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Gier nach Punkten und der schnellen Kugel

Gier nach Punkten und der schnellen Kugel

Einst blitzte und blinkte, klackerte und klingelte es in Kneipen und Spielhallen. Doch die einarmigen Banditen haben fast alle Flipper verdrängt. Deshalb belebt der Verein Pinballparty die Freude am Spiel mit der Kugel wieder.

Bernkastel-Wittlich/Trier. Der Herzschlag des Teufels übertönt das surrende Geräusch der Kugel, die über die blinkende Fläche flitzt. Schlägt sie an eines der Hindernisse an, beginnt das Punktekonto zu rattern. Wer hier flippert, legt sich mit dem teuflischen Gorgar an. Es ist eines der ersten Geräte, die sprechen konnten. Undeutlich zwar, aber immerhin verschafft sich Gorgar Respekt. Etwa 15 Flipper stehen in dem Raum, der älteste ist 35 Jahre alt und liegt damit im Altersdurchschnitt der Männer, die hier gebannt den Kugeln folgen, die Hände immer am Drücker, um sie im Spiel zu halten. Zwischen 26 und 49 Jahre sind sie alt, kommen aus dem Raum Wittlich und Trier. Viele von ihnen haben schon als kleine Jungs gerne geflippert und beobachteten mit Wehmut, wie mehr und mehr Geräte aus den Gaststätten und Casinos verschwanden: zu aufwendig in der Instandhaltung, zu wenig lukrativ. Also kauften sie ihre eigenen blinkenden Maschinen und suchten im Internet nach Gleichgesinnten. Im Sommer gründeten sie schließlich den Verein Pinballparty. Einmal in der Woche treffen sie sich mit bis zu 15 Leuten, meist in ihrem privaten Flipper-Raum in Wittlich, und lassen die Kugeln rollen. "Viele lieben es, wenn es funkelt und knistert", sagt der erste Vorsitzende Michael Follmann (32) aus Hupperath über die Faszination des Spiels. Dazu kommt der Reiz, Ziele genau zu treffen, und die Gier nach einer immer höheren Punktzahl. Und genau die will der derzeit siebenköpfige Verein bald weiter ausleben und eine Flipperliga Eifel/Mosel gründen. An sechs Spieltagen im Jahr würden die Mitglieder dann gegeneinander antreten, und die beiden besten könnten an der deutschen Meisterschaft teilnehmen. Talent be weisen die Flipper-Fans allerdings auch vor dem Spiel. Denn vor allem die Geräte, die von Kneipen ausrangiert wurden, müssen von Grund auf restauriert werden. Mechanik, Elektronik, Farbe, Gummis, Glühbirnen: 50 bis 60 Stunden Arbeit sind nötig, bis der Flipper wieder aussieht wie neu. Manche möbeln ihn sogar auf, mit einer Dolby-Surround-Anlage oder Hochleistungs-LED-Leuchten. Immerhin ist er auch eine Wertanlage, kann eine Rarität doch mehrere Tausend Euro wert sein. Der Traum des Vereins ist es deshalb, eines Tages ein Flipper-Museum zu schaffen. Freigegeben zum Spiel, versteht sich. Doch erst einmal müssen sie nach einem größeren Vereinsraum suchen. "Ich kenne Leute, die haben 20 Geräte im Keller", erzählt Schriftführer Sascha Quint (40) aus Großlittgen. Das surrende Geräusch der Kugeln, die Musik im Hintergrund, das Blinken, Blitzen und Klingeln, es macht süchtig. Und der Teufel freut sich, wenn die Kugel rollt.Kontakt: Michael Follmann, Telefon 06571/9535105 oder 0170/5396911, E-Mail: info@pinballparty.de, Internet: www.pinballparty.de volksfreund.de/videosExtra

Flipper: Das Spielziel ist es, eine Stahlkugel mit Hilfe von mindestens zwei Hebeln möglichst lange im Spiel zu halten. Der Spieler betätigt die Flipperarme über Knöpfe links und rechts des Gehäuses. Trifft er mit der Kugel bestimmte Ziele, erhält er dafür Punkte. Der älteste Flipper im Besitz des Wittlicher Vereins aus dem Jahr 1976 hat noch eine mechanische Punkteanzeige. Mitte der 80er Jahre entstanden Flipper mit mehreren Ebenen. In den 90ern kamen animierte Displays hinzu und mehr und mehr Spielzeuge auf dem Spielfeld. Beim neuesten Gerät der Pinballparty aus dem Jahr 1999 lassen sich mit Hilfe eines projizierten Bildschirms Ufos und Außerirdische abschießen. Viele der etwa 100 Kilogramm schweren Geräte sind thematisch an Filme oder Comics aus der jeweiligen Zeit angelehnt. Es gibt weltweit nur noch einen Hersteller. uq