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Trier: Bahn verunstaltet denkmalgeschützen Hauptbahnhof

Denkmalschutz : Flickwerk am Trierer Hauptbahnhof - Deutsche Bahn verunstaltet denkmalgeschütztes Gebäude

Die Bahn hat am Trierer Hauptbahnhof das Vordach des Denkmals abgerissen und offene Stellen notdürftig repariert. Die Stadtverwaltung ärgert sich über die unschöne Optik – hat aber keine Handhabe.

Dabei steht das Bahnhofsgebäude unter Denkmalschutz (siehe Extra). „Jedem Privaten, der sich erlauben würde, eine denkmalgeschützte Fassade so zu verschandeln, würden die Behörden aufs Dach steigen“, sagt ein Trierer, der sich über die Optik des Hauptbahnhofs ärgert.

Die Flickschusterei ist übrig geblieben vom Abriss des einstigen Vordachs des Bahnhofgebäudes. Die weit auskragenden, rechteckigen Eisendächer hatte die Bahn im Frühjahr abbauen lassen.

Den Abriss des in den 1970er Jahren nachträglich angebrachten und für den eleganten Bau viel zu wuchtigen Vordachs hatte die Bahn mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt. Auch der Bau eines neuen, filigraneren Vordachs ist mit den Denkmalschützern abgesprochen und genehmigt worden.

Dass die nach dem Rückbau des alten Dachs offenen Verbindungsstellen am Hauptportal mit Spanplatten ausgebessert wurden, darüber war die Behörde allerdings nicht informiert.

„Dafür gibt es auch keine rechtliche Grundlage“, sagt Rathauspressesprecher Michael Schmitz. „Wann und wie genehmigte Abbruch- und Baumaßnahmen umgesetzt werden, darauf haben wir daher nur bedingt Einfluss.“ Nebenbestimmungen, wie eine Baustelle optisch herzurichten sei, könnten nur in Ausnahmefällen – etwa wenn archäologische Funde gefährdet seien – erlassen werden.

Die Stadt ist unglücklich mit den Flickarbeiten an der Bahnhofsfassade. „Das Erscheinungsbild des Bahnhofs ist leider keine gute Visitenkarte für die Stadt Trier“, sagt Schmitz. Die Stadtverwaltung werde daher einen Appell an die Bahn richten, die Optik der Baustelle zu verbessern.

Die Bahn selbst äußert sich auf TV-Nachfrage nur sehr einsilbig. Es handele sich um einen „Bau-Zwischenstand“, teilt eine Unternehmenssprecherin mit. Seit wann genau dieser „Bau-Zwischenstand“ besteht und ob die Bahn die Ausbesserungsarbeiten tatsächlich in dieser Form beauftragt oder etwa selbst ausgeführt hat, dazu verweigert die Bahnsprecherin trotz mehrfacher intensiver Nachfragen des TV die Auskunft.

Auch die Nachfrage, wie lange die Fassade des Bahnhofs noch durch die Flickarbeiten beeinträchtigt ist und wann das neue Vordach errichtet wird, bleibt unbeantwortet.

Kommunikationsprobleme mit der Deutschen Bahn hat offenbar auch die Trierer Stadtverwaltung. Anders sind die Äußerungen von Rathaussprecher Michael Schmitz nicht zu verstehen. Seit 2011 stehe die städtische Denkmalpflege in Kontakt mit der Bahn, um die Bauarbeiten am Trierer Hauptbahnhof abzustimmen, erklärt Schmitz.

Bei zahlreichen Ortsterminen, Telefonaten und im schriftlichen Austausch seien verschiedene planerische Vor­überlegungen und bauliche Maßnahmen ausführlich erörtert und denkmalschutzrechtlich geprüft worden.

„Sehr zum Bedauern der städtischen Denkmalpflege wurden manche bereits abgestimmten Entwürfe und Maßnahmen dann doch nicht umgesetzt, sondern unerwartet zurückgestellt oder grundlegend umgeplant“, erklärt Schmitz. Geschuldet seien die Abspracheprobleme wohl den „bisweilen komplizierten Abläufen bei der Deutschen Bahn“, meint Schmitz.

Dabei hat die Stadt selbst den Denkmalschutz, der sich auch auf das Umfeld des Bahnhofs auswirkt, nicht immer fest im Blick: Bei der Planung der großen Fahrradgarage, die die Stadtwerke derzeit im Auftrag der Stadt direkt neben dem Hauptbahnhof bauen, war keine Rücksicht auf den schutzwürdigen Hauptbahnhof genommen worden.

 Da hilft die Rote-Schleifchen-Deko wenig: Die Bahn hat das Eingangsportal zum Trierer Hauptbahnhof mit rohen Ziegelsteinen und Pressspanplatten ausgebessert.
Da hilft die Rote-Schleifchen-Deko wenig: Die Bahn hat das Eingangsportal zum Trierer Hauptbahnhof mit rohen Ziegelsteinen und Pressspanplatten ausgebessert. Foto: Friedemann Vetter
 Sanierungsarbeiten Hauptbahnhof Trier
Sanierungsarbeiten Hauptbahnhof Trier Foto: Friedemann Vetter

Der Architektur- und Städtebaubeirat lehnte die Entwurfszeichnungen mehrfach ab. Die Stadtwerke mussten nachbessern und die Fassade der Radstation viel zurückhaltender gestalten, um das Bahnhofsgebäude nicht in den Schatten zu stellen. Der Bau der Radgarage verzögert sich dadurch um etliche Monate (der TV berichtete).