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Wenn ein Surren verlockt und doch abschreckt

Wenn ein Surren verlockt und doch abschreckt

Bürgermeister liebäugeln mit Windrädern, Gegner verabscheuen sie. Doch gemeinsam stören sie sich an neuen Regeln. Einblicke in komplett verschiedene Welten.

Rhaunen/Irrel/Mainz Die Geschichte ist kaum zu glauben, weil sie ein Mann erzählt, der inzwischen als der bekannteste Windkraftgegner von Rheinland-Pfalz gilt. Und doch erzählt Uwe Anhäuser die Geschichte, wie er vor zehn Jahren mit Frau und Tochter vor einem Windrad stand, lauschte und dann begeistert sagte: "Das ist das Surren der Zukunft." Doch die Welt des 74-Jährigen hat sich gewandelt. Gewaltig. Als Vorsitzender des Bündnisses Energiewende für Mensch und Natur vernetzt sich der Hunsrücker mit Bürgerinitiativen, die gegen den Ausbau der Windenergie in ihrem Ort wettern. Er spricht davon, dass er als Terrorist beleidigt worden sei, es öffentliche Aufrufe gegeben habe, seine Fensterscheiben einzuwerfen. Und er ärgert sich, dass ihm Menschen hinterherrufen, er sei ja wohl für das Atomkraftwerk Cattenom, weil er gegen den Wind sei. "Ich habe keine Energiewende im Säckel, aber die Windräder tragen nicht dazu bei", sagt Anhäuser. Er findet, die ratternden Rotoren leisteten zu wenig, um wirklich von einer Energiewende zu sprechen. Dafür sagt er, die Anlagen zerstören die Landschaft, bedrohen den Rotmilan ("Gerade jetzt, wo ich das sage, fliegt einer über meinem Kopf") und seien eine echte Lärmbelästigung. "Die ganze Zeit das Schrapp-schrapp-schrapp - viele Menschen macht das verrückt." Der neue Landesentwicklungsplan, der die Abstände zu Wohnsiedlungen auf mindestens 1000 Meter hochsetzen und Tabuzonen in der Nähe von Naturparks schaffen will, reicht ihm nicht aus. Mindestens 2000 Meter erhofft sich der Hunsrücker bei 200 Meter hohen Rädern. Und ein Verbot, Wälder für Anlagen abzuholzen.
Anhäuser könnte nicht weiter von Moritz Petry entfernt sein, dem CDU-Bürgermeister der Verbandsgemeinde Südeifel. "Die Regeln werfen die Pläne, neue Anlagen zu bauen, komplett um, klagt er. "Wir haben lange geplant und sind nun die Deppen." 850 000 Euro habe die verschuldete Gemeinde für Planungen ausgegeben. Millioneneinbußen drohten, sollten die Windräder nicht kommen, fürchtet er. Ländliche Regionen sieht Petry darunter leiden. "Wenn wir irgendwann das erste Schwimmbad schließen müssen, weil kein Geld mehr da ist, kommt die Windkraftdebatte im echten Leben an. Aber vielleicht sind wir in der Eifel zu weit weg, um eine Stimme zu bekommen", sinniert er - und beklagt, dass "momentan alles auf Eis liegt, weil keiner weiß, was nun kommt". In der Bevölkerung sieht Petry einen hohen Rückhalt. Auch da unterscheidet er sich von Uwe Anhäuser. Was unterstreicht, welchen Spagat die Landespolitik zwischen Befürwortern und Gegnern schaffen muss. Der einstige Windkraft-Fürsprecher kritisiert, der Wind-Lobby gehe es nur ums Geld. "Wir haben schon so viele Räder im Land. Es ist einfach genug."Extra: FDP FINDET KRITIK DER WIND-LOBBY GUT


(flor) "Wir haben einen geordneten Ausbau der Windenergie versprochen - und geliefert." So kommentierte der Landesverband der FDP die Kritik der Wind-Lobby auf Facebook und nutzte deren Argumente gleich für sich. Die Ampel hatte schon im Koalitionsvertrag strengere Regeln vereinbart, als es zuvor bei Rot-Grün der Fall war. FDP-Landeschef Volker Wissing sprach sich im Wahlkampf dafür aus, bei der Windenergie nachsteuern zu wollen - es war einer der größten Unterschiede zu den Grünen. Zuständig für das Landesentwicklungsprogramm ist das SPD-geführte Innenministerium. Im Juni sollen die neuen Regeln endgültig in Kraft treten.