neueste Produktion der studentischen Theatergruppe Bühne 1 beweist dies eindrucksvoll. Alles andere als laienhaft geriet die Premiere von "Play Loud" im Theaterstudio.

Trier. "Und wenn ich gehen würde? Würde es nichts ausmachen", resümiert sie in ihrem rosa Shirt und weißen Tüllröckchen in die Menge hinein. Er sitzt in Hemd und modern geschnittener Stoffhose mit tiefhängendem Schritt auf einem Stuhl (Kostüme: Nadja Szymczak). Er hat ihr den Rücken gekehrt. Und dann sagt sie auch noch die berühmten zwei Sätze, die alles besiegeln sollen: "Das hat nichts mit dir zu tun. Das hat nur etwas mit mir zu tun."
Das Ende ist erst der Anfang


Das Ende einer Beziehung, könnte man meinen. Doch in dem Stück "Play Loud" von Falk Richter ist das erst der Anfang. Der Anfang eines Spiels aus Sehnsucht, Enttäuschung, Schmerz und Verlust, schlaflosen Nächten und Liebe, oder was die beiden namenlosen Protagonisten darunter verstehen.
Woran kann eine Beziehung in modernen Zeiten scheitern? Warum ist es so schwierig, Nähe zu jemandem aufzubauen, und wenn sie einmal da ist, diese zu ertragen? Die beiden Schauspieler der Bühne-1-Produktion "Play Loud", Lea Walde und Till Thurner, demonstrieren dies auf kräftezehrende Weise. Sie balgen und schlagen sich, sie singen und rappen, sie rennen aufeinander zu und fallen doch zu Boden, bevor sie sich in die Arme fallen können.
Die Inszenierung von Michael Gubenko holt aus den beiden Studenten heraus, was nur möglich ist. Immer wieder erschaffen sie neue eindrucksvolle Szenen, die schwächere Passagen vom Anfang vergessen lassen. Von enormem Einfallsreichtum zeugt die Szene, die sich YouPorn nennt. Er rappt zur Musik, während sie immer aufs Neue ein Kondom aufbläst, daran spielt, lutscht und die Luft herauslässt, nur um es gleich wieder aufzublasen.
Nur das Bühnenbild geordnet


Die Musik bleibt nicht Hintergrund und Stimmungsmacher, sondern wird selbst zum inszenatorischen Mittel. Die Bassisten und Gitarristen Jan Fries und Sven Sommer bespielen die Monologe, Schlagzeugerin Sally Peter gibt den Takt an. Die Musiker sind ins Bühnenbild von Sandy Panacek und Andreas Stoffels integriert, stehen in mit Folie überspannten, quadratischen Schaukästen. Quadratisch sind auch die anderen Bühnenelemente, vom Teppich über den Fernseher bis zu den Akten im Fernsehtisch. Alles wirkt geordnet, übersichtlich. Die Bühne gehört allein dem chaotischen Seelenleben der beiden Protagonisten, dem leidenschaftlichen Spiel der Darsteller.
Sie will nur ein paar schöne Stunden, zusammen im Bett liegen, knutschen und Musik hören, er wolle aus der Liebe gleich einen Vertrag machen. Einen Arbeitsvertrag am besten. Ihm ist die Liebe seit der Kindheit suspekt, die Schmetterlinge im Bauch, die andere herbeisehnen, empfindet er als "etwas Fremdes in sich". Liebe kennt er nur aus Filmen, allerdings aus den falschen. Es habe etwas Befreiendes, den Schmerz, und die Sehnsucht nicht selbst durchmachen zu müssen, findet er.
Am Ende ist für beide klar: Sie wollen keine Nähe. Das "Projekt" Liebe wird abgebrochen. Lieber eine On-Off-Beziehung im wahrsten Sinne des Wortes: den anderen anschalten können, wenn man ihn braucht und ansonsten nur wissen, dass er da ist. Beziehung im Stand-by-Modus. sbra