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Bei Tante Emma schlägt das Herz des Dorfes

Liebevoll geführte Tante-Emma-Läden sind für viele kleine Orte nicht nur Einkaufsgelegenheit, sondern auch sozialer Mittelpunkt. Damit das auch so bleibt, soll ein Projekt den Inhabern nun den Rücken stärken und sie miteinander vernetzen. Von unserem Redaktionsmitglied Ursula Quickert

Heckhuscheid. Am Samstagmorgen droht Josef Lenz' kleiner Dorfladen in Heckhuscheid aus allen Nähten zu platzen. Es sind nicht nur die frischen Brötchen, die die Menschen zu dieser Zeit zu "ihrer Tante Emma" locken, es ist auch die Gelegenheit zu netten Plaudereien, die Geselligkeit. Die Eifelgemeinde zeigt, dass Dorfläden als Zentren der Kommunikation in kleineren Orten immer wichtiger und zudem als vielseitiger Dienstleister nachgefragt werden. Ein Projekt, das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des rheinland-pfälzischen Arbeits- und Sozialministeriums gefördert wird, soll die Geschäfte nun vernetzen und ihren Erhalt sichern.

Einer der aktuellen Trends lautet: "Nur Lebensmittel zu verkaufen reicht nicht", erklärt Katharina Schäfer von der Volker-Bulitta-Unternehmensberatung in Trier, die das Projekt entwickelt hat und betreut. Josef Lenz war zum Beispiel lange Zeit Tante-Emma-Laden, Textilgeschäft, Schreib- und Eisenwarenladen sowie Postfiliale in einem. Nun können die Heckhuscheider keine Pakete und Briefe mehr bei ihm abgeben: Weil der Laden damit nicht genug Umsatz machte, kehrte die Deutsche Post ihm den Rücken. Das kostet Lenz nun Kunden. Denn wer ein Einschreiben bei ihm aufgeben wollte, der hat häufig gleich noch die Marmelade fürs Frühstück eingekauft.

Sich breit aufzustellen, für die Einwohner eine vielseitige Anlaufstelle zu sein, das zahlt sich für beide Seiten aus. Das Projekt "Dorfladenagentur Rheinland-Pfalz", das nach eigenen Angaben deutschlandweit eine Vorreiterrolle innehat, möchte die Geschäfte in Dorfzentren verwandeln, in denen sich das soziale und kulturelle Leben bündelt. "Die Leute brauchen die Kommunikation. Und wir müssen Service bieten, den die Großen nicht bieten können", sagt Lenz, der mittlerweile seit 65 Jahren hinter der Theke steht. Zu den Dienstleistungen könnte auch zählen, dass die Läden Formulare an Behörden entgegennehmen und zum Beispiel Führerscheine ausgeben - was vor allem in Hinblick auf die Kommunalreform interessant werden könnte.

Auch das Problem, dass es mittlerweile kaum noch Lieferanten für die kleinen Dorfläden gibt und die Belieferung an hohe Abnahmemengen geknüpft ist, hat das Projekt im Blick. Am Ende des Prozesses soll die Gründung einer Dorfladenagentur stehen, die Dorfläden in Rheinland-Pfalz vernetzt und so deren Stimme gegenüber den Partnern stärkt und ihre Marktposition steigert. Außerdem soll es Schulungen und Informationsabende geben, bei denen die Ladenbetreiber ihre Erfahrungen austauschen und Probleme beraten können. Damit Tante Emmas Herz weiter schlagen kann. Extra Dorfläden: Insgesamt können in der Region Trier 39 Geschäfte von dem Projekt zur Gründung einer Dorfladenagentur Rheinland-Pfalz profitieren: 21 Läden im Landkreis Bitburg-Prüm, fünf im Vulkaneifelkreis und 13 im Kreis Bernkastel-Wittlich. Sie erfüllen die nötigen Kriterien - führen also ein Vollsortiment, sind kleiner als 200 Quadratmeter und befinden sich in einem Ort mit weniger als 2000 Einwohnern ohne Supermarkt. Die restlichen Landkreise in der Region Trier zählen nicht zu den sechs rheinland-pfälzischen Aktionsräumen, in denen das Projekt getestet wird. (uq)