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Wetter: Die russische Kälte kommt

Wetter : Die russische Kälte kommt

Nach den beiden dunkelsten Monaten, die es in Rheinland-Pfalz seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1951 gab, wird es kommende Woche laut Meteorologen sonnig und eisig.

Über Trier hat die Sonne im Dezember gerade einmal 9,5 Stunden lang geschienen – das ist nicht einmal ein Viertel dessen, was normal wäre. Auch in Manderscheid (Eifel) oder Deuselbach (Hunsrück) ließ sie sich nicht viel öfter sehen: Dort schien sie je rund 13 Stunden. „Nur  mal zum Vergleich: An einem schönen Tag im Juni hat man 14 Sonnenstunden“, sagt der Meteorologe Dominik Jung. Auch der Januar war mit insgesamt 27 Stunden Sonne – das sind 62 Prozent des langjährigen Mittels – alles andere als freundlich. Betrachtet man die beiden Monate zusammen, dann blickt man laut DWD auf die dunkelste Winterzeit zurück, die es seit 1951 gab.

Deprimiert? Nix wie raus ans trübe Licht!

Der lange Lichtmangel schlägt vielen Menschen massiv auf die Stimmung. „Wir brauchen das Licht, um Serotonin zu produzieren“, erklärt die Trierer Diplom-Psychologin Lisa Becker. Serotonin, das oft als Glückshormon bezeichnet wird, ist ein Botenstoff, der Gefühle von Ruhe und Zufriedenheit fördert, während er negative Gefühle wie Angst, Kummer und Aggressivität fernhält.

Und von diesem Stoff dürften die meisten Menschen in der Region Trier in den vergangenen Wochen deutlich zu wenig abbekommen haben. War es doch nicht nur dunkel, sondern auch noch extrem nass: Im Dezember sind 156 Prozent des üblichen Niederschlags gefallen. Im Januar sogar fast 190 Prozent. Wer will da schon vor die Türe gehen und sich bewegen? Genau das wäre nämlich laut Becker das beste Mittel gegen die Müdigkeit und Niedergeschlagenheit, unter der viele leiden.

Die gute Nachricht ist: Nach einem nasskalten Wochenende soll die Sonne kommende Woche wieder öfter scheinen. Allerdings wird es auch knackig kalt. Dominik Jung kündigt gar eine „russische Kältepeitsche“ an, die winterlichste Wetterphase des bisherigen Winters. Mit kalter Luft aus dem Osten, mit Schnee und Dauerfrost nicht nur in Eifel und Hunsrück, sondern auch im Moseltal. Auf bis zu minus acht Grad soll das Thermometer in Trier ab Dienstag nachts fallen. „Das wird in der kommenden Woche für Mensch, Tier und Natur eine ganz schöne Umstellung“, sagt Jung. Waren die beiden bisherigen Wintermonate doch nicht nur ungewöhnlich dunkel und nass, sondern auch ungewöhnlich warm: Der Dezember lag in Trier 1,7 Grad über dem langjährigen Mittel, der Januar war sogar 4,3 Grad zu warm. Kein Wunder, dass die ersten zurückkehrenden Kraniche bereits wieder über der Region zu hören waren.

Während mancher Autofahrer sich nun – durchaus zurecht – sorgt, dass es Schnee und Glatteis geben könnte, freuen sich Landwirte und Winzer darüber, dass der Frost die Böden lockert und Schädlinge tötet.

Um Schneeglöckchen, Lenzrosen und voreilige Narzissen braucht man sich nach Auskunft von TV-Gartenexpertin Kathrin Hofmeister keine großen Sorgen zu machen. „Meistens halten die Zwiebelpflanzen das aus“, sagt sie. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann die Frühlingsboten mit Vlies oder Zweigen abdecken – muss allerdings aufpassen, sie nicht abzuknicken.

Wie lange die Kältephase anhält, ist ungewiss. „Gut möglich, dass daraus eine längere Episode wird“, sagt Jung. Er rät Autofahrern dazu, das Frostschutzmittel im Scheibenwischerwasser sowie die Autobatterie zu prüfen.  Beides könne sonst zum Problem werden.