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Jeder hilft so gut er kann

Viel Betrieb, viel Engagement: 50 Wallersheimer zeichnen die Gründungsurkunde. TV-Foto: Vladi Nowakowski
Viel Betrieb, viel Engagement: 50 Wallersheimer zeichnen die Gründungsurkunde. TV-Foto: Vladi Nowakowski
Wallersheim. Das Interesse scheint groß. Rund 100 Einwohner sind zur Gründungsversammlung des Vereins Lebendiges Wallersheim ins Bürgerhaus Wallersheim gekommen. 55 haben sich als Gründungsmitglieder eingetragen. Vladi Nowakowski

Wallersheim. Es ist eine eindrucksvolle Demonstration dessen, wie schnell eine gute Idee zünden kann und Mitstreiter gewinnt: Vor wenigen Wochen erst traten Maria und Erich Michels mit ihrer Idee zur Gründung eines Vereins, der die Lebensqualität in Wallersheim verbessern soll, an den Gemeinderat heran. Nun sitzen bei der Gründungsversammlung rund 100 Bürger des Ortes und sind voller Tatendrang. "Ich bin überwältigt, so viele Leute hier zu sehen", sagt Maria Michels, die nach eigenem Bekunden mit etwa 20 Personen gerechnet hatte.
Hilfe in schwierigen Lebenslagen


Der frisch aus der Taufe gehobene Verein verfolgt das Ziel, die Gemeinschaft aller zu fördern, Hilfestellung in schwierigen Lebenslagen für Alleinstehende, alte Menschen, Kinder, Jugendliche und Neubürger zu leisten. "Es geht um kleine Dinge", sagt Ortsbürgermeister Josef Hoffmann. "Jeder, der hier mitmacht, soll einbringen, was er kann - niemand wird zu etwas gezwungen." Das können Fahrdienste sein, Hilfe bei der Arbeit in Haus und Garten oder einfach nur Besuche bei älteren Mitbürgern, erklärt Hoffmann.
In den kommenden Tagen werden sich die 55 Gründungsmitglieder, die gegen Ende der Veranstaltung die Satzung unterschrieben, zum Ideenaustausch treffen. "Dann werden wir die Angebote bündeln und uns überlegen, wie wir sie öffentlich machen, damit die Menschen darauf zugreifen können", sagt Moderator Klaus Hack, ehemals Direktor der Bertrada-Grundschule Prüm. Wallersheim sei ein Ort mit vielen älteren Menschen und einer großen Anzahl von Alleinstehenden, sagt Hack. "Wir haben keine Gaststätte, keine Post und kein Geschäft mehr - böse Zungen behaupten, Kommunikation sei nur noch auf dem Friedhof möglich." Dass so viele junge Menschen zur Gründungsversammlung erscheinen und dem Verein beitreten, sei wunderbar und überträfe alle Hoffnungen.
Landrat Joachim Streit beglückwünscht die Wallersheimer zu ihrer "Bewegung von unten": "Die Zeiten haben sich geändert", sagt Streit. "Wir werden weniger und älter, und mancherorts herrscht Pflegenotstand." Nachdem in den vergangenen Jahrzehnten vor allem die Wohnqualität in den Dörfern das Hauptanliegen der Kommunalpolitik gewesen sei, müsse nun der Fokus auf das soziale Miteinander gerichtet werden. "Die bunte Mischung aus jung und alt am heutigen Abend sagt mir, die Wallersheimer schaffen das", sagt Streit.
Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm, freut sich über das Engagement der Bürger. "Ich werde das gerne positiv begleiten", verspricht Söhngen. "Diese Gemeinde ist dabei, sich neu zu erfinden. Und das Besondere daran ist, dass hier junge und ältere Mitbürger gemeinsam für das Gemeinwesen einstehen." In naher Zukunft solle rechtlich geprüft werden, ob der neue Verein auch im Auftrag der Verbandsgemeinde wirken könne, berichten Söhngen und Bürgermeister Hoffmann. Auch aus Düsseldorf kommt eine gute Nachricht: Udo van Meeteren, Ehrenbürger der Gemeinde Wallersheim, bedauert, nicht bei der Gründungsversammlung anwesend sein zu können, schickt aber dem jungen Verein eine äußerst großzügige Spende als Startkapital. Den daraufhin folgenden Applaus wird man auch in Düsseldorf gehört haben.