Omas Geheimnis

Neulich hatte ich einen jungen Gast. Er wünschte sich zum Essen Dampfnudeln. Hmmm, wie lecker! Nur leider weiß ich nicht, wie man die "macht". Meine Oma wusste es. Es blieb ihr Geheimnis. Da sie alles "ausderlamäng", also per Hand auf ihrem Holztisch zubereitete, bin ich vor vielen Jahren mit ihrem Dampfnudel-Rezept kläglich gescheitert.

Ich weiß noch, dass sie mir am Telefon verriet, dass man Mehl, Milch, Zucker, Hefe, Vanille braucht. Nur wie viel von allem? So viel, wie man braucht. Oma Mina hat das immer geschätzt, ihre Uhr war ihr Auge und die Koch-Technik: Das sieht man doch, wenn die gar sind! Ich habe es nicht gesehen und "ausderlamäng" abschätzen können. Meine Dampfnudeln waren ein klebriger Brei, der im Topf zu Pampnudeln wurde. Ich habe es nie mehr probiert, Dampfnudeln zu "machen". Mein kleiner Gast hat auch gleich den Essensvorschlag zurückgezogen, denn er meinte, Dampfnudeln, das dauert ja zu lange, so 20 Minuten. 20 Minuten? Das konnten nicht Omas leckere, süße Klöße sein. Wie denn diese Dampfnudeln gekocht würden, wollte ich wissen. Die gebe es doch im Supermarkt, meinte der Kleine. Ha! Aber bestimmt nicht nach Oma Minas Art! Leider gilt das auch für köstliche Kartoffelklöße, knusprige Koteletts und schwarzen (!) Birnenkompott-Kuchen. Deren Geschmack bleibt jetzt ein Geheimnis. Ich hoffe, es gibt noch viele Omas, die ihre Enkel so verzaubern. Ich kenne sogar welche. Allen Großeltern mit Geheimrezepten wünsche ich so ausderlamäng: Guten Morgen!