| 20:35 Uhr

Jetzt noch Baustelle, bald schon Schmuckstück

Watzerath. Viel ehrenamtliche Hilfe, Kosten und Bauzeit im Plan: In der Watzerather Ortsmitte entsteht seit November das neue Gemeindehaus. Kosten: fast 800 000 Euro. Einen dicken Batzen davon leisten die Bürger selbst. Integriert ist außerdem das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr. Fritz-Peter Linden

Watzerath. "Da war vorher ein tiefes Loch", sagt Watzeraths Ortsbürgermeister Rainer Kockelmann und lacht. Er spricht von der bisher freien Fläche in der Dorfmitte: Direkt neben der Hauptstraße, der B 410, wächst nämlich gerade das neue Gemeindehaus heran, mit dessen Ständerwerk im November begonnen wurde. Ins Gebäude integriert ist auch das neue Gerätehaus für die Freiwillige Feuerwehr."Mittlerweile sind wir auch mit den Innenarbeiten so weit, dass wir den Estrich im Obergeschoss machen können - und nächste Woche dann im Untergeschoss", sagt der Gemeindechef. Das Ganze funktioniert, wie in vielen anderen Eifeldörfern bei ähnlichen Vorhaben auch, nur aus einem wesentlichen Grund: Viele packen ehrenamtlich mit an. Kockelmann schätzt, dass bisher locker 40 Bürger an der Baustelle aktiv gewesen seien. Er habe anfangs auch eine Liste ausgelegt, in die sich jeder Helfer eintragen konnte. Aber das war den Bürgern offenbar nicht so wichtig wie der Baufortschritt, die Liste blieb unvollständig. Die Watzerather leisteten unter anderem Elektroarbeiten in Zusammenarbeit mit der örtlichen Firma von Werner Hoffmann, übernahmen einen Teil der Heizungsinstallation, verkleideten die Decken und bereiteten den Unterbau für den Estrich vor. "Die Feinarbeiten", sagt Kockelmann, "werden dann von Firmen ausgeführt." Der Plan der Ortsgemeinde sei, Ende des Jahres "das Ding so weit fertig zu kriegen, dass wir dort die ersten Termine machen können". Darunter der traditionelle Weihnachtsbasar der Watzerather Strickfrauen und das Skatturnier, das der Sportverein seit 30 Jahren am zweiten Weihnachtsfeiertag ausrichtet - auch wenn das Gemeindehaus dann offiziell wohl noch nicht ganz fertig sein werde. Deshalb plane man, die offizielle Eröffnung, ähnlich wie es die Schönecker mit ihrem neuen Forum gemacht haben, ins Frühjahr zu verlegen, "wenn besseres Wetter ist".Alte Schule ist verkauft

Das neue Haus soll 794 000 Euro kosten, auf das Gemeindehaus entfallen 652 000, aufs Feuerwehrgerätehaus 142 000 Euro, die von der Verbandsgemeinde Prüm übernommen werden. Die Gemeinde erhält aus dem Dorferneuerungsprogramm des Landes einen Zuschuss über 387 000 Euro. Weiteres Geld erlöste die Ortsgemeinde aus dem Verkauf der alten Schule: Diese war bis Ende des Jahres als Gemeindehaus genutzt worden und sollte ursprünglich umgebaut werden. Weil das aber kaum billiger geworden wäre, sah man in Watzerath von diesem Vorhaben ab (der TV berichtete): "Das wäre fast genauso teuer geworden wie ein Neubau. Und wir hätten dann immer noch eine alte Schule gehabt", sagt Kockelmann. Die Gemeinde verkaufte das Gebäude dann für 120 000 Euro an eine Familie im Dorf, die es nun in Wohneinheiten umbaut. Und dann ist ja da noch die Eigenleistung, die Kockelmann auf mindestens 50 000 Euro beziffert. Am Ende bleiben noch etwa 100 000 Euro an der Ortsgemeinde hängen, die über Kredite finanziert werden müssen. Man achte auf jeden Fall darauf, dass die kalkulierten Kosten eingehalten werden - auch wenn man nie genau sagen könne, was hier und da noch an Unerwartetem hinzukomme.In den vergangenen Jahren hat sich einiges getan im Dorf: Etliche neue Häuser wurden gebaut, die Ortsdurchfahrt ist ebenfalls vollständig erneuert. Auch derzeit sieht man den einen oder anderen Neubau entstehen. Das seien zwar dieses Jahr nicht mehr so viele gewesen wie in der Vergangenheit, sagt Kockelmann, "aber vielleicht kommt ja noch was", zumal es bereits weitere Anfragen für Grundstücke im 430-Einwohner-Dorf gebe. Meinung

Das schöne, alte LiedEs ist, bei allen drückenden Finanzsorgen der Gemeinden, eine stets erfreulich gleiche Geschichte: Steht im Dorf ein Projekt an, das aus den klammen Kassen nicht zu finanzieren ist, sind die Bürger helfend dabei. Das ist für die Eifeler Ehrensache. Und gehört deshalb gelobt, auch wenn wir das hier schon oft getan haben. In diesem Fall wiederholt man sich gern. fp.linden@volksfreund.de