Mit Goethe und Grammophon: Nacht im Museum begeistert

Mit Goethe und Grammophon: Nacht im Museum begeistert

Mehr als 1200 Neugierige haben die Villa Böcking in der Museumsnacht besucht. In allen Räumen des Museums haben Traben-Trarbacher Bürger in historischen Gewändern Szenen aus der Stadtgeschichte nachgestellt.

Traben-Trarbach. Lange Schlangen vor dem Mittelmosel-Museum: Bei der Museumsnacht ist der Andrang so groß, dass der Eingang der Villa Böcking kurzfristig gesperrt wird: "Wir lassen nur noch so viele Leute rein, wie rauskommen", sagt Museums- chef Christof Krieger. Am Ende der Museumsnacht haben 1207 Gäste das Mittelmosel-Museum besucht.
"Das sind 130 Gäste mehr als im vergangenen Jahr, ein neuer Besucherrekord", freut sich Krieger. In den Räumen der Villa Böcking stellen 85 kostümierte Darsteller in historischen Gewändern verschiedene Szenen aus dem Alltag und der Traben-Trarbacher Stadtgeschichte nach. In einem Raum rezitiert Johann Wolfgang von Goethe vor der Familie Böcking das Mailied, den Zauberlehrling oder "Sah ein Knab ein Röslein stehen", in der Takenstube singt das Weinbergsgesinde nach der Arbeit "Kein schöner Land in dieser Zeit".
Kein Raum im Museum ist an diesem Abend ohne Schauspieler. Ein verwitweter Lehrer jammert über sein Schicksal und darüber, dass er vor lauter Besuchern nicht schlafen kann. Ein Arzt preist seinen Wundertrunk in Form von 2011er Rotling oder 2009er Riesling an. Eine Hochzeitsgesellschaft feiert mit Musik vom Grammophon. Und in den Dachstuben sind ein Schuhmacher sowie Rotkäppchen, Oma und der böse Wolf untergebracht.
Der Tourist Klaus Peltzer aus Hamburg ist von den Szenen begeistert: "Das ist super hier. Die kostümierten Menschen, die tolle Präsentation, alles ist sehr anschaulich und lustig", sagt er. Der gleichen Meinung ist die Düsseldorferin Karin Steinmetz. "Ich bin öfter zu Besuch in Traben-Trarbach und zum dritten Mal bei der Museumsnacht. Ich bin überrascht über die Musik und die Zitate der Darsteller, es ist gegenüber den vergangenen Jahren noch besser geworden."
Tatsächlich hat Museumschef Krieger bei der achten Auflage der Museumsnacht mit einer Keltengruppe, Römersoldaten, einer Jagdgesellschaft und dem Arzt vier neue Programmpunkte eingebaut. "Alle Schauspieler stammen aus dem Stadtbereich", sagt Krieger. Ihm geht es nicht um historisch korrekte Darstellung, sondern darum, Leute ins Museum zu locken, die sonst nicht kommen würden. "Das scheint uns so auch zu gelingen", sagt Krieger. Erste Touristen würden die Museumsnacht bei ihrer Urlaubsplanung berücksichtigen. cst

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