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Heute DFB-Pokal: "Die Eintracht hat diese Treue verdient"

Beim DFB-Pokal-Sieg gegen Arminia Bielefeld im September 2009 jubeln die Trierer Fans. Am heutigen Samstag kommt der FC St. Pauli ins Moselstadion. TV-Foto: Archiv/Hans Krämer
Beim DFB-Pokal-Sieg gegen Arminia Bielefeld im September 2009 jubeln die Trierer Fans. Am heutigen Samstag kommt der FC St. Pauli ins Moselstadion. TV-Foto: Archiv/Hans Krämer
Trier. Das Pokalfieber hat Trier im Griff. Tausende werden zum Moselstadion pilgern, wenn die Eintracht am heutigen Samstag (15.30 Uhr) gegen den FC St. Pauli antritt. In der Diskussion mit dem TV spricht der Eintracht-Fanbeauftragte Thomas Metzger über Chancen, Erwartungen und die Treue der Fans. Jörg Pistorius

Trier. Die Eintracht im DFB-Pokal - eine Adrenalin freisetzende Geschichte. Die Siege gegen Schalke 04 und Borussia Dortmund 1997 sind ewige Höhepunkte der Vereinsgeschichte. Als die Eintracht 2009 Bundesligist Hannover 96 und Arminia Bielefeld aus dem Pokal wirft, jubelt eine Stadt wieder für ihren Verein.
Es gibt nicht nur den Pokal


An genau diesem Punkt beginnt ein Thema, über das viele Fans schon seit langer Zeit gerne und intensiv diskutieren. Denn obwohl man sich über ein volles Haus im DFB-Pokal natürlich mächtig freut und jeder einzelne Zuschauer herzlich willkommen ist, machen die Besucherzahlen im Regionalligabetrieb nur einen Bruchteil der Fanmassen während eines Pokalspiels aus. 2009 verkaufte der Verein die begehrten Tickets für das Pokal-Halbfinale der Eintracht gegen den 1. FC Köln nur in Verbindung mit Karten für das kurz danach stattfindende Regionalliga-Duell gegen den SV Waldhof Mannheim. Die Botschaft ist klar: Es gibt nicht nur den Pokal. Auch und gerade in der Regionalliga braucht die Eintracht ihre Fans. "Es wäre fantastisch, wenn auch nur die Hälfte der Zuschauer eines Pokalspiels auch im Ligabetrieb erscheinen würden", meint Thomas Metzger. Der Fanbeauftragte sagt das ohne auch nur eine Spur von Verärgerung, er stellt vielmehr einfach eine Tatsache fest. "Klar ist jeder einzelne Zuschauer wichtig und sehr gern gesehen. Aber diese Mannschaft hat auch in der Liga das Vertrauen und die Unterstützung vieler Zuschauer verdient."
Darin klingt nicht nur der wehmütige Blick auf volle Ränge und Tribünen während eines Pokalspiels mit. Die im Schnitt zwischen 1700 und 1800 liegende Zuschauerzahl der vergangenen Saison ist keine passende Reaktion auf die starke Leistung des Teams von Trainer Roland Seitz, dieser Ansicht ist nicht nur Thomas Metzger. "Natürlich spielt die Vergangenheit hier eine wichtige Rolle", sagt er. "Mit Mario Basler als Trainer und auch davor ist viel zerbrochen worden, hier muss die Eintracht viel Kredit zurückgewinnen." Die Erinnerung an die vielen Trainerwechsel nach dem Abstieg 2005 und vor allem die schlimme Saison 2009/2010 mit ihrer Rekordserie an Zu-Null-Niederlagen sitzen auch heute noch in vielen Köpfen.
Zweiter hinter Preußen Münster


Das dürfe, so Metzger, aber kein Dauerzustand werden. "Diese Saison ist Vergangenheit, jetzt sieht die Lage anders aus." In der Tat: In der Saison 2010/2011 wurde das Team in der Regionalliga Zweiter hinter Preußen Münster und holte Ende Mai in Trier gegen den TuS Koblenz zum fünften Mal in Folge den Rheinlandpokal. Eine starke Basis für die nächste Saison - in der es um den Aufstieg gehen könnte? "Man kann einen Aufstieg nicht planen", erklärt Thomas Metzger. "Aber ich bin sehr optimistisch, dass wir oben mitspielen."
Für das Spiel gegen St. Pauli warnt Metzger vor überzogenen Erwartungen. "Man sollte nicht davon ausgehen, dass wir sowieso gewinnen." Der Bundesliga-Absteiger von der Reeperbahn sei ein starker Gegner. "Ich traue der Eintracht den Sieg zu. Aber wenn ich ein starkes Spiel sehe, in dem Trier alles gibt und knapp verliert, bin ich trotzdem froh, guten Fußball gesehen zu haben."
Thomas Metzger (43) wurde mit acht Jahren zum begeisterten Fan der Eintracht, arbeitet im Hauptberuf als Koch in Trier und ist seit 13 Jahren der Fanbeauftragte: Er vermittelt zwischen den Fangruppen, der Polizei und dem Verein.

Extra: Park and Ride


Mit dem Bus zum Stadion: Das Problem ist zwar dauerhaft vorhanden, wird allerdings wegen der hohen Zuschauerzahlen vor Pokalspielen besonders intensiv. Wo sollen die Fans am heutigen Samstag (Anpfiff: 15.30 Uhr) parken? Die fehlenden Parkmöglichkeiten am Stadion und das Parkverbot an der Zurmaiener Straße mit Knöllchengefahr haben in Trier für Diskussionen gesorgt (der TV berichtete). Der Radweg am Stadion bleibt für Autos tabu. Aber die Eintracht bietet in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken einen kostenlosen Park-and-Ride-Service an. Ab 13.30 Uhr sowie bis eine Stunde nach Spielschluss verkehren Busse zwischen Stadion und Nikolaus-Koch-Platz sowie Stadion und Handwerkskammer. Der TV hat die Stadtwerke gefragt, ob dieses Angebot einmalig ist oder zur längerfristigen Entschärfung des Parkplatzproblems beitragen könnte. "Die Stadtverwaltung, Eintracht Trier und die Stadtwerke sind in Gesprächen", sagt Sprecherin Anne Hechler. "Noch ist kein weiterer Shuttle-Service bei uns bestellt worden." jp

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