Luchs Luxemburg, Irrgarten Irland

MORBACH. Lange Zahlenreihen merken oder Einkaufen ohne Zettelchen ist nicht unmöglich – wie das geht, erfuhren Schüler und Erwachsene beim Morbacher "Mega-Memory-Tag" durch Gedächtnistrainer Gregor Staub.

Es ist zunächst eine Geschichte wie viele andere, die die Kinder der Hauptschule Morbach hören: Ein Mann irrt im Garten herum. Plötzlich ist die Rede von einem Torero, und gleich hinterher dreht sich die Erzählung um Spaghetti. Eine verworrene Geschichte. Und mittendrin taucht zu allem Überfluss ein Hund mit Luchsohren auf. Und auch die 250 Morbacher Hauptschüler spitzen in der Baldenauhalle der Gemeinde aufmerksam ihre Ohren. Doch das Besondere ist, dass sie diesen Wirrwarr an Szenen mühelos nacherzählen können. Grund hierfür ist das vorherige Training - anderthalb Stunden beim "Mega-Memory-Tag" mit Gedächtnistrainer Gregor Staub: Anhand von Bildern lassen sich zehnstellige Zahlen oder komplizierte Formeln sehr viel leichter pauken. Sinn und Zweck der seltsamen Erzählung ist den Fünf- bis Achtklässlern aber nicht auf Anhieb klar. Umso verblüffter sind sie, als Staub erklärt, dass sie soeben ohne Holpern alle Staaten der Europäischen Union aufgezählt haben. So stehe der Irrgarten zum Beispiel für Irland und der Luchs für Luxemburg. Staubs Lerntechniken finden bei den Jugendlichen offene Ohren. Das gehe alles so schnell und sei so einfach, wundern sich einige der älteren Schüler. Die junge Kerstin überzeugt, "dass man nicht stundenlang pauken und aufschreiben muss". Und obendrein hätten sie auch noch Spaß beim Lernen, begrüßen Linda und Alexandra diese Methode. Schüler Kevin ist beeindruckt, wie leicht sich selbst ungewohnte Sprachen erlernen lassen: "Ich find das witzig", kommentiert er, nachdem in wenigen Minuten die Mehrheit der Mitschüler das System der thailändischen Zahlen drauf hat. Auch Formeln könne er sich nicht allzu gut merken, sagt der Schüler, dank Bilderbüffeln werde er damit kein Problem haben. Und René wird sich künftig ums Einkaufen reißen: Einen Einkaufszettel im Kopf zu "schreiben", anhand von Eselsbrücken und bestimmten Punkten, hat nicht nur ihm gefallen. Ebenso wie die Bilder für die Zahlen von null bis zehn, die Viktor künftig für große Zahlen parat haben will. Der Trick: Das Symbol für eine Fünf ist die Hand mit ebenso vielen Fingern, das Bild für eine Sechs ein Würfel. Ein solcher Unterricht ist für die Schüler natürlich alles andere als langweilig. Sie finden es gut, mal etwas völlig Neues zu lernen, was ihrer Ansicht nach in den Unterricht mit einfließen könnte. Schulrektor Thomas Koschant steht dem offen gegenüber. "Ich bin begeistert, wie schnell das umgesetzt werden konnte." Er ist überrascht, dass Schüler sich anhand einer Geschichte "Ruck Zuck" eine zehnstellige Zahl merken konnten. Auf jeden Fall sei das von der Volkshochschule initiierte Angebot "keine vertane Zeit, sondern gut genutzte Zeit." Wovon sich am Nachmittag Lehrer sowie am Abend in einer Zusatzveranstaltung Eltern und Erzieher überzeugen konnten .

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