Karina Conrad ist schon in Berlin

FDP-Kandidatin schafft überraschend den Einzug in den Bundestag. CDU verliert Stimmen in allen Verbandsgemeinden des Wahlkreises.

Bernkastel-Kues/Cochem Karina Conrad kann es noch immer nicht richtig fassen. Die FDP-Kandidatin im Wahlkreis 200 (Mosel/Rhein-Hunsrück) wird dem nächsten Deutschen Bundestag angehören. Das starke Ergebnis der FDP auch in Rheinland-Pfalz (10,4 Prozent) hat es möglich gemacht. Mit Listenplatz vier hat sie den Sprung in die große Politik nach Berlin geschafft.
Gestern Morgen bestieg sie um 7.15 Uhr in Frankfurt eine Maschine nach Berlin. Am Nachmittag nahm sie bereits an einer Sitzung der FDP-Bundestagsfraktion teil.
In der Nacht zuvor hatte sie keine Minute geschlafen. Nach der Wahlparty in Mainz fuhr sie noch nach St. Goar, wo sie bis 1 Uhr mit Parteifreunden aus ihrem Wahlkreis zusammensaß.
Dann, zu Hause in dem kleinen Hunsrückort Bickenbach, etwa 20 Kilometer von Simmern entfernt, schaute sie immer wieder im Internet auf die Seite des Landeswahlleiters. Gegen 5.30 Uhr endlich die Gewissheit: Sie wird mit drei weiteren FDP-Kandidaten aus Rheinland-Pfalz dem Deutschen Bundestag angehören.
"Es war eine spannende und aufregende Nacht, und wir sind alle sehr glücklich", sagt die 34-jährige Diplom-Landwirtin und Mutter von drei Kindern. In der Politik ist sie schon länger. Seit November 2016 ist sie Kreisvorsitzende der FDP Rhein-Hunsrück und leitete bis zuletzt das Wahlkreisbüro des FDP-Landtagsabgeordneten Marco Weber aus Lissendorf (Landkreis Vulkaneifel).
Der Wahlkreis 200, Mosel/Rhein-Hunsrück, umfasst den Rhein-Hunsrück-Kreis, den Kreis Cochem-Zell, die Verbandsgemeinden Bernkastel-Kues und Thalfang, die ehemalige VG Traben-Trarbach (also ohne die Orte der alten VG Kröv-Bausendorf) und die Einheitsgemeinde Morbach.
Die CDU verliert Stimmen in allen Verbandsgemeinden des Wahlkreises - überdurchschnittlich viele in der Einheitsgemeinde Morbach. Dort kann die SPD sogar leicht zulegen. Allerdings bleibt Morbach, ebenso wie die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, mit deutlich über 40 Prozent eine CDU-Hochburg.
Die SPD schneidet in der alten VG Traben-Trarbach im Vergleich zum gesamten Wahlkreis etwas besser ab, deutlich verliert sie in der VG Thalfang.
In der VG Bernkastel-Kues ist die SPD in den Orten Hochscheid, Kleinich und Veldenz stärker als die CDU, in der VG Thalfang in den Orten Dhronecken, Hilscheid, Immert und Rorodt. In Merscheid bekommen die FDP und die AfD jeweils mehr Stimmen als die SPD.
Die FDP erhält in der VG Traben-Trarbach (alt) und in der VG Bernkastel-Kues überdurchschnittlich viele Stimmen. Die AfD kommt im gesamten Wahlkreis auf 9,0 Prozent der Zweitstimmen, in der VG Bernkastel-Kues sind es 7,6 Prozent, in Traben-Trarbach 8,1 Prozent, in Morbach 8,3 Prozent und in Thalfang 8,5 Prozent. Am besten schneidet sie mit 12,5 Prozent in der VG Kirchberg ab.
Einige bemerkenswerte Ausreißer: In Horath haben 61,6 Prozent die CDU gewählt, in Erden sind es 57,3 Prozent. Eine SPD-Hochburg ist und bleibt die Gemeinde Hochscheid. Dort kommen die Genossen auf 45,1 Prozent. Auch Burtscheid ist mit 50 Prozent fest in SPD-Hand.
Die Linke hat in Gielert viele Anhänger. Dort stimmten 14,7 Prozent der Wähler für diese Partei. Die FDP wiederum ist Talling mit 17,4 Prozent und in Starkenburg mit 14,4 Prozent überdurchschnittlich stark. Die Grünen erzielen in Burg/Mosel mit 10,8 Prozent der Zweitstimmen ihr bestes Wahlergebnis.
Weitere Infos zur Bundestagswahl sowie Wahlergebnisse auf Gemeindeebene:
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