Vor Anruf Mord

TRIER. Mit der Vernehmung weiterer Zeugen ist vor dem Landgericht der Mordprozess gegen einen 36 Jahre alten Mann aus Trier fortgesetzt worden. Der arbeitslose Schlosser soll im Dezember eine 59-Jährige vergewaltigt und ermordet haben. Spektakulär am gestrigen Verhandlungstag war die Verlesung des von dem Angeklagten nach der Tat abgesetzten Notrufs.

So etwas erlebt ein Polizist der Trierer Einsatzzentrale auch nicht alle Tage: In der Nacht zum 7. Dezember 2005 wurde einem der Dienst habenden Beamten um exakt 1.11 Uhr ein zunächst bei der Feuerwehr eingegangener Notruf weitergeleitet, in dem ein Mann ein kurz zuvor begangenes Gewaltverbrechen gesteht. "Ganz ruhig und emotionslos", erinnert sich gestern der als Zeuge geladene Beamte. Ob er dem Anrufer auf Anhieb geglaubt habe, will Vorsitzende Richterin Petra Schmitz von dem Beamten wissen. Dessen Antwort: "Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Wir bekommen ja auch häufig Scherzanrufe oder böswillige Alarmierungen." In diesem Fall aber war es kein Scherz, sondern bittere Realität. Als ein Einsatzfahrzeug der Polizei wenig später in der gemeldeten Wohnung in Trier-Nord erscheint, finden die Beamten auf dem Wohnzimmerboden die Leiche einer 59-jährigen Frau. Der mutmaßliche Täter, Nikolaus S., lässt sich widerstandslos festnehmen. Der TV dokumentiert im folgenden das im gestrigen Prozess verlesene Wortprotokoll des knapp zweiminütigen Telefongesprächs: Polizist: Was wollen Sie?Nikolaus S.: Ich wollte einen Mord melden. Polizist: Sie wollen einen Mord melden?Nikolaus S.: Ja, ich hab die Frau selbst umgebracht. Polizist: Sie haben die Frau selbst umgebracht, wo ist das denn bitte?Nikolaus S.: (nennt die Straße) Polizist: Und wie heißen Sie?Nikolaus S.: Nikolaus S. Polizist: Wo wohnen Sie denn?Nikolaus S.: (nennt die Straße) Polizist: Und wen haben Sie umgebracht?Nikolaus S.: Eine Frau. Polizist: Ja, hat denn die Frau einen Namen? Kennen Sie sie?Nikolaus S.: Ääh, das ist die Frau; einen Moment, ich habe den Ausweis hier, das ist die Frau (nennt den Nachnamen). Polizist: Können Sie das buchstabieren?Nikolaus S.: Ja. Polizist: Dann fangen Sie mal bitte an.Nikolaus S.: (buchstabiert den Nachnamen der Getöteten). Polizist: Und der Vorname?Nikolaus S.: Ääh, einen Moment, muss ich... (nennt den Vornamen). Polizist: Und wie haben Sie sie umgebracht?Nikolaus S.: Ich habe sie erwürgt. Polizist: Erwürgt?Nikolaus S.: Ja. Polizist: Und warum?Nikolaus S.: Am besten kommen Sie vorbei und dann... Polizist: ...sagen Sie mal noch warum...Nikolaus S.: Ich meine, ich weiß es doch selbst nicht mehr, warum. Ich wollte es nur melden. Polizist: Gut, und Sie bleiben in der Wohnung, oder von wo aus rufen Sie an?Nikolaus S.: Ich bin selbst in der Wohnung drin. Polizist: Sie sind selbst in der Wohnung drin?Nikolaus S.: Ja. Polizist: Gut, alles klar, wir kommen dann sofort vorbei.Nikolaus S.: Ja. Polizist: Und Sie sind selbst der Nikolaus S.?Nikolaus S.: Ja. Polizist: Wann sind Sie denn noch mal bitte geboren?Nikolaus S.: (nennt sein Geburtsdatum). Polizist: Alles klar, wir kommen vorbei, ja?Nikolaus S.: Okay, danke. Polizist: Gut, tschüss.Nikolaus S.: Tschüss. Der Prozess gegen den Mann wird am Mittwoch fortgesetzt.

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