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Paradies zwischen Mosel und rotem Sandstein

Paradies zwischen Mosel und rotem Sandstein

Der Garten ist vielleicht ihr bestes Studienobjekt. Für Roland Eckert, der seit 1973 an der Trierer Uni Soziologie lehrt, und seine Frau, die Keramikerin Elke Gerber-Eckert, bedeutet ihr Refugium in der Bonner Straße "Besiedlung mit Gefühlen".

Trier. Roland Eckert hat eine These: Was uns fasziniert, ist der Übergang vom Garten zur Wildnis. In der Praxis hat der emeritierte Soziologie-Professor das ästhetische Konzept mit seinem eigenen Garten in Pallien zwischen den roten Felswänden und dem Moselufer umgesetzt.
Gärten in der Region


Staunend stehen Besucher vor dem canyonartigen Massiv im hinteren Teil des Gartens. Eine 15 Meter hohe Atlaszeder hat ihre blaugraue Kronenarchitektur in 30 Jahren vor der von Flechten bewachsenen Kulisse aufgetürmt. Daneben versucht die Tränenkiefer den Betrachter anzurühren. An den frischen Zapfen des Gehölzes kann man die "Tränen" in Form von glänzenden Harztropfen glitzern sehen. Die langen Nadeln schimmern seidig.
Punkt Viertel nach fünf wird die Sonne hinter den Klippen von Pallien verschwinden. Jetzt aber heizt sie das mediterrane Mikroklima auf. Es ist der Grund für das prächtige Gedeihen frostempfindlicher Arten wie Lorbeer und Kamelie. Hinter der würzigen Strauchflora, wie man sie aus Südfrankreich kennt, reckt sich eine Arizona-Zypresse. "Die wird ja meistens als Heckenpflanze verwendet", sagt der baumkundige Eckert. Dafür fände er das silberblaue Solitärgehölz vor der rostroten Wand zu schade. Die Zypresse soll ihre Persönlichkeit leben, ebenso der Mammutbaum.
Im Fachjargon würde man von einer "sublimen", also erhabenen Landschaft sprechen. Im Gärtnerklartext heißt das, immer wieder Plätze von der Wildnis zurückzuerobern. Gerade sind der gebürtige Oberbayer und seine Frau aus dem Kreta-Urlaub zurückgekehrt. "Die ganzen Gästepflanzen", sagt Elke Gerber-Eckert - und meint damit die internationale Wuchsgemeinschaft von Azaleen und Moorbeetpflanzen aus dem asiatischen Kulturraum bis zur Marokkanischen Minze - diese heimisch gewordenen Mitbewohner, "die mein Mann eingeladen hat, waren außer Rand und Band". Genauso liebte es Eckert schon als kleiner Junge. "Damals habe ich mir Rosengärtchen am Bach gebaut", erinnert sich der Konfliktforscher. "Hier musste erst mal Wildnis produziert werden."
Gelände per Anzeige entdeckt

 Vor 30 Jahren pflanzte Roland Eckert die Zypressen, Mammutbäume und andere südländische Pflanzen in seinem Garten am Rande der Sandsteinfelsen in Pallien. Heute freut er sich mit seiner Frau Elke Gerber-Eckert über deren Pracht – und den traumhaften Blick von der Dachterrasse über die Mosel (Bild links). TV-Fotos: Kathrin Hofmeister
Vor 30 Jahren pflanzte Roland Eckert die Zypressen, Mammutbäume und andere südländische Pflanzen in seinem Garten am Rande der Sandsteinfelsen in Pallien. Heute freut er sich mit seiner Frau Elke Gerber-Eckert über deren Pracht – und den traumhaften Blick von der Dachterrasse über die Mosel (Bild links). TV-Fotos: Kathrin Hofmeister


Die vielen lauschigen Sitzplätze im Trierer Garten zeugen von der weiteren Vorgehensweise: "Aus dieser Wildnis werden Plätze als Kommunikationsräume ausgegrenzt."
Das Gelände des ehemaligen Steinbruchs in der Bonner Straße war ein Glücksfall. "Im TV las ich 1978 die Anzeige: Zwei Grundstücke billig zu verkaufen", berichtet Eckert. Er griff zu und packte an. Mit Spitzhacke und Schaufel arbeitete er sich mit Freunden auf dem Grundstück vor.
Eine natürliche Grenze setzte ein lang gezogener Felsen. Darunter konnte der Garten mittels Mauern terrassiert werden. Über Treppen gelangt man auf die Dachterrasse mit Blick auf die Mosel, die schroffen Felsen und die untere Garten-Etage. Die ist zum Ausstellungsraum der Keramikerin Elke Gerber-Eckert geworden. An der tiefsten Stelle liegt ein kleiner Seerosenteich. Das malerische Idyll wird von einem Seidenbaum beschirmt. Ein Gartenweg führt vom Mimosengewächs bis an den Klippenrand der Zivilisation.
Der Garten des Paars ist jedes Jahr im März am "Tag der offenen Töpferei" im Rahmen des "Tags der offenen Gärten" der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur, und auf Anfrage (Telefon 0651/89272) zu besichtigen. An der diesjährigen Ausstellung des Arbeitskreises gestaltender Handwerker der Region "Werkform-Werkkunst" nimmt auch Elke Gerber-Eckert mit ihrer Keramikkunst teil. Die Ausstellung startet bei der Langen Nacht der Museen im Landesmuseum Trier am 24. September. Von 18 bis 24 Uhr wird dort Grünholzdrechseln gezeigt. Am 25. September führen die Kunst-Handwerker in einer Vernissage durch ihre Ausstellung. Ein Konzert und die Vorführung der Holzbildhauerei stehen am 2. Oktober auf dem Programm, Ziselieren am 9. Oktober, jeweils um 11 Uhr. Die Ausstellung ist jeweils am Samstag und Sonntag von 9.30 bis 17.30 Uhr geöffnet und endet am 16. Oktober mit einer Finissage um 11 Uhr. kf