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Mieses Wetter: Warum viele Menschen darunter leiden.

Psychologie : Deprimiert? Nix wie raus ans trübe Licht!

Eine Psychologin erklärt, warum das miese Winterwetter vielen so zu schaffen macht.

„Sonne macht albern“ lautet ein beliebtes Sprichwort aus der Gruftie-Szene, und die dunkel gekleideten Gesellen treffen damit voll ins Schwarze. Denn tatsächlich sind Menschen besser drauf, wenn sie reichlich Sonnenlicht tanken können. Unsere Redakteurin hat mit der Trierer Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Lisa Becker ­darüber gesprochen, warum es so vielen schlecht geht, wenn der strahlende Stern sich allzu lang hinter düsteren Wolken versteckt, wen es besonders hart trifft, und was man tun kann, um die trübe Stimmung zu vertreiben.

Die russische Kälte kommt

Warum also ist Licht so wichtig? „Wir brauchen Tageslicht, um Serotonin zu produzieren“, erklärt Becker. Denn dieser Botenstoff wirkt sich positiv auf die Stimmungslage aus. Wer genug Serotonin im Zen­tralnervensystem gebildet hat, fühlt sich gelassen, innerlich ruhig und zufrieden. Unschöne Gefühle wie Angst, Aggression oder Kummer und selbst das Hungergefühl  werden gedämpft.

„In der Dunkelheit wird die Produktion von Serotonin gehemmt. Stattdessen entsteht Melatonin im Körper“, sagt Becker. Dieses wird auch als Schlafhormon bezeichnet, denn es hilft dabei, gut schlafen zu können. „Das Problem ist: Wenn es sehr trüb ist, dann wird mehr Melatonin produziert.“ Deshalb fühlen sich viele Menschen nun nach zwei extrem dunklen Wintermonaten müde und abgeschlagen.

Ein wahrer Teufelskreis könne daraus werden, wenn schlechtes Wetter sie auch noch davon abhält, sich draußen zu bewegen. Dann bekommen sie so gut wie gar kein wertvolles Tageslicht mehr ab, die Serotoninproduktion wird weiter gehemmt. Und die Stimmung sinkt und sinkt.

Was tun? „Auch, wenn die Sonne nicht scheint, sollte man auf jeden Fall rausgehen und sich bewegen“, sagt die Expertin. Denn nicht nur Licht, auch Bewegung sei wichtig, um den Schlaf-Wach-Rhythmus zu regulieren. Zudem rät Becker zu gesunder Ernährung: Obst, Gemüse, gute Fette, Kohlenhydrate ... Wird Serotonin doch aus einer Aminosäure produziert, die wir über die Nahrung zuführen müssen.

Wie wäre es stattdessen einfach mit Schokolade? Die soll ja angeblich auch glücklich machen. „Ja, stimmt“, sagt Becker. Durch Schokolade lasse sich eine Serotoninausschüttung hervorrufen. „Allerdings braucht man dafür ziemlich viel Schokolade und das macht sich dann auf den Hüften bemerkbar“, sagt sie, lacht und empfiehlt Körperbewussten dann doch lieber, sich zu bewegen.

Aber wenn man das nicht will? Wären dann vielleicht Lampen eine Lösung? „Ja, es gibt spezielle Tageslichtlampen“, sagt die Psychologin. Nötig sei das jedoch nicht. Denn in unseren Breiten gebe es auch ohne Sonnenschein genug Tageslicht. Also: Nix wie raus! Zumal laut Becker besonders diejenigen vom winterlichen Trübsinn überrollt werden, die generell wenig im Freien aktiv sind.

Menschen hingegen, die bereits unter Depressionen leiden, fänden das Wetter gar nicht so schlimm. Schließlich passe es bestens zu ihrer Stimmung.