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Sport
Ein Fitnesspark für Trier — geschenkt

So kann ein Outdoorpark aussehen. Diese neuen Geräte sind aber keine Bestandteile eines solchen Parks, sondern gehören zum Angebot der Uni Trier, die ihr Outdoor-Programm vergrößern will.
So kann ein Outdoorpark aussehen. Diese neuen Geräte sind aber keine Bestandteile eines solchen Parks, sondern gehören zum Angebot der Uni Trier, die ihr Outdoor-Programm vergrößern will. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Ein Vermögensberater aus Trier will einen Outdoorpark am Mattheiser Weiher für die Stadt bauen lassen. Doch das ist nicht so einfach, denn auch Geschenke müssen durch den Dschungel der Bürokratie. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Die Stadt Trier hat viel zu bieten. Einen reinen Outdoorpark hat sie aber noch nicht, findet Florian Biewer. Der selbstständige Vermögensberater aus Heiligkreuz beschließt deshalb, etwas zu unternehmen.

Parks dieser Art bieten einen Fitnessparcours mit mehreren Geräten und Installationen im Grünen unter freiem Himmel, in Großstädten wie Hamburg und Berlin sind sie enorm beliebt. Die Bandbreite ist riesig, von Klassikern wie dem Basketballkorb und der Klimmzugstange bis zu Exoten wie der Slackline, einer sicheren Fitnessvariante des aus dem Zirkus bekannten Hochseils, reicht das Angebot. Einen Park dieser Art brauchen wir auch in Trier, sagt sich Biewer. Er beschließt, den Park zu planen und zu organisieren, ihn mit Hilfe von Sponsoren aufzubauen und der Stadt zu schenken.

„Ich habe schon viele Outdoorparks gesehen“, sagt Biewer im Gespräch mit dem TV. „Ein solcher Park ist eine tolle Geschichte. Alle Generationen kommen dort zusammen. Ich wünsche mir einfach, dass auch wir einen solchen Park in Trier haben.“

Zu den ersten Hürden, die Biewer nehmen muss, gehört die Suche nach der geeigneten Fläche. Problem Nummer zwei ist die Überzeugung eines Sponsors, die notwendigen Geräte zu beschaffen und aufzubauen. Der junge Vermögensberater löst ein Problem nach dem anderen.  Er nimmt Kontakt mit der Stadtverwaltung auf und findet den geeigneten Ort gemeinsam mit dem Grünflächenamt der Stadt Trier.

Das Amt nennt ihm den Mattheiser Weiher als Standort. Die Idee scheint auf den ersten Blick ideal zu sein — das Areal um den Aulbachweiher und den Mattheiser Weiher  im Stadtteil Feyen-Weismark  ist eine grüne Insel im Innenstadtbereich und bereits heute bei Familien, Joggern und Spaziergängern enorm beliebt.

Dann stellt sich die Frage, wer das denn alles bezahlen soll. Florian Biewer braucht einen Sponsor. Er sucht und findet eine große regionale Baufirma, deren Führungsebene von seiner Idee begeistert ist und zusagt, die notwendigen Geräte zu beschaffen und aufzustellen. Außerdem sammelt er Geld über eine Crowdfunding-Plattform, findet viele Unterstützer und bekommt 5000 Euro zusammen.

Kurz gesagt: Florian Biewer und sein Outdoorpark sind startklar, und zwar schon seit Oktober. Doch die Stadt Trier ist es nicht. „Alles ist von A bis Z abgedeckt. Den Aufbau der Geräte macht die Baufirma ehrenamtlich. Die Fläche ist gefunden“, sagt Biewer. „Aber es geht nicht los. Die Stadt hat uns noch keine Starterlaubnis gegeben.“

Da sein Projekt die ersten Hürden im Galopp genommen hat, fühlt sich der Initiator von der Verwaltung ausgebremst. „Wir hätten längst loslegen können“, sagt er. „Was fehlt der Stadt denn noch?“

Mit dieser Frage konfrontiert der TV die Stadtverwaltung Trier. Deren Sprecher Michael Schmitz antwortet: „Wir mussten zuerst einmal klären, welchen Status der Park hat. Mittlerweile ist klar: Am besten lässt sich das als Schenkung an die Stadt regeln.“

Der aktuelle Plan: Der Brunnenverein Heiligkreuz übernimmt die Anlage und schenkt sie der Stadt. „Es geht darum, dafür zu sorgen, dass die Unternehmen, die hier etwas spenden, auch steuerlich Spenden geltend machen können. Um das sicherzustellen, mussten wir die Verträge genau prüfen, denn da kommt es mitunter auf genauen Wortlaut an“, sagt Stadt-Sprecher Schmitz.

Was fehlt noch? Weil es sich um eine Schenkung handelt, muss diese jetzt noch angenommen werden. Das heißt, sie muss in die entsprechenden Gremien, den Stadtvorstand und den Stadtrat Als erstes muss der Ortsbeirat von Feyen/Weismark beteiligt werden.

Die Vorlage wird nun in der ersten Ortsbeiratssitzung im neuen Jahr am 30. Januar beraten. „Der Park kann voraussichtlich im Frühjahr aufgebaut und eröffnet werden“, kündigt Schmitz an. „Die Trierer können dort den Winterspeck abtrainieren.“

Der Kommentar:

Das nächste Mal bitte mehr Tempo, liebe Stadt Trier

Von Jörg Pistorius

Wünsche sind eine gefährliche Geschichte. Denn wenn sie wahr werden sollen, muss jemand sie bezahlen. An diesem simplen Grundsatz scheiterten bisher alle Versuche, in der Stadt Trier eine neue Eishalle zu bauen, nachdem die Stadt 2009 aufgrund enormer Betriebskosten aufgegeben und die alte Halle im Industriegebiet zwischen Euren und Zewen geschlossen hatte. Auch ein 2014 gegründeter Förderverein konnte bisher nichts ausrichten. Denn am Ende muss immer jemand bezahlen, und der Bau einer neuen Eishalle kostet einen zweistelligen Millionenbetrag. Florian Biewer hatte den Vorteil, dass sein Outdoorpark wesentlich günstiger zu haben ist als eine Eishalle. Er suchte und fand einen Sponsor und wird mit dessen Hilfe seinen Traum eines neuen Parks in Trier verwirklichen.

Die Stadtverwaltung hätte gut daran getan, dieses Projekt mit mehr Energie und Tempo zu unterstützen. Monatelange Prüfungen mögen den Strukturen einer Verwaltung entsprechen, können einem solchen Projekt aber den Todesstoß versetzen, wenn Initiator oder Sponsor die Geduld verlieren.

j.pistorius@volksfreund.de