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Großer Zuspruch für neues Projekt

Feiernde Moselgäste und Bürger versammeln sich anlässlich der Bernkasteler Weinkirmes am festlich geschmückten Marktplatz. Die Aufnahme wurde um das Jahr 1932 gemacht. TV-Repro: Markus Philipps
Feiernde Moselgäste und Bürger versammeln sich anlässlich der Bernkasteler Weinkirmes am festlich geschmückten Marktplatz. Die Aufnahme wurde um das Jahr 1932 gemacht. TV-Repro: Markus Philipps FOTO: (m_mo )
Bernkastel-Kues. Mit der Ausrichtung der ersten "Bernkasteler Weinkirmes" hat die Stadtgemeinde Bernkastel-Kues am 4. Oktober 1931 die Grundlage für das traditionelle "Weinfest der Mittelmosel" geschaffen. Seit den 1950er Jahren wird die beliebte Groß-Veranstaltung jährlich am ersten Septemberwochenende ausgetragen und lockt stets Hunderttausende Besucher in die Wein- und Moselstadt. Markus Philipps

Bernkastel-Kues. Als der Winzerstand der Mittelmosel zu Beginn der 1930er Jahre unter den Auswirkungen der damaligen Weltwirtschaftskrise litt, wurde in Bernkastel-Kues eine neue Weinkirmes ins Leben gerufen, die den Fremdenverkehr der Stadt in hohem Maße bereichern sollte.
Anlässlich der Vorbereitungen für die erste "Bernkasteler Weinkirmes" berichtete die städtische Zeitung am 28. September 1931: "(...) Der Not der Zeit folgend hat es sich die Stadtverwaltung im Einvernehmen mit dem Gewerbeverein und den interessierten Kreisen besonders angelegen sein lassen, im weiten Umkreise auf die diesjährige Weinkirmes besonders aufmerksam zu machen, um an diesem Tage einen verstärkten Fremdenstrom nach Bernkastel zu leiten, im Interesse des Weinkonsums und der Besserung der gewerblichen Lage, die durch den ungünstigen Ausfall der diesjährigen Reisesaison besonders gelitten hat."
Heimat geschichte(n)


In jenem Jahr entwickelte sich die frühere Michaelskirmes, die stets am Sonntag nach dem Michaelistag (29. September) gefeiert wurde, zu einem großen Event mit starker Anziehungskraft. Die Bernkasteler Zeitung vom 5. Oktober 1931 schilderte das außergewöhnliche Ereignis ausführlich: "Der gestrige Kirmestag hat die alte Zugkraft Bernkastels als Wein- und Moselstadt erneut bestätigt. (...) Noch nie hat es an der Kirmes in seinen Mauern einen solch starken Fremdenbesuch zu verzeichnen gehabt. Schon am Samstag trafen die Wochenendausflügler ein. Am Sonntag sah man von morgens bis abends Hunderte von Autos parken. Zu beiden Seiten des Gestades und in der Brückenstraße standen die Wagen an Wagen. In allen Gaststätten herrschte Hochbetrieb; abends hatte man Mühe, noch ein Plätzchen in den Tanzlokalen zu finden. Bis spät hielten die Fremden in weinfroher Stimmung aus. Ein Zeichen, daß in dieser düsteren Zeit der Wein als probater Sorgenbrecher die ihm gebührende Wertung und Anerkennung findet. (...) Alles verlief in schönster Harmonie, so daß keinerlei Ausartungen zu beklagen sind."
Der große Erfolg der ersten Bernkasteler Weinkirmes bewirkte, dass die Stadt eine Wiederholung des Festes im folgenden Jahr organisierte. Indes verfolgte der städtische Verkehrsausschuss das Ziel, die Weinkirmes zu einem "moselländischen Volks- und Trachtenfest" auszubauen. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete somit neben einem Platzkonzert am einstigen Kriegerdenkmal ein ausgedehnter Festzug, an dem der städtische Mandolinenclub, der Schülerchor, die Kapelle der Musikvereinigung und in voller Tracht erscheinende "Moselblümchen" und Winzerburschen teilnahmen. Der Zug führte über das Gestade durch die Hebegasse und Graacherstraße zum festlich mit Fahnen und Flaggen geschmückten Marktplatz (siehe großes Bild). Es kamen am 2. Oktober 1932 insgesamt mehr als 4000 weinfrohe Gäste in die Moselstadt, um am geselligen Fest teilzunehmen. Angesichts des großen Zulaufs und der hohen Begeisterung des Publikums bezeichnete die Bernkasteler Zeitung die Festivität als "Das Weinfest der Mosel".
Die populäre Veranstaltung wurde nun fest im Terminkalender der Stadt verankert und zwei Jahre später erhellten erstmals eine "Burg- und Uferbeleuchtung" sowie Fackelboote auf der Mosel den Weinfestabend. Im Rahmen der deutschen Weinpropaganda-Aktionen nahmen beim Bernkasteler Weinfest 1936 neben den regionalen Moselgemeinden auch zahlreiche Vertreter deutscher Weinpatenschaftsorte am prächtigen Festumzug teil. Im Jahre 1937 wurde Bernkastel-Kues überdies Austragungsort des großen "Weinfestes der Westmark" und ein imposanter Festzug aus Gruppen zahlreicher weinbautreibender Gemeinden der Großregion begeisterte die angereisten Gäste und Weinfreunde.
Etwa ein halbes Jahrzehnt nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges wurde die ursprüngliche Weinfest-Tradition in Bernkastel-Kues wiederbelebt und man feierte die Groß-Veranstaltung ab 1950 regelmäßig am ersten Sonntag im September. Seither ist das sogenannte "Weinfest der Mittelmosel" ein permanenter Bestandteil des jährlichen Veranstaltungskalenders der bekannten Moselstadt.

Bernkasteler Weinfest vor 50 Jahren: Der Festwagen von Zeltingen mit Weinprinzessinnen. Foto: privat
Bernkasteler Weinfest vor 50 Jahren: Der Festwagen von Zeltingen mit Weinprinzessinnen. Foto: privat FOTO: (m_mo )