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ECE wechselt Manager aus - Bau-Riese will weiterhin in Trier Einkaufscenter ansiedeln

ECE wechselt Manager aus - Bau-Riese will weiterhin in Trier Einkaufscenter ansiedeln

Die ECE, Deutschlands größter Einkaufscenter-Entwickler, hat sich von seinem Projektleiter für die Stadt Trier getrennt. Das Interesse, ein oder sogar zwei große Shoppingcenter in Trier zu realisieren, sei allerdings nach wie vor groß, erklärt das Unternehmen. Bei der Stadt hinken die Planungen derweil dem Zeitplan hinterher.

Kahler Schädel, schwarze Hornbrille, eloquent und immer elegant gekleidet: Gerd Wilhelmus war das Gesicht der ECE in Trier. Als Manager des Einkaufscenter-Projektentwicklers versuchte er seit etwa Anfang 2012, Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen, den städtischen Einzelhandel und die Kommunalpolitiker davon zu überzeugen, dass Trier mindestens ein, wenn nicht sogar zwei weitere Einkaufscenter brauche - gebaut und betrieben von der ECE.

Auch bei Presseterminen warb Wilhelmus für seine Idee. Der großen Skepsis der Öffentlichkeit stellte er sich bei einer Podiumsdiskussion des Trierischen Volksfreunds im Juni 2013.

Wilhelmus wirkte aber auch im Hintergrund: Nach TV-Informationen soll er seinem Unternehmen bereits Grundstücke im Bereich der Europahalle gesichert haben - dem Areal, auf dem die ECE am liebsten einen neuen Shoppingtempel errichten würde.

Nun haben sich Gerd Wilhelmus und die ECE, bei der er 20 Jahre lang beschäftigt war, getrennt. Über die Gründe dafür will Unternehmenssprecherin Yvonne Paßgang sich nicht äußern. Offiziell endet Wilhelmus Arbeitsvertrag Ende des Jahres. "Aber es stimmt, er ist schon jetzt nicht mehr für uns tätig", bestätigt Paßgang.

Lieber will Paßgang über Wilhelmus Nachfolger sprechen: "Arne Nachtingahl hat schon lange an diesem Projekt mitgearbeitet und war mehrfach zusammen mit Herrn Wilhelmus zu Gesprächen in Trier." Das Interesse der ECE an Trier sei unabhängig von der Personalie weiterhin groß, betont die ECE-Sprecherin.

Das Branchen-Magazin Immobilienzeitung berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, die ECE würde mittlerweile "gefühlt mehr Projekte abblasen als realisieren". Bochum, Minden, Homburg, Leer, Velbert, Siegburg seien Städte, für die die ECE ihre ursprünglichen Centerpläne mittlerweile ad acta gelegt habe. "Stimmt, aber aus jeweils ganz unterschiedlichen Sachgründen und nicht, weil wir unsere Unternehmensstrategie geändert haben", hält Paßgang dagegen.

"In Leer hat der Stadtrat sich gegen die ECE als Projektentwickler entschieden, in einer anderen Kommune hat uns ein Mitbewerber überholt, und in Bremen und Bochum haben wir - nachdem die Ausschreibungsunterlagen raus waren - nicht mehr an die Wirtschaftlichkeit der geplanten Center geglaubt", sagt sie.

Richtig sei, dass die Ansprüche der Städte hinsichtlich ihrer Entwicklung in den vergangenen Jahren gestiegen seien. "Manchmal sind die Wünsche der Kommunen, die sie in Vorgaben an uns umwandeln, so groß, dass Projekte nicht mehr wirtschaftliche umzusetzen sind."

Auch in Trier können sich Politik und Stadtvorstand vorstellen, dass der potenzielle Zuschlag für den Bau eines Shoppingcenters an weitere städtebauliche Maßnahmen gekoppelt wird. Etwa an den Bau einer Veranstaltungshalle oder an die Mitfinanzierung anderer Infrastruktur, die die Stadt sich alleine nicht leisten kann.

Ob und wie Verwaltung und Politik sich die weitere Entwicklung der Trierer Innenstadt vorstellen, sollten zwei neue Arbeitsgruppe klären, die im Oktober 2013 unter der Leitung von Oberbürgermeister Klaus Jensen ihre Arbeit aufnehmen sollten.

Bislang ist aber nur die Lenkungsgruppe Seni (Strategisches Entwicklungs- und Nutzungskonzept Innenstadt Trier 2025+) gegründet. Diese habe seit Oktober "mehrfach getagt und verschiedene Vorarbeiten geleistet", teilt das Presseamt mit. Unter anderem sei "der Prozessablauf abgestimmt, thematische Schwerpunkte definiert, die Beteiligung von Institutionen und Bürgern diskutiert und die räumliche Abgrenzung der Innenstadt vorgenommen worden".

Die Gründung der eigentlichen Arbeitsgruppen ist auf Oktober 2014 verschoben worden.

Hintergrund

Die Europahalle ist neben Arena und Messeparkhalle die dritte Veranstaltungshalle in städtischem Besitz. Der Betrieb der Europahalle ist über den Zwischenpächter Trierer Bürgerverein - eine GmbH - an das angrenzende Penta-Hotel vergeben. Der Trierer Bürgerverein hat seinen Pachtvertrag mit der Stadt allerdings zum 31. Dezember 2017 gekündigt. Wie die Halle über dieses Datum hinaus betrieben wird, ist offen. Denkbar sind mehrere Möglichkeiten: Die Stadt könnte mit ihrer Tochtergesellschaft Castel GmbH, die Arena und Messeparkhalle betreibt, selbst die Vermarktung und Veranstaltungsorganisation übernehmen. Oder das Penta-Hotel bleibt Betreiber und mietet die Halle von der Stadt an. Fest steht, dass das gesamte Areal städtebaulich neu überplant werden soll, insbesondere hinsichtlich der Frage, ob an dieser Stelle ein neues Einkaufscenter entstehen könnte.
Zweiter potenzieller Standort für ein neues Center könnte die Fläche von Kaufhof und Karstadt von der Simeonstraße bis zur Trevirispassage sein. woc