Gesicht zeigen gegen Rechts

Während der Party des Jugendparlamentes (Jupa) in der Morbacher Baldenauhalle ließen sich rund 150 der mehr als 500 Besucher mit dem Schild "Meine Fresse! Gegen Rechts." fotografieren. Zwölf Jugendparlamente machen bei diesem landesweiten Protest gegen Nazis mit.

Die Formulierung ist drastisch. "Meine Fresse! Gegen Rechts." steht auf dem Schild, mit dem sich rund 150 Jugendliche am Rande der Party des Morbacher Jugendparlamentes (Jupa) fotografieren lassen. Die Aktion ist Teil einer landesweiten Initiative von zwölf Jugendparlamenten, die Fotos aus ähnlichen Veranstaltungen zu einem großen zusammensetzen wollen. Wann und wo steht noch nicht fest, aber, so Jupa- Vorsitzende Julia Begass: "Wir werden Landespolitiker einladen und um Unterstützung unserer Aktion bitten."

Morbach hat Erfahrung mit Nazis. Ende 2007 gab es in Gonzerath den Versuch, ein Schulungszentrum zu eröffnen. "Wir vom Jugendparlament waren damals bei den Protesten sofort dabei", erinnert die Vorsitzende. Die 22-Jährige organisierte jetzt mit ihrer elfköpfigen Jugendvertretung und weiteren 31 Helfern eine Party, bei der DJ Rockmaster B. im Festsaal der Baldenauhalle auflegte und zu der mehr als 500 junge Leute kamen.

Neben dem Spaß beim Tanz zu heißen Rhythmen stand der Protest gegen Rechts. "Schweigen zu dieser braunen Gefahr ist stilles Akzeptieren", findet Begass.

Die Idee fand auch bei der Morbacher Geschäftswelt großen Anklang. Die Kaufmannschaft spendierte mehr als 800 Euro für den Abend.

"Die rechte Szene wird größer und stärker, vor allem in den Städten", befürchtet Shawn Quinlin aus Morbach. Der 18- jährige Auszubildende hat schon häufiger miterlebt, dass betrunkene junge Leute Hetzparolen grölten. Meist seien Leute mit russischen Wurzeln und andere Osteuropäer Ziel des Hasses. "Über die Musik wird die Jugend radikalisiert", fürchtet er, und fügt hinzu: "Alles, was gegen Rechts ist, ist gut."

Der Spaß stand für die 21- jährige Studentin Melanie Eibes aus Morbach bei der Jupa-Party erst einmal im Vordergrund. Sie findet aber: "Das Motto gegen Rechts ist wichtig." Wie schnell das Problem aufs Land kommen kann, habe Gonzerath bewiesen. "Hier zeigen junge Leute Gesicht. Das ist unheimlich wichtig", meint Kreisjugendpfleger Peter Caspers, der die Jugendlichen fotografierte. Im stillen Kämmerlein könne jeder gegen alles sein. Hier werde aber offen Stellung bezogen.

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