1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Genossenschafter durch und durch

Genossenschafter durch und durch

Vom Landwirt zum Bankkaufmann zum Bankvorstand - so lässt sich das Berufsleben von Werner Dellwing zusammenfassen. Nach 45 Jahren, die meisten davon in leitender Funktion und zuletzt bei der Volksbank Trier, geht er nun in Ruhestand.

Trier. "Bei einer Bank arbeiten? Niemals!" Der Bekannte, der Anfang der 1970er Jahre auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Dellwing in Hermeskeil seine Milch abholte, versuchte Klein-Werner, nach dem Tod seines Vaters, umzustimmen. Eine Bankausbildung sei doch viel zukunftssicherer als Landwirt zu bleiben. Aber Werner Dellwing wollte alles, nur nicht zur Bank.
"Irgendwann habe ich mich doch umstimmen lassen. Es war entgegen anfänglicher Skepsis der Beruf, der mir auf den Leib geschneidert war, mein Traumberuf", sagt der heute 63-Jährige. Nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung machte er 1971 eine Umschulung zum Bankkaufmann - eine Entscheidung, die dafür sorgte, dass Dellwing über 30 Jahre lang verschiedene Vorstandspositionen bei regionalen Genossenschaftsbanken innehatte. Morgen, Donnerstag, hat der gebürtige Hermeskeiler nach 45 Jahren als Bankkaufmann seinen letzten Arbeitstag; einen Tag später verabschiedet er sich von Kollegen und Kunden.
Tradition mit Zukunft


Dellwing steht voll und ganz hinter dem genossenschaftlichen Modell: "Genossenschaften stehen für nachhaltige Wirtschaftsweise, sie schaffen bleibende Werte. Nicht das Kapital zählt, sondern der Mensch. Jedes Mitglied hat unabhängig vom Kapital eine Stimme. Genossenschaftsbanken stehen für Tradition und Zukunft." Und so war eines seiner letzten Projekte auch noch einmal ein "Zurück-zu-Wurzeln": der genossenschaftlich organisierte Dorfladen in Mandern: "Was einer nicht schafft, das schaffen viele. So funktioniert Genossenschaft", sagt Dellwing auch über dieses Projekt.
1971 startete er bei der Raiffeisenbank Hochwald in Reinsfeld, drei Jahre später wechselte er zur Raiffeisenbank Trier, wo er die Vermögensberatung leitete. 1978 folgte der Wechsel zur Raiffeisenbank Konz-Oberemmel, zunächst als Leiter Kreditgeschäft und Vertrieb, ab 1981 als Vorstand. 20 Jahre war er dann in der Bankführung, in dieser Zeit verzehnfachte sich das Kundenvolumen. 2001 fusionierte die Konzer Bank mit der Volksbank Trier, Dellwing wurde Prokurist und Bereichsleiter. Im zarten Alter von 53 Jahren stellte er sich 2007 einer neuen Herausforderung: Er wurde Vorstand der Volksbank Saarburg - gemeinsam mit Alfons Jochem. Nur zwei Jahre später stand die Fusion mit der Volksbank Hochwald zur Volksbank Hochwald-Saarburg an, deren Vorstand Dellwing weiter war. Und im Vorjahr folgte der große Zusammenschluss mit der Volksbank Trier, wo er weiter ein Vorstandsamt begleitete. Dieses legte er Ende September 2015 nieder.
"Eigeninteressen haben bei mir hinten angestanden, damit die Bank zukunftsorientiert in einem Zweiervorstand geleitet werden kann. Alfons Jochem und Norbert Friedrich haben diese Positionen übernommen", sagt Dellwing. Und was nimmt er aus 45 Jahren Genossenschaftsbank mit in den Ruhestand? "Natürlich gab es Entscheidungen und Situationen, die mich nachts nicht immer ruhig schlafen ließen, aber daraus lernt man. Grundsätzlich habe ich Bankethik gelebt und geachtet und nicht auf Teufel komm` raus Geschäfte gemacht. Daher bin ich stolz darauf, so lange für die Genossenschaftsbank aktiv gewesen zu sein."
Närrische Ader


Aber nicht nur in seinem Job war und ist Werner Dellwing präsent. 2004 war er Karnevalsprinz Werner I. von Oberemmel und wurde standesgemäß mit einem Adenauer-Mercedes zu seinen Terminen chauffiert. Daneben ist er Präsident des Wassersportclubs Saarburg - und wird nun mehr Zeit für sein Boot haben. Dem Karneval ist Dellwing als Ehrenratspräsident der Trierer KG Onner Ons weiter treu geblieben, zudem ist er Beiratsmitglied von Nestwärme. "Ich glaube nicht, dass mir in Zukunft langweilig wird, speziell, weil die vier Enkel jetzt auch ihre Zeit mit dem Opa fordern werden. Ich werde aber auch der genossenschaftlichen Familie in unserer Region eng verbunden bleiben."