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250 verschiedene Biere: Triers erster Craftbier-Laden öffnet

250 verschiedene Biere: Triers erster Craftbier-Laden öffnet

Der Engländer Robert Russel eröffnet am Wochenende Triers ersten reinen Craftbeer-Laden. Im Laufe der nächsten Wochen muss er nicht nur verkaufen, sondern auch noch einiges selbst wegtrinken.



Vorne räumt Robert Russel Flasche für Flasche akkurat in die Regale, hinten wuseln seine Mutter Jessica und seine Schwester Viktoria, packen Kisten aus, sortieren Flaschen im Lager. Zwischendurch öffnet sich die Ladentür und eine Passantin fragt, ob sie reinkommen kann. "Wir öffnen erst am Samstag", vertröstet Russel die junge Frau - nicht die erste, die trotz der papierverhangenen Fenster neugierig geworden ist. Nur drei Wochen hatte der 31-jährige Engländer Zeit, um aus einem ehemaligen Teeladen in der Trierer Neustraße 63 einen Bierladen zu machen, das erste reine Craftbeer-Geschäft Triers. Craft-Biere sind handwerklich gebraute Biersorten, die mit ungewöhnlichen Geschmäckern, verschiedenen Hopfensorten und den unterschiedlichsten Aromen meist in kleineren Brauereien hergestellt werden. Im ingesamt schrumpfenden Biermarkt ist das ein wachsendes Segment. Es gibt es immer mehr kleinere Brauereien, so wie Petrisbräu und Kraft-Bräu in Trier, Zils in Naurath oder das Brauhaus in Mannebach.
Auch Robert Russel wollte sich ursprünglich als Gastronom selbstständig machen wollen - aber die umfangreichen Vorschriften in Deutschland und die schwierige Suche nach einem Lokal schreckten ihn ab. Nach Trier verschlagen hatte es ihn, weil seine Mutter, gebürtige Niederländerin, an die Mosel gezogen war.

Am liebsten eine Kneipe aufgemacht

Affinität zur Gastronomie hat Robert Russel, weil er acht Jahre lang in zwei Trierer Irish Pubs zunächst gejobbt, dann als Manager gearbeitet hat. Hinter der Theke lernte er nicht nur Deutsch, sondern auch eine Deutsche kennen und lieben: seine heutige Ehefrau Sarah, Studentin aus Osnabrück. Affinität zum Bier hat er, weil das für Engländer wohl per se gilt und er zudem in der Grafschaft Kent aufgewachen ist - wo es viele kleine Brauereien und große Hopfenanbaugebiete gibt. Statt einer Kneipe also Plan B, ein Bierladen. "The Hop Shop" hat er ihn getauft, das Hopfen-Geschäft. Rund 250 verschiedene Biere wird Russel ab Samstag anbieten, zunächst an vier Tagen pro Woche. Erst rund die Hälfte davon hat der 31-Jährige auch schon selbst probiert - es steht im also noch einiges an Bier-Arbeit bevor. Er kann aber zu jeder Sorte im Regal schon etwas erzählen, kennt die Brauereien und schwärmt von ihnen: "Das ist meistens Handarbeit. Da wird nicht mit Computern gebraut, da gibt es keine Chemie." In einer "drink-local"-Abteilung sind auch die Trierer Brauereien vertreten sowie eine Reihe kleinerer Brauereien aus dem Land. "Die Leute wissen oft gar nicht: Rheinland-Pfalz kann nicht nur Riesling, Rheinland-Pfalz kann auch Craftbeer."
Bier jenseits von ein paar Proben Ausschenken oder gar Verkostungen machen darf Russel in seinem Laden aber nicht - für die Ausschankgenehmigung fehlt die nötige zweite Toilette.
Ob man tatsächlich vom Flaschenbierverkauf leben kann, das kann auch Russel noch nicht abschätzen. Optimistisch ist er trotzdem: "No risk, no fun", sagt der Jungunternehmer und packt die nächsten Flaschen ins Regal.Extra

