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Haus des Sports in Schweich: Kostenexplosion bringt Räte auf die Palme - Gardinenpredigt für Techniker

Haus des Sports in Schweich: Kostenexplosion bringt Räte auf die Palme - Gardinenpredigt für Techniker

Da hat es hinter geschlossenen Türen mächtig gerauscht: Mehr als eine Stunde nahm der Schweicher Stadtrat Planer in die Mangel, weil Angebote für drei Gewerke beim Haus des Sports aus dem Ruder gelaufen sind. Jetzt wird neu ausgeschrieben.

Schweich. Eigentlich sollte am Donnerstagabend im Schweicher Stadtrat die Vergabe der Haustechnik für das derzeit im Rohbau befindliche "Haus des Sports" (siehe Extra) unter Punkt 6 der öffentlichen Sitzung über die Bühne gehen. Doch der Architekt und Vertreter eines Ingenieurbüros, die dem Rat die Ergebnisse der Ausschreibung für die Gewerke Sanitär, Lüftung, Elektro und Heizung präsentieren sollten, wurden schon während des nichtöffentlichen Teils in den Sitzungssaal gerufen.
Aus den zehn Minuten, die das Gremium laut Bekanntgabe im Amtsblatt unter Ausschluss der Öffentlichkeit ursprünglich tagen wollte, wurden schließlich mehr als 70 Minuten. Es waren wohl äußerst unangenehme 70 Minuten für die Herren Planer.
Denn die Räte waren sehr ungehalten, insbesondere wegen der aus ihrer Sicht zu günstigen Kostenschätzung des Ingenieurbüros. Die Berechnungen bilden die Grundlage für den Ansatz im städtischen Haushalt. Die geschätzten Preise lagen teilweise um 50 Prozent unter dem, was Handwerksfirmen nachher tatsächlich geboten haben. Alles sei gewaltig aus dem Ruder gelaufen, echauffierte sich ein Ratsmitglied.
Dem Vernehmen nach wurde nur der Elektro-Auftrag vergeben, weil hier die Kostenüberschreitung einigermaßen im Rahmen lag. Bei der Heizung soll der günstigste Anbieter jedoch erheblich teurer gewesen sein als angenommen, ebenso bei den Gewerken Sanitär und Lüftung. Die Vergabe dieser drei Gewerke sei aufgehoben worden, verkündete Stadtbürgermeister Lars Rieger zu Beginn des öffentlichen Sitzungsteils. Laut Gemeindeordnung ist der Vorsitzende nur verpflichtet, im öffentlichen Teil das Ergebnis von Beschlüssen der nichtöffentlichen Sitzung mitzuteilen. Ins Detail gehen muss er nicht, weil sonst Persönlichkeitsrechte verletzt werden könnten.
Nach der Vergabeordnung gibt es drei Möglichkeiten, eine Ausschreibung aufzuheben: Wenn kein Angebot eingegangen ist, das den Ausschreibungsbedingungen entspricht, wenn die Vergabegrundlagen geändert werden müssen oder wenn es andere schwerwiegende Gründe gibt. Ein schwerwiegender Grund - und das ist in Schweich eingetreten - ist, wenn das Angebot stark von der Kostenschätzung abweicht. Es war wohl so, dass die wenigen abgegebenen Angebote nicht nur überteuert waren (wohlgemerkt aus Sicht des Stadtrats), sondern teilweise auch Bögen fehlerhaft ausgefüllt waren. Dadurch sind sie automatisch ungültig.
Nun kommt es also zur Neuausschreibung der drei Gewerke, was eine Verzögerung von mehreren Wochen mit sich bringt. Vergeben kann der Stadtrat frühestens in seiner nächsten Sitzung, also voraussichtlich in vier Wochen. Eine Verzögerung am Bauwerk wird das wohl nicht bedeuten, denn bei der momentanen Wetterlage wird ohnehin nicht oder nur wenig gearbeitet. Das Haus des Sports soll im Sommer fertig werden.
Nun könnte man angesichts der Vorfälle in Schweich mutmaßen, dass viele Handwerksbetriebe auf Grund der guten Konjunktur Arbeit genug haben, nicht auf Aufträge angewiesen sind und deshalb womöglich teure Angebote abgeben - nach dem Motto: Eigentlich brauche ich den Auftrag nicht, aber wenn ich ihn bekomme, dann lohnt es sich wenigstens. So ein Verhalten ist nach Ansicht von Matthias Schwalbach, Geschäftsführer der Handwerkskammer Trier, die Ausnahme. "Kommunen sind langfristige und sichere Auftraggeber, mit ihnen wollen es sich die Firmen nicht verscherzen. Deshalb bieten sie auch zu einem vernünftigen Preisleistungsverhältnis an."
Laut Schwalbach kann es im Einzelfall sein, dass Betriebe die Anforderungen von Ausschreibungen nicht erfüllen können oder Fristen für Ausschreibungen zu knapp sind. Ein Problem hätten allerdings viele Firmen nach wie vor: Sie suchten händeringend nach Fachkräften. Schwalbach: "Wir könnten in der Region Trier sofort 1500 Stellen besetzen, wenn wir die Leute hätten."Extra

Das Bauwerk mit Umkleide-, Sanitär- und Aufenthaltsbereich entsteht derzeit neben der Sportanlage am Stefan-Andres-Schulzentrum. Die Nutzfläche beträgt rund 350 Quadratmeter, es misst 28 Meter in der Länge und 13 Meter in der Breite. Die geschätzten Baukosten liegen bei rund 816 000 Euro, wobei Eigenleistungen von brutto 84 000 Euro geplant sind. Alle städtischen Sportvereine sollen von dem Gebäude profitieren. Über eigene Räume in dem Gebäude verfügen der TuS Issel und der Lauftreff Schweich, der Leichtathletikabteilung der Mosella werden Lagerkapazitäten zur Verfügung gestellt. alf