Europa im Klassenzimmer

Gastschüler aus dem italienischen Rimini, dem türkischen Konya und Schüler der Kurfürst-Balduin-Realschule plus in Trier-West haben sich gemeinsam Gedanken über die ideale Schule gemacht. Unterstützt wurden sie dabei von Profis, Architektur-Masterstudenten der Hochschule Trier. Das Ergebnis: ideenreiche Modelle und gelebtes Europa.



Trier. Naja (15) war verblüfft. "Ich hätte nicht gedacht, dass die Austauschschüler so offen sind und wir über die gleichen Dinge lachen", sagt die Schülerin der Kurfürst-Balduin-Realschule plus.
Jeweils sechs Schüler aus Italien und der Türkei waren im Rahmen des Austauschprogramms Comenius eine Woche zu Gast an der Mosel. Das Eis zwischen den Elf- bis 15-Jährigen war schnell gebrochen.
Dazu trug neben der Unterbringung in den Gastfamilien auch das gemeinsame Tüfteln am Thema "Fit for future - designing our ideal school" bei. Auf Deutsch: Sich fit machen für die Zukunft - und an einer idealen Schule arbeiten.
Insgesamt 21 Schüler grübelten nach, wie Schule sich verändern und verbessern könnte. Die gesammelten Ideen flossen in Modelle ein.
Dabei erhielten die jungen Modellbauer professionelle Unterstützung von fünf Architektur-Masterstudenten der Hochschule Trier.
Nach arbeitsintensiven zweieinhalb Tagen präsentierten die Schüler, meist in der Projektsprache Englisch, ihre Vorstellungen von traumhaften Klassenzimmern, fantastischen Pausenhöfen und originellen Schulmöbeln.
Dabei gab es viele Geistesblitze: Silvana hatte einen Garten im asiatischen Stil entworfen, der Ruhe und Entspannung im Schulalltag ausstrahlen soll.
Sportfans unter den Schülern hatten einen Fußballplatz kreiert oder Möglichkeiten entworfen, Skateboard zu fahren. Bunte Klassenräume mit Entspannungsecken waren in Miniatur zu sehen sowie durchdachte Schulhöfe samt Trampolin und Gewächshaus, eine Schule, in der Rutschen teilweise Treppen ersetzen.
"Wir werden eine Idee aufgreifen und umsetzen", sagte Dagmar Heinze, pädagogische Fachkraft der Kurfürst Balduin-Realschule plus und Hauptorganisatorin des Austauschs.
Lehrerin Giovanna Frisoni aus Italien und ihre Kollegin aus der Türkei, Münire Kazanci, lobten die gute Zusammenarbeit der Schüler.
Sonja Heinen, wissenschaftlichen Mitarbeiterin der Hochschule, war von den Schülerideen und dem Arbeitseifer während der Modellarbeit begeistert.
Bis zum Gegenbesuch im September in der Türkei werden die Schüler manche SMS über Ländergrenzen hinaus hin- und hergeschickt haben - und Europa wird wieder ein kleines Stück näher zusammengerückt sein.
"Es wird viel über Europa geredet, in unserer Schule wird Europa gelebt", sagt Lehrer Siegfried Garbe.