Mysteriöser Leichenfund

TRIER/HAMBURG. Ein mysteriöser Fund von Leichenteilen in einem Naturschutzgebiet beschäftigt seit Monaten die Hamburger Polizei. So viel steht mittlerweile fest: Das vermutlich ermordete und anschließend zersägte Opfer, ein 30-jähriger Weißrusse, lebte eine Zeit lang in Trier.

Es war Kommissar Zufall, der die Hamburger Polizei Ende November vorigen Jahres auf die Spur eines mutmaßlichen Gewaltverbrechens brachte. Bei der Suche nach einer vermissten Frau stießen die Beamten im Naturschutzgebiet Boberger Dünen im Untergrund auf einen dunkelgrauen Müllbeutel. Aus dem Plastiksack schlug den Bereitschaftspolizisten beißender Verwesungsgeruch entgegen. Der Inhalt: ein menschlicher Oberschenkelknochen. Nicht der einzige makabere Fund: Bei der weiteren Suche, bei der auch Leichenspürhunde, ein Polizeihubschrauber und Taucher eingesetzt waren, fanden die Beamten weitere Mülltüten mit menschlichen Ober- und Unterschenkelknochen. Nach einer ersten Untersuchung im Hamburger Institut für Rechtsmedizin stand fest: Die Knochen stammen von einem jungen Mann und wurden offenbar mit einer Säge vom Torso abgetrennt. Weitere Leichenteile fand die Hamburger Polizei trotz intensiver Suche zwar nicht. Dafür gelang den Beamten mit Hilfe Göttinger Rechtsmediziner, die aus den Knochen den genetischen Fingerabdruck "extrahierten", unlängst die Identifizierung. Bei dem Opfer handelt es sich demnach um den gebürtigen Weißrussen Igor Pikulik, der vor sieben Jahren erstmals nach Deutschland kam und sich in Mainz unter dem falschen Namen Igor Frenkel registrieren ließ. Weil der 30-Jährige in den letzten Jahren mehrfach auf die schiefe Bahn geraten war, sind bei der Polizei nicht nur Pikuliks Fingerabdrücke und sein Foto gespeichert, sondern auch die DNA. Andernfalls hätten die bei Hamburg gefundenen Knochen vermutlich nie einer Person zugeordnet werden können. Nach seiner Ankunft in Deutschland lebte Igor Pikulik auch eine Zeit lang in Trier - in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber. Daran würde sich vermutlich niemand mehr erinnern, wäre der damals 24-Jährige Anfang 2000 nicht bei mehreren Kaufhausdiebstählen erwischt und später vom Amtsgericht Trier zu 900 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Im baden-württembergischen Rastatt fiel Pikulik der Polizei anschließend wegen eines Autoaufbruchs auf. In der Nähe von Hamburg wurde er vor zweieinhalb Jahren letztmals festgenommen, nachdem er in einem Supermarkt zwei Flaschen Rum gestohlen hatte. Danach verliert sich die Spur des Weißrussen. Vermutlich, sagen die Mord-Ermittler, hielt sich der 1,80 Meter große Pikulik in den letzten Jahren überwiegend in Hamburg und in Süddeutschland auf. So unklar wie Pikuliks letzter Aufenthaltsort oder ein Motiv für das Gewaltverbrechen, dem der 30-Jährige vermutlich zum Opfer fiel, ist auch der Todeszeitpunkt: Möglicherweise war Pikulik schon Monate tot, als die Leichenteile Ende November gefunden wurden. Hinweise an das LKA Hamburg unter Telefon 040/4286-56789. Belohnung: 1500 Euro.