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Kommunalpolitik
Ein Mann kommt aus der Deckung

Will Stadtbürgermeister von Prüm werden: Johannes Reuschen auf seiner Terrasse in der Waldstraße.
Will Stadtbürgermeister von Prüm werden: Johannes Reuschen auf seiner Terrasse in der Waldstraße. FOTO: Fritz-Peter Linden
Prüm. Sommerliche Überraschung: Johannes Reuschen von der Prümer Bürgerbewegung kandidiert im kommenden Jahr für das Amt des Stadtchefs. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

Kurz nach dem Prümer Kirmesfeuerwerk zündet ein Stadtratsmitglied einen weiteren – diesmal kommunalpolitischen – Kracher: Johannes Reuschen will im September 2019 bei der Bürgermeisterwahl in der Abteistadt kandidieren.

Neu ist das Thema Stadtpolitik für ihn nicht: Für die Prümer Bürgerbewegung (PBB), die gemeinsam mit den Freien Wählern eine Fraktion bildet, sitzt er seit zehn Jahren im Stadtrat. Und ist immer noch erst 31 Jahre alt: „Ich war 2009 das jüngste Stadtratsmitglied, das je eingetragen wurde“, sagt er. Und nein, trotz Jugend, das sei kein „Wetterballon“, den er mal testweise aufsteigen lasse: „Die Kandidatur ist ernst gemeint“, sagt der Jurist (siehe Info).

Und sie sei lange überlegt: Einen solchen Beschluss, den treffe man nicht „heute und morgen mal schnell unter der Dusche. Man prüft sich ja auch selbst: Bin ich so weit? Kann ich die Verantwortung übernehmen?“

Reuschens Antwort: Er ist, er kann. „Für mich ist die Zeit reif. Ich bin jetzt 31 und möchte die Verantwortung übernehmen. Ich will jetzt loslegen. Weil es mich umtreibt, meine Heimat mitzugestalten.“ Auch wenn ihm klar sei, dass er „nicht für jeden der Traumkandidat“ sein könne.

Aber gut, wer ist das schon. Seinen Entschluss hat er jedenfalls schon der eigenen Fraktion und den Kollegen von CDU und SPD mitgeteilt – und auch Mathilde Weinandy (CDU), derzeit in ihrer dritten Amtsperiode als Stadtchefin. Das sei ihm wichtig gewesen, sagt Reuschen: „Verstecken spielen ist nicht meine Welt.“

Will er es besser machen als die amtierende Bürgermeisterin? Die Antwort fällt ihm nicht leicht, zumal er betont, dass die Arbeit mit Mathilde Weinandy im Rat immer den Konsens zum Ziel habe und sehr gut funktioniere. „Besser? Ich kann nur sagen, was ich machen will.“ Aber nicht nach dem Motto: „Jetzt kommt hier der Jurist, und es wird mal in die Hände gespuckt.“

Es gehe ihm vor allem um zwei Schwerpunkte: Zum einen, „die Stadt und ihre Ortsteile winter- und wetterfest zu machen“ für die Zukunft. Dazu brauche es „technisch-wirtschaftliche Maßnahmen“. Beispiele aus seiner Themenliste: Leerstände verringern, Unternehmensübergaben erleichtern, ein neues Park-Konzept entwickeln, ein weiteres Industriegebiet schaffen. Und das Digitale vorantreiben: „Wir sind im Jahr 2018, und die Stadt hat keine Internetseite. Und wir brauchen eine Prüm-App!“

Zweitens, „aber absolut gleichwertig: ein Wir-Gefühl zu erzeugen, auch wenn das ein abgedroschenes Wort ist. Aber bei manchen Dingen fehlt mir das einfach.“

Denn den Prümern gehe es gut: Nahezu alle ihre Plätze seien saniert, der Hahnplatz werde bald fertig. Die Finanzen stimmten, das Vereinsleben sei beispielhaft, alle Geschäfte da, die man brauche, das kulturelle Angebot groß. Man müsse sich nur einmal das Programm der Volkshochschule anschauen. Dann das Eifel-Literatur-Festival, die Zentralbücherei, Konzerte – und und und: „Am Freitag geh ich zum Geschichtsverein, zum Vortrag über Amerika.“ Und der sei auch noch kostenlos, das sei doch einmalig. „Wir haben beinah für jeden ein Angebot“, sagt Reuschen. „Wir sind sehr stark. Was mir manchmal fehlt, ist, dass wir das auch nach außen tragen. Ich möchte das Bewusstsein dafür stärken.“

Was Prüm zu bieten habe, sei auch seinen Kölner Kommilitonen irgendwann klar geworden. Die nämlich hätten ihn während des Studiums immer wieder gefragt, warum er so oft nach Hause fahre. Dann habe er sie einmal in die Stadt gelotst. Und danach fragten sie dann nicht mehr.

Ob Mathilde Weinandy im kommenden Jahr für eine vierte Amtszeit kandidiert, hat sie noch nicht entschieden: „Ich hab ja noch Zeit, zu überlegen“, sagt sie auf unsere Anfrage. Und ob Reuschen ein geeigneter Bewerber sei, „das maße ich mir nicht an zu beurteilen“.

Ihr möglicher Gegenkandidat aber, der nicht für eine Parteiliste antreten will, hat sich vorgenommen einen Wahlkampf ohne Attacken zu führen: Das sei nicht sein Ding, sagt Johannes Reuschen. Und sollte er gewählt werden, werde er sein Amt nicht als „Maloche“ empfinden. Dafür mache ihm bereits jetzt die Arbeit für seine Heimatstadt viel zu viel Freude. „Und dann bin ich endlich in der Position, dass ich Dinge vorantreiben kann.“