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Zuschauer fühlen sich "verarscht" - Alter Kram auf der Reste-Rampe bei "Immer wieder sonntags" in Trier

Zuschauer fühlen sich "verarscht" - Alter Kram auf der Reste-Rampe bei "Immer wieder sonntags" in Trier

Bei "Immer wieder sonntags" fehlt der erkrankte Moderator Stefan Mross. Das aber ist noch das geringste Problem.

(daj) "Stefan Mross ist krank!" - Die Ankündigung klingt fast wie ein Scherz. Aber: Es stimmt. "Immer wieder sonntags" findet tatsächlich ohne den Fernsehmoderator statt. Ist ja auch erst Freitag. "Sie können Ihre Karten an der Kasse zurückgeben und erhalten das Geld zurück", sagt Ersatz-Moderator Hansy Vogt. So mancher der 600 Besucher in der Trierer Europahalle wird es noch bereuen, das Angebot nicht angenommen zu haben.

Als "Stargast" ist die Schlagersängerin Claudia Jung mit dabei. Man kann es auch so verstehen: Die anderen sind keine Stars. Und das trifft die Sache ziemlich gut. Den Auftakt machen die Dorfrocker, drei fränkische Brüder. Sie servieren "Tiefkühlpizza", sind stolz, ein "Dorfkind" zu sein und machen zweideutige Anspielungen. Naja, eher eindeutige. Genau wie "Frau Wäber", das zweite Ich von Hansy Vogt, doch dazu später.

Erst einmal Claudia Jung. Sie singt "Je t'aime, mon amour", das aktuelle Lied "Doch morgen werd' ich wirklich geh'n" - und dann kommt, wie sie selbst sagt, "der ganze alte Kram": 30 Jahre in acht Minuten. Macht netto eine Viertelstunde Musik, plus ein Song zum Finale. Weil der Abend aber auch ohne Mross drei Stunden dauern soll, wird nicht nur die Moderation in die Länge gezogen, sondern muss auch noch das Publikum einen Schlager singen: "Seemann, deine Heimat ist das Meer". Was das mit Claudia Jung zu tun hat? Ihr Opa mochte das Lied. Sonst noch Fragen?

"Ich fühle mich verarscht!", sagt eine Besucherin aus Altrich schon zur Pause. Ihren Namen will sie angesichts der "drastischen Worte" nicht in der Zeitung genannt wissen. Dabei ist das weitaus zitierfähiger als das meiste, was Frau Wäber kurz vorher von sich gab. Nun ist derber Humor unterhalb der Gürtellinie vor allem eine Geschmacksfrage - und die schwäbische Landfrau sorgt durchaus für ein paar Schenkelklopfer. Aber was in der Fernsehsendung eine kleine Sketch-Einlage ist, das wird hier zum Hauptbestandteil. Musik? Nebensache.
Nach der Pause kommt dann doch noch Stefan Mross: als Marionette in der Hand von Puppenspielerin Anna-Carina Woitschack, der laut Medienberichten neuen Partnerin des Moderators. Die junge Frau beweist beim Yvonne-Catterfield-Titel "Für Dich", dass sie gut singen kann. Ihre eigenen Lieder aber, mit denen sie ihr erstes Album bewerben will, wirken austauschbar und lieblos produziert.

Noch immer ist die Zeit nicht um. Also holt Hansy Vogt drei Männer aus dem Publikum auf die Bühne. Er lässt sie minutenlang alberne Bewegungen ausführen - Kaffeemühle, Hula-Hoop und Fahrrad. Zum Dank müssen sich die Gäste als "drei Affen, die alles nachmachen" beschimpfen lassen. Schlimmer geht immer.
Während Florian Silbereisen auf der Suche nach einem neuen Konzept ist und damit 4000 Besucher in der Arena versammelt (der TV berichtete), scheint es hier inzwischen gar keines mehr zu geben. Bei anderen Konzerten der Tournee treten abwechselnd Gaby Albrecht und Franziska Wiese auf. Mit diesen beiden plus Claudia Jung könnte man einen ordentlichen Schlagerabend bestreiten. So aber verkommt ein bunter Gemischtwarenladen zu einer Reste-Rampe. Wenigstens das Trompetespiel von Stefan Mross blieb dem Publikum diesmal erspart.