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Denkmalschutz
Ein Gotteshaus verliert seine Mitte - Lauperather Chorturmkapelle ist einsturzgefährdet

Wie dramatisch die Bewegungen im Gebäude sind, ist gut an der Decke im Altarraum zu erkennen.
Wie dramatisch die Bewegungen im Gebäude sind, ist gut an der Decke im Altarraum zu erkennen. FOTO: Frank Auffenberg
Lauperath. Die Kapelle in Lauperath ist bis auf weiteres gesperrt. Die Statik des Turms ist nicht mehr sicher, Steine sind lose und können einfach rausgenommen werden und auch das restliche Mauerwerk ist nicht mehr stabil – der Einsturz droht. Von Frank Auffenberg

Der Turm ist niedrig und gedrungen, die Außenmauern sind schief und wuchtig: Ortsbildprägend ist wohl der richtige Begriff, um die Bedeutung der Kapelle zu den heiligen drei Jungfrauen für Lauperath zu umschreiben. „Sie ist schon ein kleines Schmuckstück. Ein sehr besonderes Gebäude, wie es mit der Kapelle aber weitergeht wissen wir gerade wirklich nicht“, sagt Pastor Georg Josef Müller. Er wirkt ernst: „Seit vorigem Jahr ist die Tür abgeschlossen. Wir wollen wegen Einsturzgefahr einfach nichts riskieren“, sagt er.

So konnte die kleine Kapellengemeinde das Patrozinium in diesem Jahr auch nicht im eigenen Gotteshaus feiern, sondern musste dafür in die Pfarrkirche von Waxweiler ausweichen. „Und so schwer es auch ist, das wird wohl länger so bleiben.“ Im Sommer vorigen Jahres habe Daniela Michels, zuständig für die Liegenschaften des Bistums Trier, mit dem Statiker Otmar Schmitz die Kapelle besucht. „Dass hier einiges schief ist, kann nicht übersehen werden, doch wie arg es um die Kapelle tatsächlich bestellt ist, war wohl niemandem klar“, sagt Müller.

In ihrer mehr als 550 Jahre währenden Geschichte wurde die Kapelle seit 1450 mehrfach verändert, teils fast vollständig niedergelegt und wieder aufgebaut und saniert. Heute sei besonders der so markante, niedrige Turm das größte Sorgenkind. „Schmitz begutachtete ihn und sagte gleich, dass es große Probleme mit dem Mauerwerk gibt. Teils sind Steine so lose, dass sie einfach per Hand herausgenommen werden können. Im Grunde stützen sie sich nur noch gegenseitig“, sagt Müller. Schnell sei klar gewesen, dass die Glocken in nächster Zeit nicht mehr läuten werden. Jede Bewegung, jede Vibration gefährde die Bausubstanz. „Es wäre fahrlässig, das Geläut weiter zu benutzen.“

Etwa 200♦000 Euro koste vermutlich allein die Instandsetzung des maroden Turms. „Wobei damit die Innenarbeiten nicht mit abgedeckt wären – von den Außenmauern ist dabei noch gar nicht die Rede“, sagt der Pastor. Dass die Bausubstanz bereits seit Jahrzehnten zu wünschen übrig lasse, erkenne man gut im Altarraum. „Vor einigen Jahrzehnten begann sich die Decke zu senken“, sagt Müller. Ursprünglich sei die Decke gleichmäßig und deutlich höher gewesen. Bei Renovierungen im vorigen Jahrhundert hat man den Kapellenraum dann immer wieder angepasst – bis zum heutigen Stand.

„Auf dem Tabernakel ruhten eigentlich eine Kugel und ein Kreuz. Die Decke hat sich so weit abgesenkt, dass aber beides entfernt werden musste“, sagt Müller. Doch nicht nur der Turm bereitet Schwierigkeiten, auch die Außenmauern sind sichtlich in Bewegung.

„Die zur Straße liegende Wand wurde irgendwann mit einem Betonsockel abgestützt, die andere nicht. Sie neigt sich nun deutlich zur Seite. „Das ganze Gebäude wirkt verschoben“, sagt Müller. Wie sehr die Kräfte an der Bausubstanz zerren, erkenne man nicht nur an den vielen feinen Rissen im Putz. „Steht man am Altar und richtet den Blick auf den großen Bogen vor einem, sieht man dort zum Beispiel einen Riss, der auf der anderen Seite parallel weiter geht. Ein deutliches Zeichen dafür, dass mehr im Argen liegt als nur ein bisschen bröckelnder Putz.“

Es sei ein schwerer Schritt gewesen, dass Gotteshaus komplett für die Öffentlichkeit zu schließen. „Werktags und zum Patrozinium wurden hier ja regelmäßig Gottesdienste angeboten, ebenso die Atempause mit Gott. Bevor wir aber wissen, wie stabil die Kapelle wirklich ist, können wir aber einfach nichts riskieren. Der Statiker meint, dass jeder Glockenschlag oder auch ein schwererer Sturm zum Einbrechen von Wänden führen könnte.“

Einen genauen Zeitplan gebe es übrigens noch nicht, sagt Müller. „Wir sind ganz am Anfang der Planungen und die 200♦000 Euro sind nur eine sehr grobe Schätzung. Um genaues sagen zu können, müssen demnächst die Glocken ausgebaut werden, um den Turm genau zu untersuchen.“

Besonders der niedrige, markante Turm macht Probleme. Teils sind Steine einfach per Hand herausnehmbar. Foto: Frank Auffenberg
Besonders der niedrige, markante Turm macht Probleme. Teils sind Steine einfach per Hand herausnehmbar. Foto: Frank Auffenberg FOTO: Frank Auffenberg