Ein Bauwerk voller Geschichte

Das Graacher Tor ist das einzig noch erhaltene Stadttor der ehemaligen Befestigungsanlage, die das mittelalterliche Bernkastel umgab. Heute beherbergen vier Räume überm Torbogen ein sehenswertes Heimatmuseum.

Bernkastel-Kues. Das Graacher Tor, das als Stadttor einst dem freundlichen Besucher Einlass gewährte, den feindlich Gesinnten aber den Zugang verwehrte, lädt heute jeden zum Eintreten in seine historischen Mauern ein. Es ist das einzige Tor, das von den insgesamt acht Stadttoren und Pforten des einst befestigten und ummauerten Bernkastel übrig geblieben ist.

Der Bau der ehemaligen Stadtmauer wurde Ende des 13. Jahrhunderts von Erzbischof Heinrich von Finstingen begonnen und unter seinem Nachfolger Boemund I. von Warsberg vollendet.

Einer der mächtigen viereckigen Wehrtürme war der Graacher Turm über dem gleichnamigen Tor an der Nordostecke der mittelalterlichen Stadt. Im Zuge der Schleifung der Stadtmauer 1689 durch die Franzosen wurde auch der Graacher Turm gesprengt.

Die Steine des Mauerrings dienten dem Bau der Festung Mont Royal oberhalb Traben-Trarbach. So berichtet die Geschichte: "In Bernkastel erschien der Kommandant von Montroyal, Graf Montal, begleitet von zwölf Offizieren, und ergötzte sich angesichts der Stadttore und -mauern, die gesprengt wurden." Die Bürger mussten die Pioniere, die das Vernichtungswerk ausführten, noch mit reichlich Wein und Gebäck versorgen.

Das Graacher Tor war ursprünglich ein hoher Torturm, der nach seiner Zerstörung als rechteckiger zweigeschossiger Bau mit einer Durchfahrt im Erdgeschoss wiederaufgebaut wurde.

Hier, wo einst zur Kurfürstenzeit das Hochgerichtliche Gefängnis untergebracht war, wo später Privatleute wohnten und wo bis in die 1960er Jahre Obdachlose Unterkunft fanden, zog 1985 die "Stadtgeschichte" in Wort, Bild und wertvollen kulturhistorischen Exponaten ein. Über dem Torbogen an der Außenseite in Richtung Moselort Graach wacht noch immer der Stadtpatron, der Erzengel Michael.

Der Förderkreis "Heimatmuseum Graacher Tor" der Kolpingfamilie Bernkastel St. Michael 1856 unter seinem Vorsitzenden Wolfgang Gilles richtete vor fast 25 Jahren mit Unterstützung der Stadt das Museum ein und betreut es bis heute ehrenamtlich.

Das Heimatmuseum in Bernkastel-Kues hat von Ostern bis Ende Oktober geöffnet. Zum Weihnachtsmarkt öffnet es an den Wochenenden erneut seine Pforte und begrüßt die erwachsenen Besucher mit einem Gläschen Becherovka aus der Partnerstadt Karlsbad.