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Zwischen Lust und Frust

Zwischen Lust und Frust

Großer Nachfrage erfreuen sich die Veranstaltungen im Rahmen des Theaterfestivals "Maximierung Mensch". Zu einer Diskussionsrunde mit jungen Autoren, deren Stücke im Rahmen des Festivals aufgeführt werden, kamen mehr als 50 Besucher in den Szene-Treff "Forum", der als Festival-Zentrum fungiert.

Trier. (DiL) Nein, so richtig leben kann man hierzulande vom Stückeschreiben nicht. Selbst, wenn man wie Claudia Grehn oder Lothar Kittstein schon Preise gewonnen und einen Verlag gefunden hat. Und erst recht nicht, wenn man wie der Österreicher Martin Klaus Maria Menzinger noch einen Verleger sucht. Es dürfte etwas ernüchternd auf das junge Auditorium gewirkt haben, was die drei Theater-Autoren im Alter von Mitte 20 bis Ende 30 über die Geschäftsgrundlage ihrer Arbeit zu erzählen hatten.Wieder-Aufführungen sind selten

Auf "vielleicht 25" schätzte Moderator Thomas Koch die Zahl der deutschsprachigen Theater-Literaten, deren Einkommen aus Druck- und Aufführungsrechten für mehr als einen Bafög-Satz reicht. Die Erklärung lieferte Lektor Moritz Staemmler vom Verlag Felix Bloch Erben in Berlin: Unbekannte neue Stücke werden zwar schon mal gerne uraufgeführt, um das Renommee des jeweiligen Hauses zu heben - aber Wieder-Aufführungen, bei den sich Tantiemen einheimsen ließen, sind ausgesprochen selten. "Wir verdienen unser Geld mit Hauptmann und Dürrenmatt", sagte Staemmler, "die Klassiker subventionieren den Nachwuchs". Dass es einen "Intendanten-Sport Uraufführungen" gebe, wollte Triers Theaterchef Gerhard Weber gar nicht bestreiten. Dennoch erhoffte er sich von jungen Autoren ein Theater in sozialer Verantwortung, "weg von der Privatheit, da hin, wo es brennt". Aber damit mochten sich die Angesprochenen nicht recht anfreunden. Als Künstler stehe ihm der Gedanke an Sozialkritik "geradezu im Weg", betonte Kittstein. Stücke schreiben sei für ihn "wie Eisstockschießen", sagte Menzinger, wenn "in eiskalter Umgebung die Eisstöcke aufeinanderprallen und manchmal Funken schlagen". Mit der Realität könne das Theater ohnehin nicht mithalten: "Es gibt keinen Dramaturgen, der so was wie Amstetten hinkriegt." Die Veranstaltung bot spannende Einblicke in die Motivation, den Karriereweg und die sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen der Autoren. Während Kittstein gerne mit Lektoren an seinen Werken feilt, kann sich Claudia Grehn nicht vorstellen, ihre Texte mit dem Verlag abzustimmen. Gegen eines ist sie freilich nie gefeit: Dass nachher das Stück in der Inszenierung völlig anders daherkommt als sich die Autorin das gedacht hat. Das sei auch in Ordnung so, sagte die 25-Jährige, die am Trierer Max-Planck-Gymnasium Abitur machte, bevor sie nach Hamburg und Berlin abwanderte. Und doch war ihr mehr als deutlich anzumerken, dass sie von den Auszügen aus ihrem Stück "Heimlich bestialisch", die bei der Trierer "Autoren-Odyssee" zu sehen sind, alles andere als begeistert war - obwohl der Intendant höchstpersönlich inszeniert hat. Heute bei "Maximierung Mensch": Ab 9.45 Uhr Konferenz mit Vorträgen zu "ökonomischen Dimensionen im Gegenwartstheater" im Theater-Foyer (auch Samstag); 18.30 Uhr Performance mit Tom Lanoye im DB-Zug, Treff am Service-Point im Hauptbahnhof, 20.30 Vorstellung von "Festung Europa" im Bundesbahnwerk Trier, danach "KlangArt-Party". Morgen, Samstag, 18 Uhr Podiumsdiskussion über Ökonomisierungstendenzen im Gegenwartstheater, Theaterfoyer. 20 Uhr Aufführung "Kommt ein Mann zur Welt", Schauspiel Dortmund. ´