Das machen die anderen: Nicht nur der "Hop Shop" setzt auf den Craftbeer-Trend, auch in vielen Getränkeläden und in Supermärkten werden die Regale mit handwerklich gebrauten Biersorten immer größer. Einer, der gute Erfahrungen mit Craft-Beer in Trier gemacht hat, ist Sascha Haupenthal vom gleichnamigen Edeka-Markt in der Saarstraße. Als der Markt Anfang des Jahres komplett renoviert wurde, nutzte der 29-Jährige Mitgeschäftsführer die Chance, einen größeren Bereich für Craftbeer zu schaffen. Beraten ließ er sich von seinem Freund Sebastian Ngyuen, Biersommelier von Kraft Bräu/Blesius Garten. Mit 50 Sorten auf der Verkaufsfläche ging es los. "Wir haben nach wenigen Wochen gemerkt, dass wir das ausweiten müssen", erzählt Haupenthal. Er ist zum Experten geworden, schwärmt von den Aromen, kennt sich aus mit den Hopfenarten. Mittlerweile hat er 80 Biere in den Regalen, probiert immer wieder Neues aus. Längst seien unter den Kunden nicht mehr nur "Bier-Nerds", sondern auch "normale" Biertrinker, erzählt Haupenthal. An die Umsätze, die er mit den großen Marken wie Bitburger macht, kommt er mit Craftbeer zwar nach wie vor nicht ansatzweise heran, dennoch hält er die Entscheidung, auf Craftbeer zu setzen, für richtig. Die "Nerds" gibt es unter den Kunden auch noch - die bestellen beispielsweise gerade das Magnus 16 vom Brauhaus Riegele bei ihm, ein im Holzfass gereiftes Edelbier. Preis: 49 Euro. Für 0,7 Liter. Gewinnspiel

 The Hop Shop - so heißt der kleine Bierladen in der Trierer Neustraße, der künftig 250 verschiedene Biere im Angebot hat, darunter auch viele aus der Region.
The Hop Shop - so heißt der kleine Bierladen in der Trierer Neustraße, der künftig 250 verschiedene Biere im Angebot hat, darunter auch viele aus der Region. Foto: Michael Schmitz
 Robert Russel hat längst noch nicht alle Sorten aus seinem Shop probiert - das ist die Aufgabe für die nächsten Wochen.
Robert Russel hat längst noch nicht alle Sorten aus seinem Shop probiert - das ist die Aufgabe für die nächsten Wochen. Foto: Michael Schmitz
 Craftbeer liegt im Trend. Auch in Getränkeläden und Supermärkten werden die Regalflächen immer größer. Gute Erfahrungen mit den handwerklich gebrauten Bieren hat auch Sascha Haupthal aus dem Edeka in der Trierer Saarstraße gemacht. Von zunächst 50 Bieren hat er im Laufe des Jahres auf 80 verschiedene ausgeweitet.
Craftbeer liegt im Trend. Auch in Getränkeläden und Supermärkten werden die Regalflächen immer größer. Gute Erfahrungen mit den handwerklich gebrauten Bieren hat auch Sascha Haupthal aus dem Edeka in der Trierer Saarstraße gemacht. Von zunächst 50 Bieren hat er im Laufe des Jahres auf 80 verschiedene ausgeweitet. Foto: Friedemann Vetter


Rechtzeitig zum Advent verlost der TV einen Craftbeer-Adventskalender aus "The Hop Shop", bestehend aus 24 Flaschen. So machen Sie mit: Rufen Sie bis Sonntag an unter 0137822666-7 und geben Sie als Lösungswort "Craft" an. (Ein Anruf aus dem dt. Festnetz kostet 50 Cent, abweichende Preise aus dem Mobilfunk möglich) Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der Gewinner wird benachrichtigt.