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70 Praxen geschlossen

Dr. Michael Schötz vertrat gestern in den Vereinigten Hospitien streikende Kollegen. Foto: Christiane Wolff
Dr. Michael Schötz vertrat gestern in den Vereinigten Hospitien streikende Kollegen. Foto: Christiane Wolff
TRIER. Rund 70 Praxen im Stadtgebiet haben heute ganztags geschlossen, weil die Ärzte sich an einer zentralen Protestkundgebung in Neustadt/Weinstraße beteiligen (siehe auch Rheinland-Pfalz, Seite 4). Auch am Donnerstag und Freitag werden in Trier rund 50 Praxen geschlossen bleiben. ARRAY(0x5a2d5a30)

"Die Praxis ist vom 20. bis 25. Februar wegen der Protestwoche geschlossen", informiert der Anrufbeantworter des Trierer Allgemeinarztes Dr. Martin Dieudonne derzeit. Die urologische Gemeinschaftspraxis Heß/Schäffner in Trier erklärt ebenfalls per Bandansage: "Die Praxis ist geschlossen, weil wir uns an der Großdemonstration in Neustadt beteiligen, um bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen, was auch Ihnen als Patient zugute kommt." Auch bei Neurologe Michael Brenner läuft ein Anrufbeantworter: "Wir beteiligen uns an der Protestwoche mit eingeschränkten Telefonzeiten. Solche Einschränkungen und weitere drohen, wenn sich unsere finanzielle Situation nicht ändert." Andere Ärzte hielten ihre Praxen gestern geöffnet und schließen lediglich heute. Wieder andere beteiligen sich gar nicht am Streik: "Aus wirtschaftlichen Gründen", heißt es aus einer Labormedizin-Praxis. "Ich erkläre mich absolut solidarisch mit den Streikenden", sagt Lungenfacharzt Ulrich Schröter, der zu denen gehört, die ihre Praxis auch heute geöffnet halten. "In der Großregion werden 600 000 Bürger von nur drei niedergelassenen Lungenfachärzten betreut. Meine Patienten müssen sechs bis acht Wochen auf einen Termin warten - einen Streiktag hätte ich mit entsprechendem Vorlauf planen müssen." Wie mehrere Kollegen überlege allerdings auch er, seine Kassenzulassung zurückzugeben und nur noch Privatpatienten zu behandeln. "Denn auf keinen Fall könnte ich von dem Geld, was ich über die Krankenkassen verdiene, die Praxis betreiben." Notdienst in der Windmühlenstraße

"Wie viele Praxen exakt geschlossen sind, ist schwer zu sagen", sagt Dr. Dieudonne, stellvertretender Vorsitzender des Medi-Verbands Südwest, der die heutige Kundgebung organisiert hat. "Ich schätze, am Mittwoch werden in Trier 70 Praxen zu bleiben, am Donnerstag und Freitag rund 50." Die Ärzte haben einen Notdienst in den Vereinigten Hospitien, Windmühlenstraße, Telefon 0651/45555, eingerichtet. Jeweils zwei Ärzte halten heute bis 24 Uhr, am Donnerstag und Freitag von 8 bis 19 Uhr die Versorgung aufrecht. Am gestrigen Dienstag hat der Notdienst habende Trierer Allgemeinarzt Wolfgang Schötz dort bis zur Mittagszeit 13 Patienten behandelt. Verärgert über die Vertretungssituation seien die Patienten nicht. "Die meisten sind gut informiert über unser Anliegen und wissen, dass sie selbst mit im Boot sitzen, wenn unsere Budgets weiter gedeckelt werden", sagt Schötz. Verängstigt seien einige trotzdem. "Es wird schon so viel gespart, weitere Einschränkungen würden bedeuten, dass ich essentielle Medikamente weglassen müsste - da reden wir nicht mehr vom Hustensaft, sondern von Herzmedikamenten oder Cholesterinsenkern." Am Sinn dieser Sparmaßnahmen zweifelt Schötz: "Würde der Staat es ernst meinen mit der Kostensenkung im Gesundheitssystem, würde er Medikamente nicht höher besteuern als den Playboy, auf den nur sieben Prozent Mehrwertsteuer kommen. Statt dessen soll die Mehrwertsteuer für Medikamente auf 19 Prozent steigen. Damit werden die Kosten weiter in die Höhe getrieben."