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Kein Kröver Nacktarsch aus Kalifornien

Kein Kröver Nacktarsch aus Kalifornien

KRÖV. Kaum etwas ärgert die deutschen Winzer derzeit mehr, als das jüngst geschlossene Weinhandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Die Amerikaner dürfen in Zukunft "Kunstweine" nach Europa einführen – eine schreckliche Vorstellung für Erzeuger und Weinkenner hierzulande. Das Thema stand daher im Mittelpunkt des weinbaupolitischen Teils der Mosel-Weinbautage gestern Mittag in Kröv.

"Mit unseren Strukturen wollen und können wir keine Industrieweine produzieren." Weinbauminister Hans-Artur Bauckhage ließ gestern beim Moselweinbautag in Kröv vor rund 400 Besuchern keinen Zweifel daran, dass man "amerikanische Verhältnisse" hier nicht wolle. Vielmehr, so der Minister, könnten die einheimischen Winzer mit guten Qualitäten den globalen Wettbewerb bestehen. Aber: Das Abkommen ist unterzeichnet, Kritik und Bedenken aus Deutschland wurden überhört. Bauckhage sieht allerdings noch etwas Verhandlungsspielraum, die EU müsse nachverhandeln. Bauckhage: "Deutsche Herkunftsangaben müssen in den USA anerkannt und geschützt werden. Kröver Nacktarsch muss auch in Zukunft von der Mosel kommen, nicht aus Kalifornien." Auch der deutsche Weinbaupräsident Norbert Weber kritisierte die Verhandlungsführung der EU-Kommission, die die Interessen der europäischen Weinerzeuger nicht berücksichtigt habe. Die Weinphilosophie in den USA sei eine andere als in Europa. In Übersee werde der Wein nach Verbraucherwünschen, ähnlich wie Limonade, technisch zusammengesetzt, in Europa gehe der Wein zurück auf seinen Ursprung, sprich die Lage und den Winzer. Weber forderte einen international anerkannten Codex für die Definition von Wein. Ein weiteres Thema, das gestern diskutiert wurde, betrifft die Beschäftigung polnischer Saisonarbeitskräfte. Diese wird durch gesetzliche Auflagen und zusätzliche sozialversicherungspflichtige Abgaben immer mehr erschwert. Mosel-Weinbaupräsident Adolf Schmitt machte klar: "Wir brauchen die osteuropäischen Helfer." Der Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Norbert Schindler, forderte in dieser Frage eine "schnelle und gute Lösung". Deutsche Arbeitslose könnten die Polen nicht ersetzen. Schindler: "Da haben wir schlechte Erfahrungen gemacht." Aber es gab gestern auch positive Signale. Weinbaupräsident Schmitt berichtete von einem gestiegenen Interesse am Ausbildungsberuf Winzer an der Mosel: Immer mehr "Seiteneinsteiger" wollten diesen Beruf ergreifen. Schmitt ermunterte sie: "Die Mosel ist das größte Freilicht-Fitness-Studio der Welt."