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Herzlich willkommen in Trier!

Herzlich willkommen in Trier!

Bei seiner letzten Einbürgerungszeremonie hat Klaus Jensen 67 Menschen begrüßt, die beispielsweise aus Afghanistan, Togo, dem Libanon oder Kuba kommen - oder aus Trier.

Trier. Obwohl die Einbürgerung von Menschen, die Teil unseres Gemeinwesens werden wollen, doch zu seinen schönsten Aufgaben gehöre, sei er heute auch ein wenig traurig, sagt Klaus Jensen im Rathaussaal. In dessen Bankreihen warten junge und ältere Menschen, Einzelne und Familien darauf, eine blassgrüne Urkunde und damit die deutsche Staatsbürgerschaft entgegenzunehmen.
Aber Jensen scheidet bald aus dem Amt, und so wird er gleich die letzte der rund 1700 Einbürgerungen seiner Dienstzeit vornehmen. Bei seiner ersten entsprechenden Zeremonie vor acht Jahren habe er noch "sehr konzentriert und langsam gesprochen, damit mich die Person auch versteht". Sein Gegenüber habe dafür in breitestem Trierisch geantwortet. Auch heute gibt es einige Anwesende, natürlich vor allem Kinder, die hier geboren wurden und nie woanders gelebt und die trotzdem noch keinen deutschen Pass haben. Aber auch die Mehrheit, die tatsächlich aus anderen Ländern kommt, sei mehr oder weniger stark integriert, stellt Jensen fest: "Sie sind in unserer Stadt zu Hause, arbeiten hier, haben gute Kontakte zu ihren Nachbarn."
Er fordert die, bei denen das alles noch nicht so sei, auf, sich offensiv einzubringen: Es sei "auch Verantwortung derer, die kommen, auf die, die hier schon leben, zuzugehen" - eine entsprechend positive Bereitschaft sei bei der "überwältigenden Mehrheit" der Einheimischen vorhanden.
Nach dem gemeinsam gesprochenen Schwur, das Grundgesetz und die Gesetzte der Republik zu achten und "alles zu unterlassen, was ihr schaden könnte", erhalten 67 Menschen dann das oft langersehnte Papier. Das allerletzte aus Jensens Hand geht schließlich an Kwanchanok Welter, die fast schon so lange in Deutschland ist, wie sie einst in Thailand gelebt hat.
Kwanchanok Welter: "Meine Mutter hat einen Deutschen geheiratet und wir sind dann mit ihm hierher gekommen, da war ich 16. Jetzt bin ich 31, ich lebe also schon die Hälfte meines Lebens in Deutschland. Ich bin auch mit einem Deutschen verheiratet, mit dem ich zwei Kinder habe, die darum die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Ich hätte den Antrag schon früher stellen können, aber ich habe es einfach nicht gemacht. Jetzt wird vieles einfacher: Behördengänge zum Beispiel, oder das Reisen: Als Thailänderin mit Aufenthaltsgenehmigung konnte ich mich zwar im Schengenraum bewegen, aber für England brauchte ich extra ein Visum. Weil ich hier in die Schule gegangen bin, musste ich auch keinen Einbürgerungstest oder so etwas machen."
Fesal Adohoun: "Ich habe schon 2006 angefangen, die deutsche Staatsangehörigkeit zu beantragen. Dass das so lange gedauert hat, war aber eher meine Schuld. Ich bin 1999 ganz alleine nach Deutschland gekommen, als 17-Jähriger. Ich wurde von der Diktatur in Togo verfolgt, nachdem ich an der Universität politisch aktiv war. Zum Glück haben mir Deutsche bei der Ausreise geholfen. Mein Asylantrag wurde aber zuerst abgelehnt. Als ich 2003 aber eine Tochter mit einer Deutschen bekommen habe, durfte ich doch bleiben. Ich habe dann erst bei einer Fastfood-Kette gearbeitet und mir immer Geld auf Seite gelegt. Davon habe ich mir dann den Führerschein finanziert und jetzt fahre ich Lastwagen für eine Türenfabrik!"
Balasingam Kunalan: "Als Neunjähriger musste ich den Krieg in meiner Heimat Sri Lanka erleben: Mein Schwager wurde getötet, mein Vater verletzt, alles habe ich mit angesehen. Ich wollte nur noch weg. Jahre später habe ich mich dann auf die Reise gemacht, die war lang und beschwerlich: Ich war viel zu Fuß unterwegs oder mit dem Zug. Für ein Flugticket hatte ich kein Geld, ich komme aus einer armen Familie. Ich war erst lange in Russland, 2001 bin ich dann in Deutschland angekommen und habe Asyl beantragt. 2009 bekam ich die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Meine Frau habe ich in Indien geheiratet, sie ist 2013 nach Deutschland gekommen. Hier kann meine Familie sicher leben, man kann seine Meinung sagen. Deutschland ist gut."
Berisha Valjbone: "Wir sind 1991 vor dem Bürgerkrieg aus Jugoslawien hier nach Trier geflüchtet, da war ich acht Jahre alt. Jugoslawien ist ja danach in lauter einzelne Länder zerfallen. Und so wurden wir staatenlos. Ich bin froh, dass das jetzt endlich vorbei ist. Wenn ich die anderen Leute hier mit ihren Kindern und ihren Urkunden sehe, werde ich etwas traurig: Meine beiden sind sechs und vier Jahre alt und sind trotz Antrag nicht eingebürgert worden, obwohl sie ja hier geboren sind! Weil der Vater einen kosovarischen Pass hat, sollen die Kinder erst in den Kosovo fliegen und sich dort anmelden, dann könnten sie den deutschen Pass bekommen. Irgendwie komisch, gell? Ich versteh\' das auch nicht!"
Kheder Usso (Foto ganz oben): "Wir sind seit 1984 hier, seit wir als Asylbewerber aus Syrien gekommen sind. Wir freuen uns sehr, dass wir endlich die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen durften. Vorher mussten wir Eltern Sprachkurse und auch den Einbürgerungstest machen. Jetzt haben wir die gleichen Rechte wie die Einheimischen, das freut mich besonders für meine Kinder: Obwohl zwei von ihnen hier geboren sind, mussten wir Asyl für sie beantragen und haben danach immer nur Aufenthaltserlaubnisse bekommen." fgg